Malivas amoralischer Fluch

BY : Hoellenspass
Category: German > Originals
Dragon prints: 1936
Disclaimer: This is a work of fiction. Any resemblance to real people, dead or living, is purely coincidental.

~4~
Nihil enim lacrima citius arescit

Darias Erwachen am nächsten Morgen war ein langwieriger und schleichender Prozess. Nur sehr schwerfällig und fast mühsam tauchte sie allmählich aus einem tiefen Schlaf auf, als müsste ihr Bewusstsein erst wieder Tropfen für Tropfen zueinanderfinden. Sie konnte sich nicht daran erinnern, irgendwelche Träume gehabt zu haben, es war vielmehr eine allumfassende Schwärze, die sie verschluckt zu haben schien und nun nach und nach wieder freigab. Das willkommene Vergessen dieser Dunkelheit hatte sogar ihre Persönlichkeit erfasst; es dauerte einen Moment, bis sie überhaupt wusste, wer sie war, doch dann fielen ihr immer mehr Details ein: der Fluch, ihre Flucht von Zuhause und ihr neues Leben als Geächtete.

Als sie letztlich die Augen aufschlug, war sie also nicht überrascht, sich in einem fremden Bett wiederzufinden. Nach diesen kleinen Anlaufschwierigkeiten blieb ihr keines der gestrigen Erlebnisse mehr verborgen, weder das Opfer, das Maliva für sie auf sich genommen hatte, noch ihr eigenes Verhalten danach, wie sie sich an sie geklammert hatte aus Angst davor, von ihr allein gelassen zu werden. Mittlerweile war diese Unbeherrschtheit ihr peinlich, dennoch war es unbeschreiblich schön gewesen, einfach nur die Nähe und Wärme des anderen Mädchens auf ihrer Haut zu spüren. Nie zuvor war sie sich so geborgen, so sicher und so geliebt vorgekommen. Somit war es nicht einmal verwunderlich, wie gut sie in dieser Nacht geschlafen hatte. Sonst war sie nicht so unbekümmert, wenn sie woanders übernachtete, doch heute war sie völlig frei gewesen, frei von allen Sorgen und jedem Verlangen. Sie hatte nichts weiter tun wollen, als in Malivas Armen zu liegen, umschmeichelt von dem Trost, den sie ihr spendete, und genauso war es gewesen. Obwohl sie noch immer heimatlos war, noch immer eine Heimgesuchte des Fluchs, war sie all dem für die Dauer einer Nacht entronnen.

Doch obwohl ihr Schlaf so behütet gewesen war, war er nicht in völliger Ruhe verlaufen, wie sie jetzt bemerkte. Am Abend zuvor hatten sie beide auf dem Rücken gelegen, Daria mit den Händen Malivas Arm umschlungen, nun aber lagen sie einander zugewandt in dem hellen Licht der Morgensonne. Das Bett war zu eng, als dass sie weit voneinander hätten abrücken können; ihre Gesichter waren sich so nahe, dass Daria Malivas warmen Atem auf ihrer Wange spüren konnte, und ihre Hände waren sogar ineinander verschränkt, als hätte sie selbst im Schlaf nicht auf diese wohltuende Berührung verzichten können.

Normalerweise blieb Daria nicht gerne untätig. Auch wenn es in der vergangenen Tagen einige Gelegenheiten gegeben hatte, in denen sie sich nicht dazu aufraffen konnte, irgendetwas zu unternehmen, brauchte sie sonst doch immer eine Beschäftigung. Auch morgens verschwendete sie keine Zeit damit, der Stille der Nacht nachzutrauern, sondern begann sofort sich für einen neuen Tag zurecht zu machen. Heute jedoch war das anders. In diesem Moment konnte sie nicht anders, als reglos hier liegenzubleiben und Maliva in ihrem Schlummer zu beobachten. Der Anblick war so niedlich, dass Daria sich unmöglich von ihm hätte losreißen können, auch wenn sie es mit aller Macht versucht hätte. Sie hatte die Nase leicht kraus gezogen und die Stirn gerunzelt, fast sah es aus, als würde sie mit geschlossenen Augen und offenem Mund über ein unlösbares Problem nachdenken.

Aus irgendeinem Grund, den sie sich nicht ganz erklären konnte, wurde Daria warm ums Herz, sie so friedlich daliegen zu sehen und das erhebende Gefühl ihrer Gegenwart zu spüren. Ihre Freunde, ihre Familie, jeder hatte sie verlassen, nachdem sie von ihrer Veränderung erfahren hatten, einzig Maliva hatte ihr Versprechen wahr gemacht und war nicht von ihrer Seite gewichen. Zum ersten Mal seit dem Hervorbrechen ihres Fluchs kam sie sich wieder sicher vor. Auch wenn sie ohnehin nirgendwo sonst mehr willkommen war, es gab einfach keinen Ort, an dem sie jetzt lieber gewesen wäre als genau hier, nackt neben dem Mädchen, dem sie ihr Schicksal als Ausgestoßene verdankte. Immerhin hatte Maliva sie nicht nur bei sich aufgenommen, als sie es am nötigsten hatte, sie hatte noch unendlich viel mehr für sie getan: Sie hatte Verständnis gezeigt, für ihre neueren Verfehlungen ebenso wie für vergangene, sie hatte sie so sein lassen, wie sie eben war, ohne ihr Vorhaltungen deswegen zu machen und nicht zuletzt war sie schlicht für sie da gewesen, hatte sie an ihrer Schulter weinen lassen, als sie hatte weinen müssen und ihren Schmerz gestillt, als ihre Seele in Qualen vesunken war.

Doch das größte Geschenk, das Maliva ihr gemacht hatte, war wohl ihre Selbstaufopferung. Sie ließ Daria nicht alleine leiden, sondern nahm stattdessen sogar ihren eigenen Fluch auf sich. Die junge Hexe hatte recht gehabt, der Gedanke, dass sie beide von nun an dasselbe Problem teilten, entfachte tatsächlich einen winzigen Funken neuer Hoffnung in ihr. Mehr als alles andere empfand Daria eine tiefe Verbundenheit zu ihr. Wie sollte es auch anders sein? Sie waren geeint durch ein Geheimnis, das sie beide mit sich herumtrugen, das ihr ganzes Leben in Trümmer setzen und sie in einen bodenlosen Abgrund der Verachtung reißen konnte, wenn es je herauskam. Sie mussten einander bedingungslos vertrauen können, sie waren darauf angewiesen, dass keine von ihnen sich unbedacht offenbarte.

Getrieben von diesem Gedanken blickte sie unwillkürlich auf Malivas Unterleib herab. Ob es wirklich funktioniert hatte? War sie nun ebenso gestraft wie sie selbst? Darias Neugier in dieser Hinsicht war ungezügelt, doch würde sie sich noch etwas länger gedulden müssen. Sie lagen beide bis zu den Schultern unter der Decke und Maliva hatte sich regelrecht in sie vergraben, obwohl ihr dazu bei der geringen Breite gar nicht allzu viel Stoff blieb. Es fiel Daria schwer, das Bettzeug nicht einfach etwas anzuheben und nachzusehen, aber das wäre ihr wie ein Bruch ihres bitter benötigten Vertrauens vorgekommen und das konnte Daria ihr nicht antun, nicht nachdem sie erfahren hatte, wie peinigend so etwas war.

Dennoch konnte sie nicht aufhören, an Malivas verändertes Geschlecht zu denken. Genau genommen stellte sie es sich sogar in allen Einzelheiten vor. Würde es genauso aussehen wie ihr eigener auf so abstruse Weise empfangener Penis? Seitdem sie den von Daniel gesehen hatte, wusste sie immerhin schon einmal, dass ihrer nicht besonders ungewöhnlich war, ließ man die Hintergründe außer Acht, und der kurze Blick, den sie auf den von Theresa erhaschen konnte, wies darauf hin, dass die Art, wie man den Fluch auf sich zog, keine Auswirkungen auf seine Erscheinungsform hatte, doch war Daria klar, dass es von Mensch zu Mensch immer gewisse Abweichungen gab, manchmal nur sehr geringfügige, manchmal etwas größere. Sie hatte zumindes schon hin und wieder verstohlene Aussichten auf die Scheide von anderen Frauen erlangen können, auf die ihrer Mutter natürlich, die man in familiären Verhältnissen unweigerlich mal unbekleidet zu Gesicht bekam, auf die ihrer einstmals besten Freundin, vor der sie nie irgendwelche Gehiemnisse gehabt hatte, oder auf die von Unbekannten bei ihren Besuchen im Schwimmbad.

Anhand solcher zufälliger Einblicke kannte sie die Divergenz, die hier herrschte. Die ihrer Mutter war zum Beispiel ganz anders, bei ihr war der pinkfarbene Zugang ihres Kanals deutlich sichtbar, die von Maliva hingegen, die Daria am Abend zuvor in aller Ausführlichkeit bewundert hatte, glich ganz der ihren: Ihe äußeren Schamlippen stießen so dicht aneinander, dass sie einen kaum wahrnehmbaren, verführerischen Schlitz bildeten. Würden sich ihre Unterkörper nach der Verwandlung immer noch dermaßen ähneln? Wäre ihr Ding vielleicht ein bisschen kleiner oder sogar noch größer? Wäre seine Haut ebenso blass wie beim Rest von Malivas Körper oder wäre sie wie bei Daria etwas dunkler?

Noch während Daria sich in diesen Überlegungen erging, fingen Malivas Lider an zu flattern und plötzlich schlug sie blinzelnd die Augen auf. Im ersten Moment wirkte sie überrascht, unmittelbar nach dem Aufwachen ausgerechnet Daria in ihrem Bett vorzufinden, doch dieser Ausdruck verschwand schnell wieder. Ein Gähnen unterdrückend streckte sie sich ein wenig, bis sie den Schlaf endlich so weit abgeschüttelt hatte, dass sie sprechen konnte. »Morgen«, sagte sie, die Stimme noch immer gehüllt in ein traumbefangenes Murmeln.

»Morgen«, antwortete Daria mit einem Lächeln auf den Lippen, das Maliva erstarren ließ. Die Zuneigung, die daraus hervorstrahlte war zweifellos echt und das alleine ließ ihr Herz unweigerlich höher schlagen. Es pochte so heftig, dass es sich anfühlte, als würde es vor lauter Glück zerspringen, und es schickte eine Welle behaglicher Wärme durch sie hindurch, erfüllte ihren Brustkorb, versetzte ihren Bauch in einen schwebeartigen Zustand und überzog ihre Wangen mit einem Hauch von Röte, bis sie sich irgendwann in ihren Fingerspitzen verlor. »Hast du gut geschlafen?«

Fest kniff Maliva die Augen zusammen und öffnete sie wieder, um sich wenigstens so weit aus dem Bann dieses hinreissenden Lächelns zu befreien, dass sie eine Antwort formulieren konnte. Es reichte allerdings gerade einmal für ein verlegen ausgestoßenes »Hm-hm« zur Bestätigung, und selbst das entsprach nicht ganz der Wahrheit. Im Gegensatz zu Daria war ihr Schlaf sehr viel unruhiger gewesen. Es kam ihr vor, als hätte sie die ganze Nacht nur in einem oberflächlichen Dahindämmern zugebracht, als hätte sie sich im Halbschlaf ruhelos von einer Seite auf die andere gewälzt, ohne je wirklich aufzuwachen.

Sie wollte Daria noch fragen, wie sie selbst denn geschlafen hatte, doch dazu kam es nicht mehr. Als Maliva sich auf den Bauch drehen wollte in dem Versuch, sich noch weiter dem Einflussbereich der geradezu umwerfenden Schönheit des Mädchens in ihrem Bett zu entziehen, schoss ein ihr völlig unbekannter Schmerz ihren Intimbereich entlang, der sie vor Schreck aufkeuchen ließ.

Mit unübersehbarer Sorge in den Zügen richtete Daria sich auf. »Was ist denn los? Was hast du?«

Maliva hatte gar nicht bemerkt, dass ihre Hände noch immer ineinander verschlungen waren; erst als Daria sie nun fester umklammerte, fiel es ihr auf und nun da sie sich dessen bewusst geworden war, konnte sie den Gedanken daran nicht mehr aus ihrem Kopf vertreiben. Übedeutlich nahm sie wahr, wie sich die Finger trotz des vor Befürchtungen unnachgiebigen Griffs weich um die ihren schlossen. Sie konnte nicht verhindern, dass sie erneut errötete, aber das lag nicht allein an der fast schon schwindelerregenden Berührung, sondern auch an dem Grund, der diese beschützende Reaktion ausgelöst hatte. Es war ihr bereits peinlich genug, was diese Misslichkeit überhaupt verursacht hatte, noch peinlicher jedoch war ihr, dass sie Daria wegen einer solchen Belanglosigkeit in Aufregung versetzte.

Als sie die erfolglose Unternehmung in Angriff nahm sich umzuwenden, war Maliva ihr Ständer in den Weg geraten. Natürlich war es für sie schon etwas absolut Fremdartiges, einen Penis zu besitzen, dennoch wurde ihr in dem Moment klar, dass er sich über Nacht versteift haben musste. Bis dahin hatte sie gar nicht mehr daran gedacht, dass sie nunmehr unter dieser körperlichen Umbildung stand; sie hatte zwar nicht wirklich vergessen, dass sie den Fluch auf sich genommen hatte, seine Auswirkungen allerdings hatte sie gewissermaßen verdrängt. Doch als die Spitze ihres noch ungewohnten Körperteils hart gegen die Matratze stieß und von ihrem eigenen Gewicht eingequetscht zu werden drohte, stachen sie ihr schmerzhaft wieder ins Gedächtnis. Es hatte sich kurz so angefühlt, als sei der Schaft dicht davor gewesen, einfach in der Mitte durchzubrechen.

»Schon gut«, sagte sie in einem vor Scham gedämpften Flüstern, »es ist nichts weiter, ich hab mich nur ... na ja, auf mein Ding gelegt.«

Verständnisvoll nickte Daria, ehe ihr auffiel, dass sie diese Erklärung doch nicht ganz nachvollziehen konnte. »Bist du sicher, dass alles in Ordnung ist? Mir ist das auch schon passiert, und das hat nicht wehgetan. Eigentlich ... fühlte es sich sogar ganz gut an.«

»Tja, also weißt du ...« Fieberhaft suchte Maliva nach einer glaubwürdigen Ausrede, doch so sehr sie sich auch anstrengte, es fiel ihr einfach nichts ein. Letztendlich war es wohl ohnehin besser, bei der Wahrheit zu bleiben; immerhin würden sie als Zimmernachbarinnen zumindest für die nächste Zeit zwangsläufig ein vorbehaltloses Verhältnis zueinander aufbauen müssen. In dem begrenzten Heim, das sie von nun an teilten, blieb einfach kein Raum für Heimlichkeiten; hier konnten sie nichts verbergen, jeder unerwünschte Ständer und jede noch so verzweifelt geheim gehaltene Empfindung würde früher oder später ans Licht kommen. Außerdem bestand keine Notwendigkeit, noch irgenetwas zu verstecken. Am Abend zuvor waren sie sich so nahe gekommen, wie es nur ging, sie hatten es miteinander getrieben und Maliva hatte sogar Darias Geschlechtsteil in den Mund genommen, wieso sollte ihr da dieses natürliche Phänomen noch peinlich sein? »Das wird wohl daran liegen, dass er bei dir nicht steif war«, gab sie schließlich zu, »aber ich habe offensichtlich eine Morgenlatte.«

Nun verstand Daria tatsächlich, was geschehen war. Fasziniert blickte sie Maliva an, sich in den Tiefen ihrer unergründlichen, beinahe golden leuchtenden Augen verlierend. »Eine Morgenlatte?«, wiederholte sie gedankenversunken. »Wie ist das denn so?«, fragte sie wie abwesend, obwohl sie das ganz und gar nicht war. Es lag in der Natur des Menschen, mehr über sich selbst herausfinden zu wollen, und so brannte sie darauf, eine Antwort zu hören, doch als Maliva nur unter einer hochgezogenen Augenbraue zu ihr hinüberlugte, fühlte sie sich genötigt, noch eine kleine Erklärung anzufügen: »Ich hatte noch nie eine.« Das war ja auch erst das dritte Mal, dass sie mit einem Penis statt ihres angestammten Geschlechts erwachte, und bei keiner dieser Gelegenheiten war er steif gewesen. Dabei hatte sie schon oft von diesem Phänomen gehört, es war häufig Gegenstand der wohlwollenden Sticheleien, mit denen Jungs untereinander sich offenbar ihre Freundschaft bezeugten, wie man auf dem Schulhof immer wieder beobachten konnte, ebenso wie der Umstand, dass man wohl ab und zu ungewollt einen Ständer bekam, ohne überhaupt erregt zu sein. Aber nichts davon hatte Daria bisher erlebt, sie hatte höchstens mit aller Macht verhindern wollen, einen zu bekommen, gerechtfertigt war er allerdings in jedem Fall. Er war ausnahmslos das sichtbare Anzeichen eines drängenden inneren Verlangens gewesen. Umso gespannter war sie nun, was Maliva ihr darüber berichten konnte, doch das war nicht viel.

»Es ist eigentlich nicht anders als sonst auch ... äh, na ja, glaub ich zumindest. Ich hatte ja sonst noch keine Latte.«

»Hm. Bist du denn ... scharf?« Sachte wog Maliva den Kopf auf dem Kissen hin und her, eine unmissverständliche Geste der Bestätigung und der Scham gleichermaßen. Daria konnte sie dahingehend nur zu gut verstehen; diese Mischung aus Lust und Schuld war etwas, mit dem sie in letzter Zeit viel Erfahrung gesammelt hatte. Sei es nun die Erkenntnis, dass es erstaunlich viel Spaß machte, sich seinem Anus zu widmen, dass sie zweifellos darauf stand, andere mit ihren Körperflüssigkeiten zu besudeln oder wie sehr sie darin aufging, sich mit einem Mädchen zu vergnügen, innerhalb dieser paar Tage musste sie sich eingestehen, an einer ganzen Menge Dinge Gefallen zu finden, von denen sie nicht wusste, ob sie ihr gefallen durften. Waren das nicht allesamt Perversionen, Praktiken, die allgemein nicht gebilligt wurden? Wenigstens ihre Eltern hätten nichts davon gutgeheißen, so viel konnte sie mit Sicherheit sagen, dennoch hatte sie in allen dieser Depravationen ihre Erfüllung gefunden, und genau dort lag die Verwerfung ihres Geistes. So sehr sie diese Eskapaden auch genossen hatte, konnte sie doch nicht ihr schlechtes Gewissen unterdrücken, das ihr unaufhörlich zuflüsterte, wie amorlaisch diese Ausschweifungen waren.

Auch jetzt überfielen sie wieder diese Emotionen. Wie sollte es denn schon anders sein? Immerhin lag sie dicht an dicht mit ihrer wunderschönen Mitschülerin, mit der sie gestern erst geschlafen hatte, und die sich nun völlig unbekleidet neben ihr in den Laken räkelte. Ihr betörender Duft umwehte sie wie ein exotisches Parfum, das unausweichlich auch ihren eigenen Penis anschwellen ließ, in dem vollen Bewusstsein darüber, wie ungehörig das war.

Das war fraglos dasselbe, was Maliva widerfuhr. Die Nähe, in der sie einander unentrinnbar mit allen Sinnen wahrnahmen, weckte Erinnerungen an den vorigen Abend, an die Ekstasen, die sie sich gegenseitig geschenkt hatten. Kein noch so winziger Fetzen Stoff trennte sie und dieser Eindruck wurde sogar noch dadurch verstärkt, dass sie sich eine Decke teilten. Sie wirkte wie eine physische Verbindung zwischen ihnen; unter ihr staute sich ihre Körperwärme und erhitzte sie auf eine Weise, die sich nicht auf die Temperatur beschränkte.

Es kostete Daria also gar nicht viel Mühe, sich in Maliva hineinzuversetzen, sie steckten buchstäblich in der gleichen Situation. In ihnen beiden loderte die Leidenschaft, ohne dass sie ihr hätten nachgehen können. Sie konnten sich kaum im Beisein der anderen einen abschütteln, das wäre viel zu peinlich gewesen. Wie hätte sie solch eine Überschreitung jeden Anstands auch nur vorschlagen sollen? Hätte sie es nur versucht, wäre sie bereits vor Scham gestorben. Zwar hätte sie sich zur Toilette entschuldigen können, um diese Sache dort zu erledigen, doch machte das ihrer Ansicht nach keinen besonderen Unterschied. Maliva würde genau wissen, was ihr unvermuteter Weggang zu bedeuten hatte, und wie sollte Daria ihr je wieder in die Augen sehen können, wenn sie völlig zu recht den starken Verdacht hegte, dass sie in deren Zuhause an sich selbst herumgespielt hatte?

Natürlich gab es da noch eine weitere Möglichkeit, obwohl die nicht weniger gegen herrschende Moralvorstellungen verstieß: Sie könnten einfach wiederholen, was sie am Abend zuvor getan hatten. Eigentlich wäre das in diesem Fall sogar eine Verbindung aller Verfehlungen, die Daria in diesen Tagen begangen hatte; sie würde es wieder mit einem Mädchen treiben, wieder ihren Anus als Lustorgan benutzen lassen, außerdem hatte sie auch diese Mal vor, ihre Körpersäfte fließen zu lassen. Ihre Eltern hätten mit Sicherheit nichts davon gutgeheißen, trotzdem kam ihr das aus irgendeinem Grund weit annehmbarer vor. Zum einen fühlte Daria sich fast schon dazu verpflichtet; gestern hatte Maliva ihr den Gefallen getan, sich in ihr erleichtern zu dürfen, als sie den unwiderstehlichen Drang danach verspürt hatte, heute würde sie sich dafür erkenntlich zeigen. Vor allem aber würde sie dabei nichts tun, was sie nicht schon erlebt hatte. So falsch sie auch sein mochten, es war doch bestimmt besser, bei den Sünden zu bleiben, mit denen man schon vertraut war, als sich auf noch vollkommen unbekannte einzulassen. So würden sie nur gemeinsam ihre Begierden ausleben, zwei Menschen, die sich einander in freiem Willen hingaben, was sollte es daran auszusetzen geben?

»Vielleicht ... könnte ich dir ja dabei behilflich sein ...?«, deutete sie verhalten an, ohne es zu schaffen, Maliva dabei in die Augen zu sehen.

»Wie meinst du das?«

Erst bei dieser verwirrten Nachfrage flackerte Darias Blick kurz zu ihrem Gesicht empor, stürzte sofort darauf aber wieder hinab auf die Bettdecke zwischen ihnen. »Na ja, ich bin dir ja noch etwas schuldig ... wegen gestern, oder nicht?«

Nun endlich schien Maliva zu begreifen. »Du meinst wir ... sollten es noch mal tun?«

»Warum nicht?«, merkte Daria leichtferig an, als hätte es ihr keine Mühe bereitet, zu dieser Entscheidung zu gelangen. »Außer natürlich du willst nicht«, fügte sie kaum hörbar hinzu. Sie versuchte, möglichst unbekümmert zu klingen, als wäre es für sie ohne Bedeutung, ob Maliva auf dieses Angebot einging oder nicht, war sich aber im Klaren darüber, dass ihr das misslang. Eine erneute Zurückweisung, nachdem sie gerade erst die sachten Anhalte einer neugewonnenen Hoffnung erfuhr, hätte ihr schwer angeschlagenes Selbstbild endgültig zerschmettert, und dieses Bekenntnis ließ sich schlichtweg nicht verheimlichen.

»Doch, doch, ich will schon«, beeilte Maliva sich zu sagen, sei es nun aus einem tieferen Verständnis für Darias Gefühlslage heraus, oder weil sie befürchtete, dass sie es sich anders überlegen könnte. »Ich hab nur nicht erwartet, dass du so etwas vorschlagen würdest.«

»Das ist doch nur fair, du hast ja dasselbe für mich gemacht, und wenn wir das sowieso schon mal gemacht haben, was spricht dann dagegen, es noch mal zu tun? Welchen Sinn soll es haben, wenn du dir nachher verschämt auf der Toilette einen runterholst, wenn wir das genauso gut gleich jetzt erledigen können und dabei beide unseren Spaß haben? Außerdem ... bist du nicht auch neugierig auf eine nähere Untersuchung deiner Verwandlung?«

Dem konnte Maliva nicht widersprechen, natürlich war sie mehr als nur neugierig. Wie hätte es auch anders sein sollen? Das war immerhin eine entscheidende Veränderung ihrer gesamten Lebensumstände. Zwar sollte sie nur solange anhalten, wie sie brauchte, um einen Gegenzauber zu erlernen, doch wer konnte schon sagen, wann es dazu kam? Ihre Ungeduld, die nicht ganz gewissen Auswüchse ihres Fluchs zu erforschen, war also nicht ungerechtfertigt, und auch wenn es ihr nicht behagte, die so offen einzugestehen, nickte sie doch bedächtig.

»Na also«, gurrte Daria sanft, als sei sie eine Ärztin, die einem ängstlichen Patienten gut zuredete, »und ich bin es auch, also zeig schon her.«

Die ganze Zeit über hatten sie sich kaum gerührt. Maliva lag noch immer auf der Seite, wo sie schmerzerfüllt innegehalten hatte, die Hand umklammert von Daria, die sich besorgt über sie gebeugt hatte, nun aber geriet dieses starre Gefüge in Bewegung, wenn auch nur allmählich und in unscheinbarem Maße. Maliva war es nach wie vor nicht geheuer, sich so unverhüllt vor diesem Mädchen zu zeigen, das sich nicht nur immer über sie lustig gemacht hatte, sondern zu allem Überfluss sogar selbst einfach umwerfend aussah, trotzdem zwang sie sich dazu, sich auf den Rücken zu drehen. Da sie bislang noch zugedeckt war, kam dadurch nicht viel zum Vorschein, ihre steinharte Latte wurde so nur gegen den losen Stoff gedrückt, unter dem sie sich wand, und beulte ihn zu einem ansehnlichen Zelt aus.

Doch obwohl es sonst nichts weiter zu bestaunen gab, konnte Daria nicht den Blick von dieser vielversprechenden Erhebung lösen. Es war, als hätte sie soeben ein Geschenk gefunden, das in buntes Papier verpackt für sie drapiert worden war. Dieses vorsichtige Herantasten steigerte ihre Neugier ins Unermessliche, und die Art, wie Maliva sich zierte, nahm sie noch mehr für sie ein. Dieses Mal würde sie sich auch nicht davon abbringen lassen, sich eingehender mit dem ihr dargebotenen Penis zu befassen. Gestern, als sie – aus ihrer Sicht heraus – ihre Unschuld an Daniel verloren hatte, hatte sie nicht einmal genug Zeit gehabt, ihn richtig in Augenschein zu nehmen, zumindest nicht aus der Nähe, bevor er hastig in sie gerammt wurde, doch das würde sie nun nachholen. Den von Maliva würde sie jetzt nicht mehr nur oberflächlich zu Gesicht bekommen, sondern ihn regelrecht studieren, sie würde ihn sich genauestens ansehen, ihn abtasten, sowie jedes weitere Mittel einsetzen, das ihr zur Verfügung stand.

Als ersten Schritt dazu griff sie nach ihrer Brille, die auf dem kleinen Nachttisch neben dem Bett lag, und setzte sie auf. »Ich schätze, dann sollte ich auch wieder deinen Fetisch bedienen, nicht wahr?«, sagte Daria, während sie ihre Brille zurechtrückte, die Andeutung eines verspielten Lächelns auf den Lippen.

»Das ist kein Fetisch!«, wehrte Maliva sich. »Ich finde nur ... die Brille steht dir eben.«

Darias Lächeln wurde breiter. Ihre spöttische Bemerkung hatte eher dazu gedient, den eigentlichen Grund zu verschleiern, aus dem sie sich ihre Brille aufgesetzt hatte, allerdings musste sie zugeben, dass es ihr großen Spaß machte, Maliva derart in Verlegenheit zu bringen. »Aber es ist dir lieber, wenn ich sie aufbehalte, oder?«

Maliva war dieses Geständnis sichtlich unangenehm, brachte nach einigem Zögern aber dennoch ein etwas abgehackt wirkendes Nicken zustande.

Diese Ergebung, die sie Maliva entlockte, die Offenbarung ihrer Zuneigung und ihrer eigenen Lust, überspülte Daria mit einer Welle der Erregung, die bis in ihre Fingerspitzen reichte. Sie spürte, wie sie ihre Hände zum Beben brachte, als sie sich nun daran machte, ihr Geschenk auszupacken. Langsam streckte sie ihre zitternden Finger aus, bis sie die Aufschläge der Decke erreichten und zog sie vorsichtig herab. Stück für Stück enthüllte sich ihr mehr des betörenden Körpers darunter, als der Stoff widerstandslos von ihm abglitt, wie Wasser von der Blüte einer Orchidee: der sinnlich geschwungene Hals, die anmutigen Rundungen der Brüste, der sich in nervöser Atmung hebende und senkende Bauch und zuletzt das, worauf Daria sehnlichst gewartet hatte, Malivas steil aufragender Ständer.

Zunächst verharrte die Decke einen Moment an diesem sich aufbäumenden Hindernis, als würde sie sich sträuben auch noch dieses so intime Körperteil ihrem Blick freizugeben, doch endlich gelang es Daria, sie vollends hinabzuzerren. Damit genoß sie nun tatsächlich eine uneingeschränkte Sicht auf ihr Versuchsobjekt und sie verschwendete keine weitere Zeit mit Zögern, sondern stürzte sich sofort auf ihre angedachte hemmungslose Beobachtung. Mit den dicht zusammengehaltenen Beinen schien Malivas Schritt eine Mulde zu bilden, aus der sich ihr Schwanz unnachgiebig erhob. Er sah aus wie ein Turm, der in einem sonnendurchfluteten Tal stand, unbezwingbar und ehrfurchtgebietend. Fast wirkte er sogar wie von einem Scheinwerfer angestrahlt. Das Gefälle der Dachschräge war so niedrig, dass das darin eingelassene Fenster mehr einem Oberlicht glich und die dadurch hereinströmende Helligkeit konzentrierte sich unmittelbar auf Malivas Becken.

Mit diesen Gegebenheiten war es leicht, ihn sich genau anzusehen, trotzdem ging Daria in die Hocke, um ihm noch näher zu sein. Sie hatte ohnehin vor dem liegenden Mädchen gekniet, doch nun beugte sie sich so weit zu ihr hinab, bis sie selbst die winizgste Einzelheit erkennen konnte. Die unterschieden sich wirklich nicht besonders von denen ihres eigenen Steifen: dicke Venen wanden sich um seine gesamte Länge, wie die Stränge eines Myzels um einen tropischen Baum, die Eichel lag verborgen unter einem Hautzipfel, der ebenso darüber hinausragte wie bei ihr, und die Hoden darunter hingen herab wie reife Mandarinen in einem seltsam verschrumpelten Beutel. Ansonsten schien Malivas Unterleib nicht anders zu sein als zuvor. Den hatte Daria ja gestern auch schon mit einiger Begeisterung inspiziert. Die Haut war noch ebenso hell wie zuvor, beinahe durchscheinend, und noch immer war kein einziges Haar an ihm zu entdecken. Daria vermutete, dass es anders als bei ihr aber nicht daran lag, dass sie angefangen hatte, ihren Intimbereich zu rasieren, Maliva kam ihr noch so kindlich vor, dass sie vielmehr annahm, dass sie es einfach noch nicht nötig hatte.

Nachdem sie ihrer beider Penisse eine ganze Zeit lang nur dem Äußeren nach miteinander verglichen hatte, befand Daria schließlich, dass es angebracht war, die nächste Phase ihrer Erforschung einzuleiten. Völlig hingerissen, als gäbe es nichts in der Welt, das ihre Aufmerksamkeit mehr verdient hätte, legte sie einen Finger auf das prall abstehende Rohr. Bereits jetzt, auch ohne ihr Zutun, wippte er sachte auf und ab, getrieben von dem begehrlichen Puls, der ihn durchfuhr. Probeweise stubste sie ihn an und wie zu erwarten war hüpfte er kurz umher, bevor er wieder an ihrer Fingerspitze zur Ruhe kam. Dann umgriff sie den Schwanz vollständig, allerdings so, dass ihn nur die Kuppen ihrer Finger berührten. Auf diese Weise konnte sie die bewegliche Vorhaut, die seine Eichel bedeckte, hinauf und hinab führen.

Das tat sie jetzt mit beinahe aufopfernder Hingabe. Selbst wenn sie es mit aller Macht versucht hätte, hätte sie sich wohl nicht davon abhalten können, dazu war ihr Entdeckerdrang einfach zu groß, immerhin diente dies hier auch Erkenntnissen ihres eigenen Zustands. Zwar hatte Theresa sie unabsichtlich masturbiert in dem Versuch, ihrer geheimnisvollen Verwandlung auf den Grund zu gehen, doch war Daria bei ihrem Sammeln von Hinweisen weitaus effizienter zu Werke gegangen. Sie hatte sich mehr mit medizinischer Sorgfalt abgetastet und jeden sonstigen Umgang mit ihrer Anomalie so weit wie möglich vermieden. Nicht einmal als sie sich gestern befriedigt hatte, hatte sie sich mit ihr beschäftigt, sondern war sogar so weit gegangen, statt ihr ihren Anus zu benutzen. Sie hatte also nie einen Penis onaniert, weder ihren eigenen noch den von jemand anderem, sie hatte es nur passiv in Form einer freundschaftlichen Hilfeleistung miterlebt.

Umso gespannter war sie nun zu erfahren, wie das war. Mit äußerster Achtsamkeit analysierte sie das Gefühl, wie sich die samtig wirkende Vorhaut an ihre Fingerspitzen schmiegte, wie sie sich mühelos vor und zurück schieben ließ und wie der breitere Eichelrand unter ihr zu spüren war. Auch mit ihren Blicken studierte sie diesen Vorgang genauestens. Es war geradezu berauschend zu sehen, wie der rosafarbene Knauf am Ende des Schwanzes in diesem Mantel verschwand und sich langsam wieder daraus hervorschälte. Das helle Leuchten seiner kräftigen Tönung durchbrach den Schleier seiner Kuppel scheinbar noch, bevor er selbst ihn durchstieß; im einen Moment bildete die überlappende Haut noch ein als undurchdringlich wahrgenommenes Geflecht um ihn herum, im nächsten stach er daraus hervor, der Stempel einer knospenden Blüte, deren Blätter sich schleichend von ihm lösten.

Obwohl dieses Schauspiel sie mehr in seinen Bann schlug, als sie je erwartet hatte, gelang es ihr, sich von ihm loszureißen und zu Maliva hinüberzublicken. Die verfolgte das Geschehen mit ebensolch gespannter Faszination, möglicherweise sogar mit noch mehr, war es doch ihr eigenes neugeformtes Geschlecht, mit dem sie hier Bekanntschaft schloß. Sie war damit ja genauso wenig vertraut, und so starrten sie beide gleichermaßen darauf hinab, die Augen so unentrinnbar von ihm angezogen, dass auch Daria es nicht lange aushielt, den Blick von ihm zu lassen.

Als sie sich ihm unweigerlich wieder zuwandte, bemerkte sie, dass sich an seiner Spitze allmählich ein kleiner Tropfen bildete, der rasch größer wurde. Es war eine durchsichte, farblose Flüssigkeit, die aus dem winzigen Loch darin hervorsickerte. Das musste Vorsamen sein, auch wenn es kaum Ähnlichkeit mit dem wenigen Sperma besaß, mit dem sie bislang in Kontakt gekommen war. Erst als soviel davon ausgetreten war, dass es über die Vorhaut schwappte und ihre Hand benetzte, wurde Daria sich der Gemeinsamkeiten bewusst. So unterschiedlich die beiden Sekrete aussahen, sie waren zumindest im selben Maße schleimig. Warm blieb es an ihren Fingern haften, wurde von ihnen gleichmäßig über Schaft und Eichel verteilt, während sie an ihnen entlangrieben, und überzog schließlich den gesamten Penis mit seiner klebrigen Nässe.

Das machte die ganze Angelegenheit natürlich um einiges glitschiger. Ihre Hand begann leichter über Malivas Schwanz zu gleiten, die Vorhaut blieb zurück und ließ die Eichel unbedeckt, sodass Daria sie nun ganz unmittelbar streichelte. Dieser Umstand, die Feuchtigkeit, die ihr Unternehmen so fließend werden ließ, erinnerte sie an die Schwierigkeiten, als sich Daniel am Tag zuvor in ihrem Hintern ergangen hatte. Schon da hatte sie gedacht, dass es die Sache bestimmt vereinfachen würde, wenn sein Penis nur in irgendeiner Form beschmiert gewesen wäre. Das war jetzt zwar zweifellos der Fall, doch nahm Daria an, dass es noch nicht ganz ausreichte. Es wäre mit Sicherheit besser, wenn auch ihr Loch in vergleichbarer Weise befleckt würde.

Da kam ihr eine Idee. Im ersten Moment erschien sie ihr absurd, aber je länger sie darüber nachdachte, desto mehr musste sie sich eingestehen, dass dieser Gedanke sie anmachte. Dass diese Maßnahme dann noch helfen würde, Maliva in ihren Anus Einlass zu verschaffen, war ein zusätzlicher Gewinn. Damit verblieb nur, die erbetene Ausführende dieser Unterstützung von ihrer Notwendigkeit zu überzeugen.

Widerstrebend löste Daria ihren Griff um die aufgerichtete Stange, behielt jedoch einen Finger auf der Öffnung ganz oben, mit dem sie spielerisch die unablässig hervorquellenden Wollusttropfen verrieb. »Also ... bevor du loslegst, wäre da noch eine Kleinigkeit ...«

»Ja?«, fragte Maliva überrascht nach.

»Es ist ja nicht so, dass ich viel Erfahrung damit hätte, aber wie ich gestern herausgefunden habe, als Daniel mich ... besucht hat, tut es schon einigermaßen weh, dieser Neigung nachzugehen, wenn man keine geeigneten Vorbereitungen trifft.«

»Aha. Und was wären das für Vorbereitungen?«

»Na ja, was bei dieser Alternative fehlt, ist aus offensichtlichen Gründen so etwas wie Scheidenflüssigkeit. Wir brauchen also irgendeinen Ersatz. Ich meine, dein Ding ist ja nass genug«, lasziv deutete Daria auf Malivas Schwanz, von dem der glitzernde Vorsamen in langen Schlieren herabtropfte, »aber bei mir sieht das etwas anders aus.«

»Und was schlägst du da vor?«

»Ich denke, mit ein bisschen Spucke sollte es schon funktionieren.«

»Dann soll ich dir ... auf die Hintertür spucken?«

»Elegant ausgedrückt«, merkte Daria unscheinbar lächelnd an, »aber ich glaube, das reicht nicht. Das wäre zwar ein guter Anfang, aber damit das wirklich klappt, müssten wir die, äh, Hintertür schon richtig mit dem Zeug einweichen. Da wirst du wohl mit der Zunge arbeiten müssen.«

Unwillkürlich keuchte Maliva auf. »Du willst, dass ich dir das Arschloch ablecke?«

»Tja, das ist etwas weniger elegant ausgedrückt, aber ich schätze, so kann man das sagen, ja.«

Maliva konnte ihre Fassungslosigkeit kaum verbergen. Mit offenem Mund und aufgerissenen Augen starrte sie Daria an. Das konnte sie doch unmöglich ernst meinen! Das verstieß nun endgültig gegen jede Regel, die ihr je beigebracht worden war, ob nun von Anstand, Würde oder Sauberkeitsempfinden. Andererseits hatte sie nie besonders viel von Regeln gehalten, vor allem nicht von denen, die einzig und allein auf den überkommenen Moralvorstellungen einer reaktionären Gemeinschaft beruhten. Ansonsten wäre sie wohl auch nicht in der Lage gewesen, sich ihre homoerotische Veranlagung einzugestehen, außerdem hatte sie als Hexe gelernt, dass es so gut wie keine Regel gab, die man nicht ein wenig dehnen konnte, manchmal war es sogar unbedingt notwendig, gegen sie aufzubegehren. Welche Wendung hätte die Geschichte denn schon genommen, wenn Galileo sich an die strikten Dogmen seiner Zeit gehalten hätte oder Charles Darwin vor der Skandalösität seiner Idee zurückgeschreckt wäre?

Diese Überlegungen ließen das Fundament ihrer Bedenken bereits bröckeln und bald schwankten sie so sehr, dass sie ganz einzustürzen drohten. Immerhin war es ja nicht so, dass sie nicht schon selbst auf diese Paraphilie verfallen wäre. Hin und wieder, wenn sie masturbierte und ihr Verstand vor Lust zu entgleisen schien, geriet er eben auf solche Abwege. Es war immer mit nachträglichen Schuldgefühlen verbunden gewesen, trotzdem hatte sie sich einige Male vorgestellt, ihre Zunge durch die Poritze eines Mädchens fahren zu lassen und gegen die kaum aufzwingbare Höhle in deren Mitte zu drücken. Es hatte schließlich schon immer zu ihren liebsten Phanasien gehört, es ihren erträumten Gespielinnen mit dem Mund zu machen, und wenn man sich ausmalte, ihr Geschlecht zu lecken, lag es nicht allzu fern, dasselbe mit dieser zweiten Körperöffnung zu tun. Einmal hatte sie sogar einen Finger auf ihren Anus gelegt und ihn sanft massiert, als wäre er ihre Scheide. Sie hatte sich nicht getraut, ihn auch eindringen zu lassen, das hatte sie ja nicht einmal bei ihrer Weiblichkeit gewagt, dennoch war es auf eine höchst eigentümliche Art ungemein erregend gewesen.

Warum also sollte sie Daria dieses Gefühl verweigern, zumal sie offensichtlich begierig war, es zu erleben? Sie war ohnehin so hübsch, dass es Maliva schwerfiel, ihr überhaupt irgendetwas abzuschlagen, sei es auch noch so befremdlich. Egal wie hochnäsig sie ihr gegenüber immer aufgetreten war, bei ihrem Ausshen hatte sie zumindest allen Grund, eitel zu sein. Maliva war noch nie in ihrem Leben jemandem begegnet, der es auch nur annährend mit ihrer überwältigenden Schönheit hätte aufnehmen können. Wer konnte ihr da schon nachtragen, dass sie bei dem Gedanken an sie nicht aufhören konnte, sich selbst zu befriedigen?

In dieser Hinsicht war alles, was sie bisher mit Daria angestellt hatte, ebenso wie das, was nun folgen sollte, zu entschuldigen: Sie hatte einzig und allein ein paar ihrer geheimsten Wünsche erfüllt. Sie hatte es hemmungslos mit ihrer arroganten Klassenkameradin getrieben und es ihr anschließend sogar noch einmal mit dem Mund besorgt; alles Genüsse, die sie sich beim Onanieren schon lange erträumt hatte, ebenso wie Darias bemerkenswertes Anliegen. Welchen Unterschied sollte es da schon machen, wenn sie auch diesen noch wahr werden ließ?

Mit einem Mal beschloss Maliva, die verschrobeneren Ereignisse dieser ersten Übernachtung einer Freundin bei ihr als Gelegenheit zu betrachten, die sie dazu nutze, ihrer innigsten Sehnsüchte zu erliegen. Dies war doch genau der richtige Augenblick dafür. Sie hätte sich niemanden vorstellen können, mit dem sie lieber derartig verkommene Praktiken ausprobiert hätte, und wenn man ein solches Unterfangen in Angriff nahm, musste man sich an eine Person wenden, der man rückhaltlos vertraute – und zu ihrer eigenen Überraschung war das bei Daria mittlerweile der Fall. Bei ihr fühlte Maliva sich sicher und geborgen, als würden sie einander schon immer so nahe stehen wie Schwestern. Vor ihr brauchte sie sich nicht zu schämen, weder für die Grenzüberschreitungen der vergangenen Nacht noch für zukünftige. Sie hatten nicht nur beide Schuld auf sich geladen, indem es überhaupt erst zur jetzigen Situation gekommen war, die Novizin eines magischen Zirkels und das Opfer ihres Fluchs, sondern sie hatten auch gemeinsam einige Abseitigkeiten begangen, die in einem konservativen Weltbild wohl nur als Sünde gelten konnten. Damit waren sie einander so vertraut wie nur irgend möglich, sie hatten sowohl ihre Körper gegenseitig bis in den kleinsten Winkel erforscht als auch ihren Geist. Sie hatten sich ihre eigenen Verfehlungen eingestanden und die der jeweils anderen vergeben. Wie sollte ihnen da noch irgendetwas peinlich sein? Letztlich waren sie in allen Belangen immer nur dem einzigen Ratgeber gefolgt, in dessen Obhut sie sich ganz ohne jede Sorge begeben konnten: ihren Herzen.

Damit war Maliva zu einer Entscheidung gelangt; sie würde die Bedingung erfüllen, die ihr gestellt worden war. Immerhin hatte Daria ihr gerade angeboten, sich in ihrem Hintern zu erleichtern, da war es doch nur angebracht, ihr den Gefallen zu erweisen, ihn vorher noch ein wenig zu lecken.

»Okay«, gab sie zögernd nach, »wenn du meinst, es ist nötig ...« Ihre Stimme verstummte allmählich, wie von dem Sturm der Verlegenheit davongetragen, der in ihr tobte, und dieses Hadern war nicht einmal gespielt. Trotz allem fiel es Maliva nicht leicht, auf diese Forderung einzugehen, doch war die Aussicht zu verlockend, als dass sie ihr hätte widerstehen können. Dass dieses wunderschöne Mädchen vor ihr, die Verkörperung all ihrer Wünsche und ihrer Auffassung von Vollkommenheit, gewillt war, ihr mit ihrem Hinterteil zu Diensten zu sein, war eine Gabe, der sie sich nicht erwehren konnte, und dass Daria dabei noch immer völlig nackt war, machte es nicht einfacher. Schon zuvor hatte es ein Verlangen in ihr geweckt, das sie nicht abschütteln konnte, als sich bei ihrem Erwachen weiche Brüste und feste Schenkel an sie gedrückt hatten, doch war ihre Latte nun so unerbittlich, dass sie kaum mehr stillhalten konnte.

Unruihg zuckte ihr Becken auf und ab, ohne dass sie es hätte kontrollieren können, aber Daria war nicht weniger von Aufregung erfüllt als sie selbst. Sie konnte kaum glauben, dass Maliva sich zu dieser Perversion bereit erklärt hatte, und diese Zustimmung ließ ihren Penis so sehr anschwellen, dass er fast zu platzen drohte.

»Ja, es ist wohl nötig«, bestätigte sie, verfiel aber ebenso schnell wieder in Schweigen wie Maliva. Sie wusste einfach nicht, was sie noch hätte sagen sollen. Obwohl sie in den letzten Tagen erstaunlich oft Sex in den verschiedensten Konstellationen gehabt hatte, wenn man bedachte, dass sie ihre Unschuld gerade erst verloren hatte, war sie in Angelegenheiten dieser Art noch immer unsicher. Sie hatte stets großen Wert darauf gelegt, sich in allen Lebenslagen angemessen zu verhalten, hatte versucht die soziale Ordnung und ihre Normen einzuhalten, doch hier blieb ihr schleierhaft, was von ihr erwartet wurde. Wäre es vermessen von ihr gewesen, nun den nächsten Schritt einzuleiten, da sie ja auf dieses Vorgehen bestanden hatte, oder stand dieses Recht Maliva zu?

Die junge Hexe schien sich dieselben Fragen zu stellen, denn eine Zeit lang saßen sie sich bloß reglos gegenüber, die Blicke verstohlen abgewandt, doch ihre Schwänze starr aufeinander gerichtet, bis Daria endlich die Initiative ergriff. Während sie beide still abgewartet hatten, hatte sie es nicht geschafft, Maliva in die Augen zu schauen, trotzdem hatte Daria sie insgeheim unter halb niedergeschlagenen Lidern betrachtet – ihre sich nur leicht erhebende Brust, die zusammengedrückten Beine, die nicht den zwischen ihnen hervorragenden Ständer verbergen konnten und natürlich dieses aufreizende Geschlecht an sich – nun aber zwang sie sich dazu, sich endgültig von diesem bezaubernden Anblick loszureißen und sich umzudrehen. Nachdem sie das mit mehr Mühe hingekriegt hatte, als es sie hätte kosten dürfen, so scharf wie sie auf die ihr bevorstehende Behandlung war, ließ sie sich auf alle viere nieder, ganz so wie sie es auch bei Daniel getan hatte. Zum einen schien ihr die die sinnvollste Haltung zu sein, die sie einnehmen konnte, sollte Maliva sich doch mit ihrer Kehrseite befassen, zum anderen bemerkte sie aber selbst, wie sehr diese Wiederholung sie beruhigte. Auch wenn ihr einizger gemeinsam verlebter Akt in letzter Konsequenz das tragische Ende ihrer Beziehung und somit einen weiteren schmerzlichen Verlust von Geborgenheit versprechenden sozialen Strukturen begründete, war dies ein Element der Vertrautheit, an das sie sich auf dem unbekannten Terrain sexueller Ausschweifungen klammern konnte.

Hier gab es allerdings keine Armlehne, über die sie sich beugen konnte, es blieb ihr also einzig, auf Händen und Knien dazuhocken, während sie darauf wartete, dass Maliva der Aufforderung, die dieser pose innelag, nachkam. Das geschah zunächst jedoch nicht. Irritiert sah Daria über ihre Schulter hinweg hinter sich. Maliva hatte sich noch nicht bewegt, sie kniete an derselben Stelle wie zuvor, mit verträumtem Gesicht den ihr dargebotenen Intimbereich bewundernd. Offensichtlich war diese Einladung, so unmissverständlich sie auch sein mochte, ihr nicht genug. Das verunsicherte Daria ein wenig. Überkamen Maliva etwa Zweifel an ihrer Aufgabe? Hielt sie Daria nicht der Überwindung wert, die sie dazu hätte aufbringen müssen? Aber nein, wie sie erleichtert feststellte, lag in Malivas Zügen keine Spur von Unbehagen, aus ihnen war nichts anderes als pure Faszination herauszulesen.

Wenn die Sache so stand, bedurfte es nur eines kleinen weiteren Reizes, um Maliva aus ihrem Zustand der Lethargie zu reißen, und Daria hatte bereits eine Idee, wie der aussehen könnte. Vorsichtig ließ sie ihren Oberkörper herabsinken, bis ihr zur Seite gedrückter Kopf mit der Wange und ihre Brust flach auf dem Laken ruhten. Auf diese Weise wurde ihr ausgestrecktes Gesäß noch mehr betont, voll und rund ragte es Maliva entgegen, aber das war noch gar nicht der eigentliche Sinn ihres Vorhabens. Sobald sie einen sicheren Stand gefunden hatte, griff Daria hinter sich, umfasste ihre Pobacken und zerrte sie auseinander. Natürlich konnte sie es nicht sehen, aber sie wusste, dass sie Maliva so alles zeigte, was sie zu bieten hatte: die Spalte, die den Hintern teilte, musste weit geöffntet vor ihr liegen, die winzige Öffnung des Anus entblößend. Vielleicht war sie sogar ebenfalls ein wenig aufgedehnt und gewährte ihrer Beobachterin einen kleinen Einblick in das, was sie erwartete.

In dieser Position verharrte Daria in angespannter Stille, beinahe demütig auf dem Bett kniend, ihr Hinterteil ergeben Maliva hinhaltend und ihr nicht nur freien Blick sondern auch ungehinderten Zugang zu all ihren Vorzügen einräumend. Sie machte sich gar keine Illusionen, das war schon förmlich eine verzweifelte Bitte darum, bestiegen zu werden. Wenn das nicht die erhoffte Wirkung zeigte, wusste sie auch nicht weiter.

Da musste sie sich allerdings keine Sorgen machen. Diese hemmungslose Zurschaustellung ihres Zugeständnisses Maliva gegenüber, ihr Arschloch benutzen zu dürfen, erinnerte sie offenbar wieder an die Voraussetzung, die sie für dieses Privileg zu erfüllen hatte. Mit einem traumwandlerischen Schritt, den sie auf Knien zurücklegte, war sie bei ihr angelangt, beugte sich zu ihrem rückwärtigen Becken herab und vergrub ihr Gesicht zwischen dessen sich vorwölbenden Hügeln. Daria spürte, wie die Zunge mehrmals kitzelnd durch ihre Fuge strich, erst zaghaft, dann immer ungestümer, bis der Speichel ihre Haut völlig durchdrungen hatte. Zuletzt wagte Maliva sich sogar an den After selbst heran, ein Genuss, den Daria sich herbeigesehnt hatte. Unwillkürlich den Atem anhaltend verfolgte sie genau, wie die weiche Zungenspitze ihn zunächst verführerisch umspielte, sanft dagegen drückte und plötzlich ein Stück in sie fuhr, als Maliva sich mit aller Kraft in ihre Aufgabe stürzte. Weit drang sie zwar nicht ein, dazu war sie zu nachgiebig und der einlass, durch den sie sich zu kämpfen hatte, zu eng, aber das war auch gar nicht nötig; Daria verlor sich auch so schon widerstandslos in diesen Empfindungen. Eigentlich hatte sie es noch erotischer gefunden, als Maliva diese überaus empfindliche Stelle nur zärtlich geleckt hatte, das hatte ihr Herz fast ebenso in Aufruhr versetzt wie die Erfahrung, einen geblasen zu bekommen, und aus irgendeinem Grund war ihr diese rein äußerliche Behandlung um einiges intensiver vorgekommen als der Vorstoß in ihr Inneres, trotzdem machte sie dieses sich windende, sich beinahe formlos anfühlende Körperteil in ihr über alle Maße an. Es war, als würde sich ein Tenatakel in sie bohren, der mit seinen Bewegungen wellenartig ihren Schließmuskel aufzwang und sein konisch zulaufendes Ende innerhalb ihres Rektums umhertanzen ließ.

Doch so berauschend das auch war, wusste sie, dass es in Wirklichkeit nicht die Zungenschläge an sich waren, die sie so vereinahmten. Insgeheim war ihr klar, dass es vielmehr das Prinzip war, das dem zugrunde lag; sie liebte einfach die Vorstellung, dass Maliva ausgerechnet ihren Mund verwendete, um sich ihren höchst eigenen Teilen zu widmen, sei es nun ihr Geschlecht oder ihr Gesäß, und dass sie sich dabei offensichtlich erst überwinden musste, jetzt aber voller Eifer zur Sache ging, verschaffte Daria eine weitaus tiefere Befriedigung als die einer bloßen sexuellen Natur es je vermocht hätte. Sie schien ihre Brust zu erwärmen und sie überkam dasselbe Gefühl, das sich in ihr breitgemacht hatte, als Maliva sie hatte schweben lassen; ihr Magen wurde ganz leicht und sie selbst verlor jegliches Gewicht. Daria musste sich erst mit einem Blick unter sich vergewissern, aber sie war nicht schwerelos geworden, sie flog nicht wie in einem Meer aus Glückseligkeit treibend dahin, ihre Hände berührten noch immer das Laken, und die Falten, die es warf, bewiesen die Last, mit der sie sich darauf stützte. Diesmal war es keine Hexerei, der sie diese Freuden verdankte, diesmal war es einzig die in ihrem Anus umherflatternde Zunge.

Obwohl sie diese Emotion noch nie in einem erregenden Zusammenhang verspürt hatte, erkannte Daria sie doch wieder. So etwas hatte sie in den seltenen Fällen wahrgenommen, wenn sie mit sich und der Welt im Reinen war, wenn sie sich nicht verstellen musste, um den Ansprüchen der Außenwelt gerecht zu werden, sondern in den liebevollen Armen ihrer Familie oder Theresa, ihrer besten Freundin, ganz sie selbst sein konnte. Mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln sträubte sie sich dagegen, doch im Grunde blieb ihr keine Wahl, als es sich einzugestehen: was sie da erfüllte, war tiefste Zuneigung zusammen mit der unendlichen Zufriedenheit, die einen umgab, wenn nichts weiter zählte als die Zeit, die man mit seinen Anvertrauten verbrachte. Es war seltsam, dieser eigentlich so unschuldige Form der Verbundenheit in solch einer ordinären Situation zu erliegen, dennoch konnte kein Zweifel daran bestehen, dass dem so war.

Damit drängte sich allerdings eine hoffnungslos verworrene Frage auf: Wenn das stimmte, wenn sie Maliva tatsächlich diese bedingungslose Zuneigung entgegenbrachte, wieso verlangte Daria dann von  ihr, dass sie ihr den Arsch ausleckte? Im ersten Moment ergab das keinen Sinn, doch je mehr sie auf das Flüstern ihrer eigenen Seele lauschte und ihre Erfahrungen der letzten Tage bedachte, musste sie zugeben, dass sie die Antwort bereits kannte. Es lag geradezu auf der Hand. Ihre Besessenheit davon, andere mit ihren Körpersäften in Kontakt zu bringen, die ihr gestern an sich aufgefallen war, als ihr klar wurde, wie sehr sie sich danach verzehrte, es mit dem Mund gemacht zu bekommen, ihre Masturbationsphantasie kurz davor, in der sie davon träumte, wie Theresa mit ihrer Zunge Daniels Sperma aus ihr hervorholte, und nun diese von ihr gestellte Forderung; das alles versicherte ihr ebenso unbestreitbar wie ihr in Lust versunkenes Herz, dass es die unweigerlich damit einhergehende Demütigung war, an der sie sich aufgeilte.

Woran lag das? War sie so ein schlechter Mensch? Machte es ihr einfach Spaß, andere zu quälen, hatte sie deshalb Maliva in der Vergangenheit immer wieder das Leben schwer gemacht? Doch ein Teil ihres Selbst, ein Teil, dem sie nichts vormachen konnte, wusste es besser. Das sie diesem fremden Mädchen nie eine Chnace gegeben hatte, war keine Sache des Vergnügens gewesen, wies diese ungewohnt introspektive Seite von Daria sie zurecht, sondern war Ausdruck eine viel tiefergehenden Emotion: der Angst. Maliva war so grundverschieden von den Übrigen in ihrer Klasse, trotzdem war sie mit ihrer kaum zu erreichenden Schönheit nicht so einfach abzutun, und beides zusammen hatte sie wie die besorgniserregendste aller nur erdenklichen Berdohungen wirken lassen.

Das hatte sich mittlerweile ins Gegenteil verkehrt, jetzt kam Maliva ihr vor wie der einzige helle Stern in einer wolkenverhüllten Nacht, aber noch immer setzte Daria alles daran, sie zu erniedrigen. Wie sollte das zu erklären sein? Doch vielleicht waren ihre Gefühle ja gar nicht so vekommen, wie sie annahm. Sie empfand eine Gewissheit der Zusammengehörigkeit zu Maliva, das stand außer Frage, nur hatten alle anderen, denen sie etwas Ähnliches entgegenbrachte, ihr in dieser Zeit, in der Daria sie am meisten gebraucht hätte, den Rücken zugekehrt. Niemand hatte mehr zu ihr gehalten, ausnahmslos jeder hatte sie verlassen, wie sollte sie da hoffen, dass es mit Maliva anders enden würde, mit der sie nicht einmal viele Gemeinsamkeiten hatte? In dieser Hinsicht war die Hürde, die Daria ihr in den Weg stellte, um es mit ihr treiben zu dürfen, verständlich. Wenn sie sich zu der Schande herabließ, ihr die Zunge in den After zu stecken, war ihre Aufrichtigkeit doch unbestreitbar. Letzendlich war es der unwiderlegbare Beweis, dass die Zuneigung, die Daria ihr schenkte, auch erwidert wurde. Wenn sie es jemandem so schwer machte, sie zu mögen, die sich aber trotz allem dazu durchringen konnte, musste das doch bedeuten, dass ihrer beider Schicksale untrennbar miteinander verwoben waren. Was auch immer noch geschehen sollte, sie würden sich dem gemeinsam stellen, nach dieser Überwindung ihrer Scham würde Maliva sie zumindest nicht einfach ausnutzen und dann verschwinden.

Nach einer Weile verebbte das Gefühl, zügellos durch die Wolken zu schweben allerdings ein wenig; Maliva hatte die Zunge aus ihrem Anus hervorgezogen und richtete sich nun langsam auf. Als sie wieder mit durchgedrücktem Rücken auf den Knien hockte, zögerte sie jedoch erneut, einerseits weil sie nicht so recht wusste, was sie jetzt tun sollte, zum anderen weil sie sich in dem mitreißenden Anblick von Darias ausgestrecktem Hinterteil verlor, der sie alles andere vergessen ließ. Erst allmählich konnte sie sich von ihm lösen und ihr wurde klar, dass über ihr weiteres Vorgehen eigentlich gar keine Zweifel bestanden. Auch wenn sie selbstverständlich den Akt noch nicht als Ausführende begangen hatte, hatte sie doch dabei schon zuvor Darias Position eingenommen; die grundsätzlichen Abläufe waren ihr also nicht mehr unbekannt, das dafür vorgesehene Loch triefte vor Nässe und ihr betonharter Ständer beharrte schon seit Ewigkeiten darauf, endlich eingelassen zu werden. Somit waren fraglos alle Erfordernisse erfüllt, außerdem schien Daria ihre Vereinigung bereits voller Ungeduld zu erwarten, so vorbehaltlos wie sie noch immer ihre gesamte Schamgegend mit den Fingern offengelegt hielt. Da wäre es doch nur unhöflich gewesen, ihr das noch länger zu verwehren, oder nicht?

Maliva beschloß, dass sie das nicht verantworten konnte. Vor Lust erschaudernd legte sie eine ihrer Hände auf Darias Po, die andere um ihren sich aufbäumenden Schwanz. Als sie ihren eigenen Herzschlag in den Erschütterungen spüren konnte, die ihn durchliefen, fiel ihr mit einem Mal auf, dass dies das erste Mal war, dass sie ihr neugeformtes Geschlecht berührte, was sie seltsamerweise noch mehr aufwühlte als Darias kurze Masturbation vorhin. Ihr Streicheln war zutiefst erregend gewesen, doch das nun befriedigte ein Bedürfnis in ihr, das ebenso elementar, vielleicht aber sogar noch bedeutender war: die Suche nach Selbsterkenntnis. Die ihren Penis umschließende Hand selbst zu steuern, verlieh ihr einfach mehr Kontrolle über die Sache; so konnte sie nicht nur die Empfindungen analysieren, die ihr Unterleib ihr vermittelte, sondern auch ihre Ursachen, sie konnte sie untereinander abwägen und nicht zuletzt konnte sie ihn so natürlich viel besser fühlen. Immerhin war der Tastsinn schon immer ein wichtiges Mittel, um sich mit der Beschaffenheit eines fremden Gegenstands vertraut zu machen. So kam man in unmittelbaren Kontakt mit ihm und konnte sich ein Urteil darüber verschaffen, was bei bloßem Augenschein nur eine Vermutung geblieben wäre.

Es war wirklich überaus faszinierend, die Unebenheiten und Vorsprünge ihres ihr selbst unbekannten Geschlechts unter den Fingern zu spüren, dennoch kam Maliva mit einem Blick auf Darias erwartungsvoll auseinandergezerrten Gesäßfalte zu dem Schluss, dass dafür später noch genug Zeit blieb. Das war eine viel zu betörende Aussicht, als dass sie es noch länger hätte ertragen können, ihr nicht nachzukommen, doch sogar wenn es anders gewesen wäre, gab es keinen Grund, der sie an einer Weiterführung ihrer Forschung gehindert hätte. Auch ihren Schwanz im Arsch dieses wunderhübschen Mädchens zu vergraben, würde genug Befunde zu einer späteren Auswertung beitragen. In diesem Moment hätte sie sich darauf ohnehin nicht mehr konzentrieren können. Es bereitete ihr schon genug Schwierigkeiten, die Spitze ihrer Eichel an dem Rand der ihr dargebotenen Körperöffnung anzusetzen, ohne vor lauter Aufregung gleich wieder abzurutschen. Unter Aufbietung ihrer gesamten Willenskraft gelang es ihr zwar, doch damit hatte sich ihre Zurückhaltung bereits erschöpft. Sie hielt nur einen Augenblick so inne, gerade noch außerhalb der warmen Einhöhlung, dann trieb sie ihre harte Stange mit einem Stoß der Hüfte auch schon hinein.

Unwillkürlich atmete Daria heftig aus, als der fremde Körperteil sich plötzlich in ihren Darm schob. Dabei gab es dafür nicht einmal einen wirklichen Grund. Ihr Vorhaben war aufgegangen, anders als bei Daniel war es nicht unangenehm, wie ihr sonst so undurchdringlich verschlossenes Loch aufgespreizt wurde und der Penis sich immer tiefer in sie bohrte. Gebadet in Speichel wie das enge Band ihres Schließmuskels war, bot es viel weniger Widerstand und ließ sich bereitwillig dehnen. Es schien auch keinen Unterschied zu machen, dass Malivas Schwanz ein ganzes Stück größer war als der von Daniel. Obwohl sich die Einbuchtung, in die er langsam vordrang, so noch dichter um ihn legte, glitt er geschmeidig an ihren Wänden entlang. Im Gegensatz zum letzten Mal hatte sie jetzt keineswegs den Eindruck von Haut, die an Haut klebte, vielmehr strichen sie sanft übereinander hinweg, während sich die junge Hexe in einem stetigen, fließenden Prozess in sie hineindrängte. Trotzdem konnte Daria diesen aufseufzenden Laut nicht unterdrücken. Es war, als würde der in ihr Rektum fahrende Kolben ihr die Luft aus den Lungen pressen, sodass sie gar nicht anders konnte, als sie in einem verhaltenen Stöhnen entweichen zu lassen.

Maliva ließ ein ganz ähnliches Geräusch vernehmen, nachdem sie sich nun bis zum Anschlag in ihren Hintern vorgearbeitet hatte. Offensichtlich hatte bereits das bloße Eindringen sie unermesslich erregt und brauchte einen Moment, um sich mit diesen neuen aufreibenden Gegebenheiten vertraut zu machen, indem sie ihre Hüfte still an die ihr hingehaltenen Pobacken gedrückt hielt. Das konnte Daria ihr nur zu gut nachfühlen, sie hatte ja selbst schon die Erfahrung gemacht, wie überwältigend es war, sich plötzlich in einer so begrenzten, sich heiß an sie zwängenden Umgebung wiederzufinden. Allerdings hatte sie bislang lediglich das Innere einer Scheide kennengelernt, doch konnte sie aus der Art, wie sehr ihr After gestreckt wurde, unzweifelhaft darauf schließen, dass die Platzverhältnisse in dieser besonderen Körperöffnung noch um einiges eingeschränkter waren. Deutlich spürte sie, wie fest der straff gespannte Muskel den Stab in seiner Mitte umklammerte.

Dennoch hielt Maliva es anscheinend nicht lange aus, so untätig in ihr zu bleiben. Langsam und vorsichtig begann sie sich zu bewegen. So bedächtig als würde sie sich in einer unersetzlichen Kostbarkeit ergehen, ließ sie ihr Becken vor und zurück schaukeln, drängte sich Daria entgegen und entfernte sich wieder von ihr, in einem taumelnden Rhythmus, der sie beide völlig gefangennahm. Dass sie dabei mit äußerster Zurückhaltung vorging, hieß jedoch nicht, dass sie nicht auch ein wenig Kraft aufwendete, um ihr Bedürfnis zu stillen. Das war wohl auch nötig, immerhin musste sie ja irgendwie durch das unüberwindbar scheinende Hindernis der Verengung ihres Hintereingangs schlüpfen, aber selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte Daria es sich nicht anders gewünscht. Sie wollte sie in sich spüren, wollte ihr Verlangen nach ihr spüren,die Hitze ihrer Haut, die Verheißungen ihrer Nähe.

Und das tat sie. Fest pressten sich Malivas Schenkel an sie, jedesmal wenn der dicke Schwanz sich in sie bohrte, Daria konnte sogar die herabbaumelnden Hoden fühlen, die sachte gegen ihren Schritt schlugen. Das war schon aufreizend genug, doch erreichte es nicht die Intensität der Empfindungen, die ihr übervoller Anus ihrem vor Lust umnebelten Gehirn übermittelte. Obwohl Daniel sich dem bereits mit aller Hingabe gewidmet hatte, blieb es für sie überaus ungewohnt, sich von hinten nehmen zu lassen. Zwar konnte sie nicht mit Sicherheit sagen, ob es von vorne weniger merkwürdig war – das war ein Vergleich, der ihr auf absehbarer Zeit verwehrt bleiben würde – dennoch nahm sie an, dass es so war, zumindest hatte sie nie davon gehört, dass es so schwergängig sein sollte, es miteinander zu treiben. Denn auch wenn die Spucke, die Maliva mit ihrer Zunge über ihre Kehrseite verteilt hatte, die Angelegenheit erheblich erleichterte, war es nicht ganz einfach, den massigen Penis in ihrem winzigen Arschloch unterzubringen. Im Gegensatz zu ihrer Nummer mit Daniel am Tag zuvor, lag es diesmal aber nicht daran, dass er ohne jede Vorbereitung an dieser prekären Stelle entlangrieb, sondern einzig an der unvorstellbaren Enge, die sie nun einmal aufwies.

Aber das war wohl keine Überraschung. Sie hatte noch nie ihren eigenen Anus gesehen, wusste jedoch durch ihre gewonnenen Erfahrungen mit Theresa, wie klein diese Öffnung war. In ihren gewöhnlichen Ausmaßen war sie ja kaum sichtbar, nicht größer als ein Stecknadelkopf. Wenn man das in Relation zu ihrer Scheide betrachtete, hatte Darias Schwanz daneben wie der eines gigantischen Monsters gewirkt, und so kam es ihr jetzt auch vor, als hätte ein übermenschlich bestücktes Ungeheuer es geschafft, sein Teil in das Geschlecht eines Wesens zu quetschen, das eigentlich viel zu zierlich für seine Art war.

Sie hatte nie ein besonderes Interesse an diesem Gefühl gehabt, sie hatte sich ja nicht einmal selbst etwas eingeführt, das war ihr einfach nicht notwendig erschienen, doch nun war ihr Darm völlig ausgefüllt. Es war, als hätte ihr jemand Watte in den Hintern gestopft, bis nichts mehr hineinpasste und ihn anschließend versiegelt. Jede einzelne Windung und jede Aushöhlung ihres Inneren schien von Malivas ausladendem Rohr in Beschlag genommen worden zu sein. Dieser in sie hineingepresste Korken verschloss ihren Eingang allerdings nicht einfach nur, sondern blieb in konstanter Bewegung. Unaufhörlich fuhr der Penis in ihr ein und aus, drängte die Wände ihrer Eingweide auseinander und strich zärtlich am Rand ihres Afters entlang.

Das Merkwürdigste daran war ein innerer Druck, den sie in ihrem Unterkörper aufsteigen spürte. Immer wenn der Schwanz sich tiefer in sie schob, erhöhte er sich, so als würde Luft in ihren Bauch gepumpt und ihn ein wenig aufblähen, wenn er sich jedoch zurückzog, schien ein Vakuum zu entstehen, sodass es sich anfühlte, als würde ihr gesamtes Rektum sich zusammenziehen. Dieser stetige Wechsel aus sich aufstauender und nachlassender Kompression, aus Belastung und Erleichterung, griff aber noch viel weiter. Zum einen löste es in ihrem Magen ein aufregendes Kitzeln aus, eine befremdliche Mischung aus Lust und unterdrückter Schuld, der sie sich einfach nicht erwehren konnte, so oft Daria in den letzten Tagen auch von ihr befallen worden war. Ob sie nun mit ihrer besten Freundin rummachte, sich von ihrem ehemaligen Geliebten in den Arsch ficken ließ oder an sich selbst herumspielte, stets wurde sie dabei von dieser Empfindung begleitet. Wie hätte es denn auch anders sein sollen? Nichts davon war gesellschaftlich akzeptiert, ihnen allen haftete etwas Anrüchiges an, dennoch hatte jedes einzelne dieser Erlebnisse sie über alle Maßen angemacht.

Diese neuerliche Verfehlung war aber wohl noch schlimmer als alle ihre bisherigen zusammen. Nicht nur ließ sie sich erneut von hinten durchnehmen, diesmal übernahm das auch noch ein Mädchen, mit dem sie sich gerade erst angefreundet hatte, nachdem sie es zuvor bei jeder sich bietenden Gelegenheit niedergemacht hatte – und dass Daria sie im Zuge dessen dazu gebracht hatte, ihr den Anus auszulecken, gehörte zweifellos ebenfalls zu den Perversionen, die ihr anzulasten waren. Angesichts dieser Fülle an begangenen Sünden war es natürlich nur angemessen, beschämt zu sein, doch offensichtlich hielt sie das nicht davon ab, sich an ihnen zu erfreuen. War das letztlich nicht ebenso falsch? Hätte die Schwere dieser Sakrilege nicht jedes Verlangen aus ihr bannen müssen? Stattdessen machte es ganz den Eindruck, als würden die Abnormitäten, denen sie sich hier hingab, es noch verstärken. Sie konnte nicht anders als sich einzugestehen, dass die ganzen Umstände, so absonderlich sie auch waren, sie besonders erregen. Die ungewohnte Dehnung ihres Hinterns, die unentwegte Beanspruchung dieser schmalen Lücke, das Gefühl, dort etwas hineingesteckt zu bekommen, wo es nicht hingehörte, das alles schickte unaufhaltsame Wellen reinster Leidenschaft durch sämtliche ihrer Gliedmaßen, die ihre Arme schwach machten und sie mit Sicherheit in die Knie gezwungen hätte, wäre sie nicht schon auf allen vieren dagehockt, und der Gedanke daran, dass es ausgerechnet Maliva war, die sich auf diese Weise in ihr erging, ließ sie sogar noch höher schlagen.

Auch das war Daria völlig unverständlich. Sie war doch eigentlich ein ganz normales Mädchen, sie war gut erzogen, hatte sich nie etwas zuschulden kommen lassen und bis vor kurzem hatte sie noch einen festen Freund gehabt. Nicht einmal ihre masturbationsphantasien waren in irgendeiner Hinsicht auffällig gewesen. Nun gut, sie hatte sich dabei immer vorgestellt, dass andere ihr bedingungslos zu Diensten waren, aber lag das nicht in der Natur der Sache? Immerhin ging es beim Onanieren einzig um die eigene Befriedigung. Unter dieser Berücksichtigung war es gar nicht so verwunderlich, dass sie Maliva als die Person, die für ihren derzeitigen Zustand verantwortlich war, durchnahm oder sich von ihr den Arsch mit der Zunge befeuchten ließ, das konnte man durchaus als etwas abstruse Form der Wiedergutmachung auslegen, doch erklärte das nicht, warum sie sich dieser unbesteitbar weiblichen Mitschülerin, deren verworrener Fluch ihnen beiden einen Schwanz hatte wachsen lassen, als persönliches Spielzeug zur Verfügung stellte, an dem sie ihre Triebe ausleben konnte und vor allem nicht, wie sehr ihr das behagte.

Dass dem so war, konnte sie in ihrer jetzigen Verfassung auch nicht verbergen, weder vor anderen noch sich selbst gegenüber. Nur zu gerne hätte sie sich eingeredet, dass ihre Begierde gar nicht so unermesslich war, oder dass sie nicht daher rührte, dass eine minderjährige Hexe, mit der sie nach langen Auseinandersetzungen erst vor kurzem Frieden geschlossen hatte, sich an ihrem Hinterteil zu schaffen machte, doch ließ ihr blöder Penis da kaum Interpretationsspielraum. Unübersehbar ragte er aus ihrem Schritt hervor, so gerade und aufrecht als hätte sie sich ein Lineal zwischen die Beine gesteckt. Schon bei ihren gestrigen Erlebnissen mit Maliva hatte Daria geglaubt, dass er noch weiter angeschwollen war als je zuvor – auch wenn sie ihn noch gar nicht lange hatte – doch nun übertraf er sogar diesen unerreichbar scheinenden Ständer. Er wirkte dick und wie aufgedunsen, aber obwohl ihm das etwas von einem zu stark aufgeblasenen Gummischlauch verlieh, war er dennoch steinhart. Überdeutlich zeichneten sich seine breiten Adern unter der gespannten Haut ab und unnachgiegib streckte er sich so weit wie möglich aus ihrer Hüfte vor, nur leicht auf und ab federnd in den lustvollen Zuckungen, die ihn wellenartig durchliefen.

Tatsächlich schien er unablässig noch weiter anzuwachsen, zumindest kam es Daria so vor, als würde bei jedem der bedächtigen Stöße, mit denen Maliva ihr den Schwanz in den Hintern trieb, ein kribbelndes Pulsieren durch ihn strömen, von seinem Ansatz bis hin zur zitternden Eichel, das ihn aufplusterte und jedes Mal ein Stückchen größer zurückließ. Fast war es, als hätte dieser Überdruck, der sich in ihrem Darm aufgestaut hatte, sich auf ihre Erektion übertragen, als würde bereits jetzt, noch vor dem Samenerguss, irgendeine Flüssigkeit in sie spritzen, die ihr Rektum so vollständig ausfüllte, dass sie entgegen jeder anatomischen Voraussetzungen bis in ihren Penis vordrang. Natürlich war das unmöglich, wie sie selbst wusste. Wahrscheinlich war es vielmehr so, dass die Empfindung, die sich in ihrer Kehrseite breitmachte, sie dermaßen überwältigte, dass sie von ihrem gesamten Körper Besitz ergriff.

Daria konnte sich gar nicht erklären, warum gerade das ihr so sehr zusagte, immerhin sollte ihr Anus nicht dieselben berauschenden Eigenschaften besitzen wie ihr Geschlecht. Dazu war er doch einfach nicht geschaffen, wieso ließ es sie dann in solche Ekstase verfallen? Dementsprechend haftete diesem Gefühl eines voll ausgelasteten Hinterns auch etwas ebenso fremdartiges wie beschämendes an, doch tat das ihrem Gefallen daran keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, trotz all dieser vermeintlichen Widrigkeiten stieg das Verlangen danach, sich zu erleichtern, immer weiter an. Eigentlich hatte diese kleine Eskapade, sich erneut anal nehmen zu lassen, ja einzig dazu gedient, Maliva mit ihrer erbarmungslos pochenden Latte behilflich zu sein, sozusagen als Dank, dass sie am Tag zuvor dasselbe für Daria getan hatte, nun jedoch versank sie ohne jeden Rückhalt in dieser Art der Hinwendung, die sich ihr bot. Das Begehren, dass sie in ihr auslöste, wurde allmählich übermächtig, es schlug Wogen, die höher und höher reichten, Wogen, denen sie unmöglich Widerstand leisten konnte, die erdrückend über ihr zusammenbrachen und sie unter sich zu begraben drohten. Sie ging völlig in diesem Entzücken auf, ihrer neuen Freundin ihr Arschloch zu überlassen, und sehnte sich nach nichts weiter als Erlösung, einem lange erwarteten, befreienden Orgasmus, der die sie bis an den Rand des Erträglichen bedrängende Lust von ihr nahm und sie in restloser Zufriedenheit zurückließ.

Offensichtlich verspürte Maliva dieses Bedürfnis ebenfalls. Zwar blieben die Bewegungen, mit denen sie sich Darias Gesäß annahm, weiterhin voller Zärtlichkeit, wurden nun aber deutlich fordernder und schneller. Ihre Hüfte traf mit merklich mehr Wucht auf die ihr entgegengehaltenen Pobacken und auch das leise Stöhnen, das ihr jedes Mal entfuhr, wenn ihr Ständer in die weiche Enge des ihr überantworteten Rektums glitt, wurde stetig dringlicher. Letztendlich war ihr Verlangen wohl noch sehnlicher als Darias eigenes, denn kaum war ihr die zunehmende Unbeherrschtheit ihrer Liebhaberin aufgefallen, fühlte sie auch schon, wie sie sich in ihr entlud.

Heiß schoss das Sperma in sie, so kraftvoll und so voll aufregender Intensität, dass Daria sogar die einzelnen Ausläufer dieser Flut voneinander unterscheiden konnte. Immer wieder ergoß sich ein dicker, unendlich scheinender Strahl in sie, überzog ihr Inneres mit seiner Wärme, und flachte dann für die Dauer eines Wimpernschlags ab, bevor ein neuer in sie strömte. Sie glaubte auch noch den sachten Aufprall dieser Brandung in sich zu spüren, wie der Samen gegen die Wände ihres Darms klatschte und sich dort verteilte, so tief in sie sickerte, bis es nicht mehr weiterging, bevor er sich dort in einem gewaltigen See sammelte.

Etwas Ähnliches war ihr zwar schon mit Daniel widerfahren, doch hatte sie das in keiner Weise auf die Ausmaße vorbereiten können, denen sie nun ausgesetzt war. Beständig rann mehr Ejakulat in sie hinein, vereinte sich mit dem, das bereits in sie geflossen war und überschwemmte ihr Rektum förmlich, wie ein reißender Fluss, den man plötzlich umgeleitet hatte, eine zuvor friedlich daliegende Felsspalte. Daria konnte nicht einmal abschätzen, wieviel da überhaupt in sie sprudelte, nur dass es Unmengen mehr war, als Daniel in ihr abgespritzt hatte, konnte sie mit Sicherheit sagen. Anscheinend hatte die Magie, die Malivas und ihr eigenes Geschlecht umgeformt hatte, auch einen gewissen Einfluss auf deren organische Beschaffenheit. Sie hatte ja schon zu diesem Zeitpunkt vermutet, dass sie selbst erheblich größere Massen dieser seltsamen Absonderung von sich gab, wenn es ihr kam, als ihr ehemaliger fester Freund es tat, dies war nun die Bestätigung ihrer Befürchtungen. Nun war sie nicht nur ein Monster, was die Physiognomie ihres Intimbereichs anbetraf, sondern auch in Angelegenheiten ihres Sexualsekrets.

Das Ganze ging so lange weiter, bis es Daria beinahe so vorkam platzen zu müssen. Das lag allerdings nicht nur an dem Übermaß an Sperma, das sich mittleiweile in ihr angesammelt hatte. Maliva war kurz erstarrt, als ihr Höhepunkt sie mit aller Macht erfasst hatte, doch war die Versuchung, sich wieder zu bewegen, wohl schnell unerträglich für sie geworden. Während unentwegt der Samen aus ihr hervorbrach, begann sie ihren Penis ruckweise vor und zurück zu schieben, und das brachte Daria schier um den Verstand. Alleine diese Sahne in ihren Anus gepumpt zu bekommen, hatte den Druck, der ihn erfüllte, an die Grenzen seiner Belastbarkeit getrieben, aber diese zähe Substanz nun so zu durchmengen, sie in dem engen Gefäß zu komprimieren und wieder freizusetzen, machte sie schlicht benommen vor Begeisterung. Es war nichts anderes als eine süße Pein, ein Gefühl so absonderlich und von so unvorstellbarer Sinnlichkeit, dass es Daria innerlich zu zerreißen drohte.

Ihr Arsch umschloss Malivas sich entleerenden Ständer so dicht, dass die dort hineingeleitete Flüssigkeit nicht entweichen konnte. Er schob sie in dem dehnbaren Schlauch nur umher, sie zusammenpressend, wenn er sich vorwärtsdrängte und diese Anspannung lindernd, wenn er sich zurückzog. Das war natürlich genau die Empfindung, die Daria schon die ganzue Zeit über so zugesagt hatte, nur in einem Umfang, den sie sich nicht hätte erträumen lassen. Ebenso wie zuvor ließ die Stauchung ihres Afters ihren eigenen Schwanz erbeben, ließ ihn das gleiche Zucken durchlaufen, so als würde die in ihr verschüttete Soße tatsächlich in ihn gepresst werden. Doch gerade als Daria dachte, dass sie es nicht länger aushielt, dass der in ihr anhaltende Drang endlich nachgab und sie selbst abspritzte, hörte es einfach auf.

Mit einem leisen Keuchen verklangen Malivas Bewegungen und sie sackte geradezu gescwächt in sich zusammen. Erst jetzt bemerkte Daria, dass der beinahe eine Ewigkeit andauernde Erguss schon längst verebbt war, gefangen in dem Aufruhr, den der Penis in ihr verursacht hatte, war es ihr nur nicht aufgefallen. Noch einmal richtete Maliva sich auf, um sich aus dem festen Griff des Hinterns, der sie umfasst hielt, zu befreien, was sie aber ihre letzte Kraft zu kosten schien. Erschöpft ließ sie sich zurück auf das Bett fallen, wo sie mit auseinandergeschlagenen Schenkeln reglos hocken blieb.

Erleichterung durchströmte Daria, als der ihren Anus verschließende Schwanz sie endgültig verließ und der Druck nachließ, nur war es nicht die Art Erleichterung, die sie sich erhofft hatte. Sie fühlte, wie sich ihr übermäsig gespreiztes Arschloch sofort wieder zusammenzog, nachdem das fremde Körperteil, das es so beharrlich offengehalten hatte, daraus verschwunden war, trotzdem entwand sich ihm ein winziges Rinnsal des dickflüssigen Samens, mit dem es geflutet worden war. Warm lief es an ihr hinab, eine dünne Spur hinter sich lassend, vorbei an den aufragenden Widernissen ihres Schritts und ihre Beine entlang. Obwohl es ihr auf eine merkwürdige Weise selbst eine gewisse Befriedigung verschaffte, zu wissen, dass sie Maliva genau dazu verholfen hatte, dass sie dieses hübsche Mädchen so sehr erregt hatte, dass es ihr gekommen war, konnte Daria doch ihre Enttäuschung nicht völlig unterdrücken. Fast hätte sie selbst einen Höhepunkt dadurch erreicht, dass Maliva sich ihres Hinterns angenommen hatte, das Sperma war ihr bereits bis in die Eichel gestiegen, war dort nun aber ins Stocken geraten. Sie hätte sogar meinen können, dass die Milch, die ihren Schaft bis zu seiner äußersten Spitze erüllte, in ihm geronnen war. Sie schien beinahe fest geworden zu sein, so dicht stand sie in der dünnen Röhre, die den Penis durchzog. Es kam ihr vor, als hätte ihr jemand einen kleinen Eisenstab hier hineingeschoben.

Umso begehrlicher bestand er darauf, dieses Zeug, das ihn verstopfte, endlich aussetzen zu dürfen. Er blieb steinhart und ein innerer Zwang überkam Daria, ihn anzufassen, ihn so lange abzumelken, bis der Samen in hohem Bogen aus ihm herausschoss, doch schaffte sie es unter Aufbietung aller Willenskraft, die sie besaß, ihre Hand davon abzubringen, sich von alleine in Bewegung zu setzen. Sie wusste, dass das nur ein Aufschub des Unvermeidlichen war, früher oder später würde sie diese Sache ein weiteres Mal erledigen müssen. Wie nach ihrer Nummer mit Daniel würde sie ihren rasenden Ständer selbst besänftigen müssen, in welcher Form auch immer: entweder indem sie ihn rieb, oder indem sie sich wieder ihre Finger in den Arsch steckte. Doch hier, unter den Augen ihrer Gastgeberin, einer stillen Mitschülerin, die sie in ihrer Not bei sich aufgenommen hatte, war wohl kaum der richtige Ort, um diese Abgründe zu offenbaren. Gleich würde sie ohnehin duschen gehen, höchstens in dieser Abgeschiedenheit wäre es am ehesten vertretbar gewesen, ihnen freien Lauf zu lassen.

Mitr dem Vorhaben, sich so schnell wie möglich zu solch einer Reinigung zurückzuziehen, von ihrer eigenen tosenden Lust ebenso wie von den aus ihr austretenden Rückständen der ihrer neuen Freundin, erhob Daria sich schließlich auf die Knie. Zuerst scheute sie sich, ihren Hintern auf das Laken sinken zu lassen, immerhin war er noch voller Ejakulat. Sie spürte, wie es Tropfen für Tropfen aus ihr hervorsickerte, den Spalt zwischen ihren Pobacken verklebte und sie bis hinab zu den Schenkeln befleckte. Als sie sich Maliva zuwandte, merkte sie allerdings, dass die sich offenbar keine Sorgen um ihr Bettzeug machte. In sich zusammengesunken saß sie da, sich zurücklehnend mit den Händen auf das Bett stützend und die Knie weit auseinanderklaffend, ohne sich um die Besudelungen zu kümmern, die ihr erschlaffender Penis auf dem Stoff hinterließ. Also setzte Daria sich ihr gegenüber, den Kopf gesenkt, aber den Blick starr auf die unbekleidete Gestalt vor sich gerichtet, die sich nur leicht abzeichnenden Brüste, das hellbraune gesträhnte Haar und den vor Sperma triefenden Schwanz. So hingen sie beide eine Weile schweigend ihren Gedanken nach, fiebrigen Träumen von verbotenen und doch überaus anziehenden Flüchen sowie der Erlösung, die sich einem möglicherweise bieten würde.

Gefangen in den Untiefen ihrer schwindenden Lust dauerte es einige Zeit, bis Maliva die Person vor sich überhaupt wahrnahm. Natürlich hatte sie schon zuvor registriert, dass es Daria war, die sich zu ihr gesetzt hatte, doch erst als sich der Schleier der Verklärung, der sich über sie gelegt hatte, allmählich lüftete, betrachtete sie ihre nunmehrige Mitbewohnerin genauer. Ihr Blick zeugte ebenso von unendlicher Leidenschaft wie Malivas eigener, doch war er unverkennbar, dass sie keinen Orgasmus hatte erlben dürfen: ihre Latte war gewaltig, ein zuckendes Monstrum aus Sehnen und Adern, das steil in ihrer Hüfte aufprangte, als wäre es ein missverstandenes fremdartiges Wesen, das sich nachTrost sehnend emporreckte.

Ein Impuls überkam Maliva, ihm zu geben, wonach es ihn verlangte, ihn sanft zu streicheln und zu beruhigen, ihm die Hingabe zu schenken, nach der es ihn so sichtlich verzeherte. Ein voreilig vergossener Lusttropfen hing glänzend von der Eichel herab und es fiel ihr schwer, sich nicht einfach vorzubeugen und ihn fortzuküssen. Sie fühlte sich wie magisch von ihm angezogen, obwohl ihr klar war, wie absurd ihre eigenen Empfindungen waren. Schließlich stand sie ganz ohne jeden Zweifel auf Frauen, warum sollte sie sich dann plötzlich mit so einem seltsamen Ding vergnügen wollen?

Dann jedoch fiel ihr selbst der Fehler in ihren Überlegungen auf. Es war gar nicht der Penis, der sie so für sich einnahm, es war die bloße Tatsache, dass es sich dabei um Darias Geschlecht handelte. In dem Fall würde sich natürlich die Frage stellen, wieso sie ausgerechnet Darias Geschlecht so unwiderstehlich fand, wenn ihr die Antwort darauf nicht insgeheim bekannt gewesen wäre. Sie hatte sich ja schon am Abend zuvor eingestanden, dass es nichts an Daria gab, was nicht absolut vollkommen war. Das glatte schwarze Haar, das ihr über die Schulter fiel, die stechend grünen Augen oder die sanften Rundungen ihres Körpers, jedes noch so winzige Detail an ihr war von geradezu erhabener Schönheit.

Außerdem hatte sie im Verlauf der letzten beiden Tage festgestellt, dass nicht nur ihr Äußeres zum Niederknien war. Zumindest war sie nicht die Zicke, für die Maliva sie immer gehalten hatte. Sie war ein Mensch mit den gleichen Ängsten, Wünschen und Unsicherheiten wie sie auch. Zu diesen Ähnlichkeiten, die letztlich alle Menschen einte, kamen aber noch einige, die nicht so universell waren. Ob nun Hexe oder das Opfer deren Fluchs, sie waren jedenfalls beide diese unverstandenen Kreaturen, die Maliva sich eben ausgemalt hatte; gefürchtet, alleingelassen und ausgestoßen. Sie waren Außenseiter, die ihren eigenen Weg finden mussten, ihre eigene Moral, und was die Zukunft auch bringen mochte, wenigstens für den Moment waren sie untrennbar durch ein Schicksal verbunden, dass sie sich selbst geschaffen hatten.

War das nicht sogar genau das, was sie sich immer erträumt hatte, ohne je daran zu glauben, dass eine Erfüllung möglich wäre? Eine Seelenverwandte, jemand der ihre Gedanken und Gefühle nachvollziehen konnte, jemand mit dem sie über alles reden konnte, über ihre dunkelsten Geheimnisse und ihre verquersten Phantasien, sie dafür aber nicht belächelte oder sogar verachtete? Wenn es wirklich so war, dass Darias und ihr Geschick nun auf die eine oder andere Weise miteinander verwoben war, war sie denn dann nichts weniger als das, eine Freundin, nein, mehr noch, eine Schwester, mit der sie alles teilen konnte, Freud und Leid, Trauer und Glück? Immerhin machte sie gerade dasselbe durch wie sie selbst; Anfeindungen, Ablehnung und Beschuldigungen allerorten, die in letzter Konsequenz unausweichlich zu Verbannung führte. Wenn Daria nicht mit ihr fühlen konnte, wer sollte es dann tun?

Na gut, aber bedeutete das, dass sie sich von ihr in den Arsch ficken lassen sollte?

Sie beschloss, dass es nicht unbedingt nötig war, aber dennoch nichts dagegen sprach, zumal das an sich nichts war, was sie nicht schon einmal getan hätte. Zwar hatte sie sich diesen Belangen bisher nur mit ihrer Scheide gewidmet, aber was für einen Unterschied sollte es denn schon machen, nun auch ihren rückwärtigen Eingang dazu zu benutzen? Daria hatte doch dasselbe gerade für sie getan, und es erweckte ganz und gar nicht den Eindruck, als hätte es ihr nicht gefallen. Es schien ihr sogar so viel Spaß gemacht zu haben, dass sie fast ihre ladung verschossen hätte – der mit Vorsamen verschmierte und noch immer vor unerfüllter Begierde zitternde Ständer sprach in dieser Hinsicht Bände. Wäre es da nicht fast schon unanständiger gewesen, sie einfach so sitzenzulassen? Immerhin war sie selbst für die quälende Lust verantwortlich, mit der Daria nun geschlagen war, war sie es ihr da nicht zumindest schuldig, ihr diesen Gefallen zu erwidern, den sie zuvor ihretwegen auf sich genommen hatte?

Dennoch konnte sie nicht so tun, als wären ihre Motive ausschließlich solch uneigennütziger Natur. Obwohl Malivas vorangegangener Orgasmus so umfassend gewesen war, dass er ihr Verlangen eigentlich gestillt haben sollte, brannte seine Flamme doch noch immer ebenso warm in ihrem Herzen wie in ihrem Schwanz, denn auch wenn seine Schwellung ein wenig zurückgegangen war, blieb er halbsteif. Es war, als würde er sich hartnäckig weigern zu erschlaffen und stattdessen lieber wieder zu voller Größe anwachsen. Weich aber ausladend wie ein mit heißer Milch vollgesogener Schwamm lag er auf ihrem Schenkel, und sie fühlte, wie er sich mit jedem Herzschlag non neuem aufzurichten begann.

So peinlich es ihr auch war, musste sie zugeben, dass sie einer zweiten Runde nicht abgeneigt war, egal welcher Art. Es kümmerte sie nicht, ob dabei ihre neuerwachende Latte oder ihr Anus zum Zug kommen würde. Ehrlich gesagt war sie sogar neugierig darauf zu erfahren, wie es war, dort etwas eingeführt zu bekommen. Nachdem sie herausgefunden hatte, wie erfüllend es war, Darias Penis in sich aufzunehmen, obwohl sie nie gedacht hätte, dem viel abgewinnen zu können, konnte sie es nicht erwarten, zu sehen, ob es ihr bei dieser Körperöffnung ähnlich erging. Daria hatte das ja bereits ein zweites Mal mit sich machen lassen; sie hatte also gwusst, was sie erwartete und war wohl nicht enttäuscht worden. Jedenfalls ließ ihre überpralle Erektion, wie ein Gartenschlauch, auf dem zuviel Druck lastete, keinen Zweifel, dass sie sich genauso nach einer Fortführung ihrer erotischen Spiele sehnte.

»Tja, ich schätze, dann bist du jetzt wohl an der Reihe«, meinte Maliva mit scheuem Gesicht, den Blick erst auf das von Daria gerichtet, dann auf deren Schritt, bis sie merkte, dass sie beides nicht ansehen konnte ohne rot zu werden und ließ ihn wieder zu Boden sinken.

Daria hingegen hob nun den Kopf, die Augen noch immer wie von unnachgiebigen Traumfetzen umnebelt. »Hm?«, machte sie verwirrt.

»Na ja ...«, mit einer unbestimmten Geste wies Maliva in Richtung des zügellos auf und ab hüpfenden Geschlechts, »... es sieht ganz so aus, als könntest du jetzt etwas Hilfe gebrauchen mit deiner ... ›Morgenlatte‹.«

Bei diesem Gedanken, dass die unglaublich schöne Hexenschülerin vor ihr sich ein weiteres Mal dazu bereiterklären könnte, für sie die Beine breit zu machen, geriet Darias Penis noch mehr in Aufregung und mit einem neuerlichen Pulsieren, das ihn durchzuckte, sonderte er einen Strang seines Sekrets ab, doch kämpften aufkommende Zweifel ihre Vorfreude unweigerlich nieder. »Das schon«, sagte sie leise, den Blick unwillkürlich von ihr abgewandt haltend, »aber sind wir nicht quitt? Du hast mir gestern geholfen und ich dir im Ausgleich dazu heute. Du hast mich mit diesem Fluch belegt, und ihn jetzt selbst auf dich genommen, du lässt mich sogar bei dir wohnen, warum solltest du das denn auch noch für micht tun, ausgerechnet jetzt, wo die Möglichkeiten ein bisschen eingeschränkt sind? Hast du denn keine Bedenken, es ... auf diese Weise zu tun?«

In größerer Leichtfertigkeit als sie tatsächlich verspürte, zuckte Maliva mit den Schultern. »Es geht doch nicht darum, quitt zu sein. Ich meine, wär’s nicht toll, wenn die Menschen sich einander helfen würden, ohne eine Gegenleistung zu erwarten? Sollte man einer alten Frau, die hingefallen ist, nicht einfach wieder hochhelfen? Wenn jeder das tun würde und viellicht mal ein bisschen Rücksicht und Verständnis für andere zeigen würde, wäre die Welt dann nicht ein viel besserer Ort?«

»Ja, schon, aber das kannst du doch nicht miteinander vergleichen! Nur weil du jemandem hochhelfen würdest, bietest du ihm doch auch nicht gleich an, dir die Hintertür zu verrammeln, oder?«

»Nein«, gab Maliva zu, »aber warum sollte ich das nicht für eine Freundin tun? Was wäre denn schon dabei? Bloß weil wir befreundet sins, heißt das doch nicht, dass wir nicht auch miteinander schlafen können, wenn uns danach ist, oder?«

Eine unerwartete Wärme hüllte Malivas Herz ein und ein Gefühl wie von unzähligen winzigen Federn, die in ihrem Brustkasten umhertanzten, als würde eine sachte Sommerbrise ihnen Auftrieb verleihen. War es wirklich möglich, dass Maliva sie als Freundin haben wollte, nach allem, was sie ihr angetan hatte? Wenn das stimmte, wenn sie Daria verzeihen konnte, wie sie sich ihr gegenüber immer verhalten hatte, war ihre Philosophie, die sie vorhin ausgeführt hatte, weit mehr als ein Lippenbekenntnis, dann richtete sie sich tatsächlich nach ihr. Früher hätte Daria das nicht glauben können. Sie selbst hatte sich nie ohne weiteres entschuldigt oder sich einen Fehler eingestanden, und Leuten, die sich nicht selbst zu helfen wussten, hatte sie eher Verachtung als Mitgefühl entgegengebracht, doch hatte es ganz den Anschein, als hätte Maliva die Wahrheit gesagt. Sie hatte ihr aufgeholfen, als sonst niemand sich mehr um sie gekümmert hatte. Alle anderen, die sie nach einer Zuflucht angefleht hatte, hatten sich von ihr abgewandt, sogar ihre eigene Familie, aber Maliva hatte sie nicht nur bei sich aufgenommen und den Schmerz der Zurückweisung gelindert, sondern sich auch noch entschlossen, den Fluch, den sie über sie verhängt hatte, auf sich zu nehmen.

Wie hatte Daria sie nur je nicht leiden können? War ihr denn nie zuvor aufgefallen, wie liebenswert sie war? Wie sehr sie sich für ihre Mitmenschen einsetzte und wieviel innere Stärke sie besaß? Oder war ihr das egal gewesen, nur weil sie einen etwas seltsamen Kleidungsstil bevorzugte und sie nicht dazu bereit war, sich in die strenge Hierarchie der Klasse einzuordnen, die Daria so mühsam geschaffen hatte? Ja, vermutlich war genau das das Problem gewesen, die simple Tatsache, dass sie ein wenig anders war und sich weigerte, sich anzupassen. Dabei hatte Maliva doch recht, die Welt wäre ein besserer Ort, wenn ihre Bewohner mehr wie sie wären. Daria wäre ihr also unendlich dankbar gewesen, wenn sie so für sie empfand, wagte das aber nicht einmal zu hoffen; das hatte sie einfach nicht verdient.

»D-du siehst mich als Freundin?«, fragte sie nach, so fassungslos wie ängstlich.

Ein kaum merkliches Nicken war die einzige Antwort, die Maliva zustande brachte. Aus irgendeinem Grund hielt sie es für nötig, ihre Einschätzung vor Daria zu rechtfertigen, doch fehlten ihr die Worte dazu. Es gab nichts, was sie hätte sagen können, um ihre Meinung zu verteidigen. Sie wusste ja, wie unbedacht das wirken musste, trotzdem konnte sie nicht anders als sich diesem Mädchen zugehörig zu fühlen, so wenig sie sich in der Vergangenheit auch verstanden hatten.

Daria hatte ebenfalls keine Ahnung, wie sie sich ausdrücken sollte, obwohl sie Maliva am Gesicht ablesen konnte, was sie dachte und dort ihre eigenen, ihr selbst unergründlichen Überlegungen widergespiegelt fand. Doch vielleicht reichte es ja auch zu schweigen. Sie schienen sich auch so verständigen zu können und wie hätte sie ihr sonst ihre Wertschätzung, ihr Zutrauen und ganz besonders ihre Zuneigung gestehen sollen, wenn nicht in der Stille, die einer solchen Beichte einzig angemessen war?

Demgemäß ging sie zur nächsten Frage von Belang über. »Und das willst du wirklich tun?«

Wieder das unscheinbare Nicken, dann senkte sich erneut eine vollkommene Ruhe über den Raum. Keine von ihnen wagte es, auch nur den geringsten Laut von sich zu geben, noch sich zu bewegen, aber im Grunde gab es ohnehin nichts weiter, was es noch zu bereden galt. Sie hatten sich einander gerade zu wahren Vertrauten erklärt und darüber hinaus entschieden, neben der Vereinigung ihrer Geister auch ihre körperlichen Vorzüge zu teilen, damit war alles zwischen ihnen ausgesprochen, was sich auf diese Weise offenlegen ließ, nun war es an der Zeit, diesen Neuanfang gebührend zu besiegeln.

Zuvor stand nur noch die kleine Vorbereitung dazu an, die Daria sich ausgedacht hatte, doch war das nicht auch der perfekte Beginn diese Weiterentwicklung ihrer Beziehung? Das Mindeste, was Maliva zustand, war ja wohl eine Entschuldigung für das ihr angetane Unrecht, und was eignete sich dazu schon besser, als ihr das Arschloch auszulecken? Allerdings musste sie sich eingestehen, dass diese Vorstellung ihre sowieso schon lichterloh aufflammende Erregung noch weiter entfachte. Sie verstand sich in diesem Moment selbst nicht, aber es war tatsächlich so: Sie konnte es kaum noch erwarten, ihre Zunge in den Anus der jungen Hexe zu stecken.

Zum Glück brauchte sie sich gar nicht länger zu gedulden. Maliva hatte bereits ihr Einverständnis gegeben und Daria war mehr als bereit, es in Anspruch zu nehmen. Mit pochendem Herzen und pochendem Schwanz näherte sie sich auf Knien ihrer neuen Freundin. Die hockte noch immer da wie zuvor, zurückgelehnt auf die Arme, mit denen sie sich abstützte. Als sie sah, wie Daria auf sie zu kam, ließ sie sich ganz auf das Bett sinken, die Beine angewinkelt und weit geöffnet, ganz wie beim ersten Mal, dass sie zusammen geschlafen hatten am gestrigen Abend. Eigentlich hatte Daria angenommen, dass sie sich auf alle viere niederlassen würde, aber vermutlich würde es auch so funktionieren. Wahrscheinlich hatte es bloß etwas mit Gewohnheit zu tun. Sie selbst hatte sich hingekniet, weil ihr das ein Gefühl von Sicherheit gegeben hatte, aus dem einfachen Grund, dass sie diese Position schon kannte, Maliva hingegen nahm die Haltung ein, mit der sie als einziges vertraut war.

Dabei vergaß sie aber wohl die einleitenden Maßnahmen, die noch ausstanden, jedenfalls unternahm sie nichts, um ihr den Zugang zu ihrem Rektum zu erleichtern. Selbstverständlich hielt das Daria nicht auf. Wenn sie sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, war sie nicht so leicht davon abzubringen und jetzt hatte sie sich fest vorgenommen, Malivas Gesäß mit dem Mund zu erforschen. Entschlossen legte sie ihre Hände auf deren Pobacken, zerrte sie auseinander und ließ ihr Gesicht in den Spalt zwischen ihnen eintauchen. Dort streckte sie ihre Zunge heraus und führte sie in einem immer schneller werdenden Rhythmus auf und ab. Als sie so den eine spürbare Hitze ausstrahlenden After streifte, errötete Daria, ohne dass sie sich dagegen hätte wehren können, hielt aber nicht inne, sondern wurde nur noch ungehaltener in ihren Bewegungen. Gierig wie eine Katze, die sich über eine Schale voll Milch hermachte, leckte sie in aller Sorgfalt den Hintern vor sich ab; die Schlucht, die sie in einer geraden Linie durchlief, die winzige Öffnung darin und sogar ein wenig des Inneren, als sie vorsichtig die Spitze ihrer Zunge hineingleiten ließ.

Es gab keinen Zweifel, diese Abgründigkeit erfüllte sie mit einer Lust, wie Daria sie noch nie erlebt hatte. Wie war das möglich? Hätte es sie nicht eigentlich abstoßen müssen, sich auf diese Weise mit der Kehrseite eines anderen Mädchens zu befassen? Aber das war nun einmal nicht der Fall, wie ihr wild umherfedernder Ständer, aus dem sich unablässig Schwälle von Präejakulat auf das Laken ergossen, und das Lodern ihres Herzens eindeutig bewiesen. Doch obwohl sie sonderbarerweise nicht davon angeekelt war, empfand sie doch eine tiefe Schuld. War das nicht auch unausweichlich gewesen? Sie war sich ja bereits darüber klar geworden, dass vor allem die Demütigung sie so sehr anmachte, mit der sie Maliva überzog, als sie diese Aufgabe bei ihr übernommen hatte, demnach erschloss es sich ihr einfach nicht, warum sie jetzt eine noch nachhaltiger Ekstase überfiel. Wenn sie offensichtlich darauf stand, andere zu erniedrigen, wie kam es dann, dass sie sich gleichermaßen daran erfreute, wenn es sie selbst betraf?

Andererseits gab es doch keinen Grund, warum nicht beides seinen Reiz haben sollte. Vielleicht war es manchmal einfach angenehmer, sich zu unterwerfen, statt auf der Führung zu beharren. In diesem Augenblick zumindest konnte Daria sich nichts Schöneres vorstellen. War das denn nicht in jeder Beziehung so? Wann immer zwie Menschen sich nahe standen, sei es nun in Freundschaft oder in Liebe, musste man zwangsläufig Kompromisse eingehen. Weder konnte man jemanden, den man gern hatte, die ganze Zeit herumkommandieren, noch ihm ständig hinerherrennen, ohne seine Entscheidungen zu hinterfragen. Beides würde jede Gemeinschaft auf kurz oder lang zerstören, wie Daria jetzt erkannte. Wenn man den eigenen Willen stets unterdrückte, war man nicht mehr als eine Puppe, ein bedeutungsloser Teil einer großen, gesichtslosen Masse, und wenn man keine andere Meinung zuließ, war man ein Despot, und abgesehen davon, dass man als solcher immer irgendwann gestürzt wurde, entging einem so das Erhabendste, was einem überhaupt zuteil werden konnte: der Austausch von Gedanken. Ohne ihn war kein Fortschritt möglich, nicht in gesellschaftlichen Belangen und nicht in persönlichen. Wie sollte man zu einem vernunftbegabten, intelligenten Wesen werden, wenn man niemanden neben sich auch nur als gleichgestellt erachtete? Das hatte Daria früher nie wahrhaben wollen, nun aber fragte sie sich, wie sie je so blind hatte sein können.

Darüber hinaus war dies wohl die tiefste Zuneigungsbekundung, zu der man sich verleiten lassen konnte. Wenn man erst einmal das Stadium erreicht hatte, in dem man bedenkenlos mit der Zunge im Anus einer anderen Person herumstochert, konnte das nur bedeuten, dass man für sie alles tun würde, und während sie genau das tat, wuchs in Daria die Überzeugung heran, das es wirklich nichts gab, was sie Maliva zuliebe nicht durchstehen würde. Nur um sie glücklich zu machen, wäre sie voller Freude eine Klippe hinabgesprungen, einzig in der Hoffnung, dass das letzte, was sie sah, ihr wunderschönes Lächeln sein würde, mit dem sie einen auf einzigartige Weise bedachte; es war ein Lächeln, das alles wiedergutmachen konnte, jeden Schrecken und jede Niedertracht, die einem möglicherweise widerfahren war. Sie hatte schon immer die Anerkennung anderer gesucht, aber Malivas war ihr mittlerweile am allerwichtigsten geworden. Wenn sie die nicht erlang, schien nichts mehr einen Sinn zu ergeben. So hatte sie noch nie zuvor empfunden, nicht für Theresa und nicht für Daniel, höchstens für den engen Kreis ihrer Familie, doch aus deren Mitte war sie ja nun verbannt.

Trotzdem war es nicht der Mangel an Alternativen, die sie in Malivas Arme trieb. Bei ihr konnte Daria zum ersten Mal in ihrem Leben ganz sie selbst sein. Sonst wurden überall Erwartungen an sie gestellt, die sie zu erfüllen hatte, ob sie ihnen gewachsen war oder nicht. Ihre Eltern erwarteten, dass sie sich ihren moralsichen Vorstellungen entsprechend benahm, Lehrer erwarteten gute Noten und so gut wie jeder erwartete, dass sie gut aussah. Sie sollte einfach immer dem Bild gleichkommen, das ihr Umfeld sich von ihr gemacht hatte. So wurde man mehr und mehr in eine unveränderliche Rolle gedrängt, die man automatisch annahm, ohne sich dessen bewusst zu sein. Sic hdem zu widersetzen war schwer und Daria hatte die Kraft dazu nie aufgebracht. Sie wollte nur, dass alle stolz auf sie waren, und da war es leichter, sein wahres Selbst zu verheimlichen. So war Trauer für sie immer sehr schwer gewesen; sie hatte sich nie getraut, sie offen zu zeigen, aus Angst, dass diese Schwäche ihr angelastet würde. Maliva hingegen machte niemandem irgendwelche Vorschriften. So wie sie selbst sich nicht verstellte, verlangte sie es auch von niemand anderem. Ihr gegenüber konnte Daria sich endlich völlig unverhüllt zeigen, mit all ihren Fehlern und Makeln, in ihrer Unsicherheit und ihren Zweifeln. Ihr konnte sie sogar den Arsch lecken, ohne befürchten zu müssen, dafür verurteilt zu werden.

Diese Freiheit kostete sie jetzt in vollen Zügen aus. Sie konnte die Wärme von Malivas Innerem an ihrer Zungenspitze fühlen, als sie sie verlangend dort hineinzwang, und obwohl sie es nicht gerne zugab, war es gerade die Verruchtheit der Situation, die ihr den Atem raubte. Ebenso war es schließlich vorhin auch gewesen, als Maliva sich ihres Hinterns bemächtigt hatte. So hinreißend es auch gewesen war, zu spüren, wie der dicke Penis ihr Rektum ausgefüllt hatte, war es doch vor allem das Gefühl, etwas Verbotenes zu tun, etwas total Verkommenes, das sie selbst fast zum Höhepunkt gebracht hätte. Die Köstlichkeiten, die einem versagt waren, schmeckten eben am süßesten. Es ging doch nichts darüber, sich eines der Plätzchen zu stibitzen, die außer Reichweite im obersten Fach des Küchenregals aufbewahrt wurden, versteckt hinter alten Einmachgläsern, doch diese ganz spezielle Keksdose, die sie gerade entdeckt hatte, plünderte sie sogar noch lieber. Es gab wohl auch keine, die unstatthafter gewesen wäre, und folglich konnte Daria sich ihrer Faszination einfach nicht entziehen. Voll rasender Ungeduld ließ sie ihre Zunge in ihr umherschweifen, steckte sie so tief hinein, bis Schmerz sie am Weiterkommen hinderte, wie um auch noch den letzten Krümel darin hervorzuholen.

Sie hätte Stunden damit zubringen können, die übrigen Regionen von Malivas Körper in dieser Art auszukundschaften, doch hielt sie es für besser, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Auch wenn sie jetzt Freundschaft geschlossen hatten und gleichzeitig zu dem Urteil gelangt waren, dass es trotzdem in Ordnung war, sich in Fällen von überbordenden sexuellen Gelüsten gegenseitig zur Hand zu gehen, war es zweifellose besser, sich Schritt für Schritt an diese neuerlichen Intimitäten heranzutasten, außerdem war ihr ein Angebot gemacht worden, das in Anspruch zu nehmen ihr nun überaus gelegen kam. Das Auslecken der kleinen Dose hatte ihren Schwanz nicht unbeeindruckt gelassen; er war noch härter geworden als zuvor, so unglaublich das Daria auch erschien, und alleine der Gedanken daran, ihn dort hineinschieben zu dürfen, ließ ihre Bauchmuskeln vor Sehnsucht verkrampfen. Langsam zog sie ihre Zunge heraus und drückte ihre Lippen nach vorn, als würde sie den Hintern des Mädchens zum Abschied noch einmal küssen, dann richtete sie sich auf und besah sich ihr Werk. Da gab es nichts zu beanstanden, das ihr zugestandene Loch glänzte feucht vor Speichel, es hatte sich sogar ain Tropfen gebildet, der darin eingebettet lag. So wirkte es wie eine gerade aufblühende Rosenknospe, die überzogen war von durchsichtig schimmerndem Morgentau: ein nur erahnbarer Spalt inmitten eines runden Korns, aus dem sanft das Rosa seines Innern hervorblitzte.

Lange hielt Daria diesem Anblick aber nicht stand, zu sehr beharrte die flammende Leidenschaft in ihr auf Besänftigung. Getrieben von diesem unwiderstehlichen Verlangen hob sie eine der Hände, mit der sie Malivas Hinterbacken auseinandehielt und umfasste ihren vor Erwartung zitternden Penis. Die Vorhaut hatte sich bereits ein Stück zurückgezogen, bedeckte aber noch den sich vorwölbenden Eichelrand. Schon jetzt leise seufzend zupfte Daria sie völlig herab und rutschte auf Knien näher an ihre still daliegende Klassenkameradin heran. Als ihre Hüfte genau zwischen den sie bereitwillig willkommenheißenden Schenkeln zum Stehen kam, stieß ihr übereifriger Ständer fast von selbst in die Furche, die sie mit Daumen und Zeigefinger freigelegt hielt; es bedurfte nur noch einiger Führung mit ihrem ihn umklammernden Griff, dann sank er dort hinein. Nahtlos fügte sich seine Eichel in diese neue Umgebung ein. Seine etwas konisch zulaufende Spitze drängte sich fest gegen den After, den er schon so vollständig bedeckte, obwohl das gerade einmal ein Bruchteil seines wirklichen Umfangs war, und die weichen Wände der Fuge, die er teilte, umhüllten wie zwei Kissen, die straff mitenander verbunden waren, dass man kaum zwischen sie kam.

Als Daria sich so in Position gebracht hatte, löste sie ihre Hände von Malivas Po und ihrer eigenen Scham und stützte sich mit ihnen auf dem Bett ab, links und rechts neben der Brust der ergeben zu ihr aufblickenden Schülerin. Eine Zeit lan verharrte sie noch in dieser Haltung, ohne zu wissen, wieso eingentlich. Alles in ihr schrie nach Erlösung, insbesondere ihr Schwanz, der den Ort, zu dem es ihn mit aller Macht hinzog, schon unter sich spüren konnte, trotzdem war es ihr unmöglich, sich aus ihrer Erstarrung zu befreien. Malivas hellbraun funkelnde Augen hielten sie einfach gefangen, als wären sie die einzigen Sterne in einer ansonsten völlig lichtlosen Nacht.

Irgendwann jedoch rissen die Wogen der Erregung, die Daria periodisch durchspülten, sie unweigerlich mit sich und beinahe willenlos ließ sie sich Stück für Stück nieder. Langsam drang die Spitze ihres Schwanzes in den sich eng zusammenziehenden Anus, weitete ihn mühsam auf, als sie sich mit jedem nachfolgenden Zentimeter immer weiter verdickte, bis dieses erste Hindernis endlich überwunden war. Unmittelbar nach dieser breitesten Stelle, dem Grat ihrer Eichel, schlang sich der Schließmuskel wieder mit erbarmungsloser Kraft um ihren Steifen und Daria musste erneut innehalten, um ihren keuchenden Atem und ihr hämmerndes Herz zu beruhigen. Als sie das Gefühl hatte, sich wieder einigermaßen unter Kontrolle zu haben, setzte sie ihren beschwerlichen Weg Maliva entgegen fort, musste aber bald einsehen, dass sie sich in dieser Hinsicht geirrt hatte. Auch wenn ihr Kopf nicht mehr ganz so sehr schwirrte wie nach einer Achterbahnfahrt, waren die Sensationen, denen sie ausgetzt war, so übermächtig, dass sie ihnen nicht lange würde standhalten können. Während sie sich allmählich weiterbewegte, glitt der Ring von Malivas Hintereingang ihren Schaft entlang, so fest, dass sie es kaum aushielt. Unnachgiebig wie eine Manschette aus Eisendraht war er um sie geschlossen, und als Daria an sich herabblickte, bemerkte sie, dass man das sogar sehen konnte. Dort, wo er sich um sie legte, wurde die Dicke ihrer Stange deutlich gestaucht, Falten hatten sich in der Haut gebildet, die dieser Verengung zustrebten, und man konnte ohne Schwierigkeiten beobachten, wie sie immer weiter hinabwanderte, je tiefer Daria sich hinabkämpfte.

Letztlich musste sie erkennen, dass ihren Penis in dieses unglaublich enge Loch zu quetschen, eine Zerreißprobe war, die sie nicht bestehen konnte. Sobald er vollkommen darin verschwunden war, und Daria flach auf Maliva zum Liegen kam, fühlte sie, wie der Samen unaufhaltsam aus ihr hervorschoss. Die Empfindungen, die diesen Orgasmus in ihr auslösten, waren im Grunde nicht anders als die, die sie erlebt hatte, als sie noch eine Scheide ihr Eigen nannte und an ihr herumgespielt hatte. Dieselbe Erleichterung überkam sie, die gleiche Anspannung der Muskeln, die mit einer umfassenden Genugtuung sofort wieder verging. Nur einen wirklichen Unterschied gab es: hinter all diesem Bekannten war noch etwas anderes, etwas, das ihr damals völlig fremd gewesen war, das Ausströmen ihres Spermas nämlich. Es raste durch ihren Unterleib und die Länge ihres Schwanzes entlang, drückte die kleine Öffnung an dessen Spitze auf und ergoss sich in einer endlos scheinenden Fontäne in Malivas Darm. Obwohl sie es gewohnt war, dass ihre Höhepunkte in einem merklichen Anstieg der Nässe zwischen ihren Beinen endete, war es doch nie so gewesen, bevor ihr dieses Teil gewachsen war. Jetzt war es, als würde sich ein Sog bilden, der sie förmlich molk, während ein plötzlich enstandener Druck in ihren Hoden die Sahne aus ihr herauspresste. Ein bisschen fühlte es sich an, als hätte sie endlich eine Gelegenheit zum Pinkeln gefunden, nachdem sie es so lange hatte einhalten müssen, dass es schon wehtat, und in einem ebensolch kräftigen Strahl spritzte nun diese andere Körperflüssigkeit aus ihrem Rohr.

So lange es auch andauerte, versiegte dieser Fluss zu Darias Bedauern doch mit der Zeit. Auch wenn es wahrscheinlich in einer der Dehydration geschuldeten Ohnmacht ihren Abschluss gefunden hätte, wäre sie glücklich gewesen, noch länger versunken in diesem Genuss zu bleiben. Sie wollte nicht, dass diese Leichtigkeit in ihrem Bauch verging, das Kribbeln in ihrer Brust und vor allem nicht diese absolute Zufriedenheit, die jeden Gedanken daran, das ihr etwas in ihrer Seligkeit fehlen könnte, aus ihrem Kopf vertrieb. Sie fühlte sich, als wäre sie am Ende einer langen Reise angekommen, an dem sie nichts weiter erwartete als die Erkenntnis, endlich dort zu sein, wo sie immer hatte sein wollen.

Bei genauerer Betrachtung war genau das doch auch der Fall. Die letzten beiden Tage war sie auf einer rastlosen Suche gewesen, bis Maliva ihr alles gewährte, was sie sich nur wünschen konnte: Arme, die sich zärtlich um sie legten, eine Schulter, an die sie sich schmiegen konnte, und Augen, die sie in liebevollem Verständnis anstrahlten. Zu ihrem Erstaunen schwanden diese Eindrücke gar nicht zusammen mit ihrem Orgasmus. Obwohl die Befriedigung ihrer Gelüste allmählich verebbte, blieb die tiefergehende Form dessen zurück, die grenzenlose Erfüllung, die Malivas Nähe ihr schenkte.

Allerdings musste sie sich nach einer Weile eingestehen, in der sie still auf ihrer neuen Freundin lag, ihr Schwanz umschlossen von deren Arschloch, dass im Gegensatz zu ihren geistigen Bedürfnissen die ihres Geschlchts noch nicht restlos gestillt waren. Ihre pralle Latte war nicht im Mindesten abgeschwollen, und die Quelle, aus der sich ihre Samenflüssigkeit speiste, hatte sich noch lange nicht entleert. Welche Unmengen sie auch gerade erst vergossen haben mochte, kam es Daria so vor, als wäre das nur ein Vorbote dessen gewesen, was noch folgen sollte, nicht viel mehr als ein wenig Vorsamen, der ihr entwichen war. In ihren Lenden schwelte förmlich ein Vulkan, der nur darauf wartete auszubrechen. Wie kurz vor dem Überkochen stehende Lava brodelte die Soße in ihr, schien immer höher emporzusteigen, und drängte darauf, freigesetzt zu werden. Das hätte Daria eigentlich wissen müssen, ihr Trieb war eben nur sehr selten nach einem einzigen Höhepunkt verschwunden.

»Das gilt doch nicht, oder?«, fragte Daria, als sie wieder in der Lage war, mehr herauszubringen als atemloses Stöhnen. Ihre Stimme bebte leicht, doch lag das nicht allein daran, dass es ihr noch immer schwer viel, überhaupt Luft zu bekommen, sondern mehr an dem Verlangen, das sich einfach nicht legen wollte. Wie ein plötzlich auftosender Wind fegte es durch sie hindurch und presste ihre Lungen zusammen.

Mit einem Lächeln auf den Lippen, das ebenso warmherzig wie verführerisch war, sah Maliva zu ihr auf. »Wieso? Hast du denn noch nicht genug?«

Ihr Ton hatte etwas Wissendes, als kannte sie die Antwort bereits. Das zu erraten stellte natürlich auch keine unlösbare Aufgabe dar, immerhin hatte sie gestern ihre Konstitution in diesen Belangen kennengelernt, und wenn Daria Glück hatte, war sie nicht die einzige, der es so erging. Vielleicht war Maliva dieses Problem selbst nicht fremd. Unter diesen Umständen hielt sie jedenfalls nicht für nötig, ihre ausgezehrten Lungen noch weiter anzustrengen. Einen selbstironischen Ausdruck im Gesicht schüttlete sie bloß den Kopf.

Malivas Grinsen wurde noch breiter. »Dann mach doch weiter. Ich hab doch schon gesagt, Freunde sollten sich immer zur Seite stehen, und dass ich finde, es ist nicht schlimm, das auch auf diese Weise zu tun. Da macht es doch nichts, wenn du mal etwas länger brauchst.«

»Ich ...«, begann Daria, verstummte aber sofort wieder. Die Worte ›Ich liebe dich‹ lagen ihr auf der Zunge, denn das war es, was sie nun empfand, die tiefe Zuneigung, die man nur den wenigsten Mesnchen entgegebrachte, höchstens der besten Freundin und dem engsten Familienkreis. Dennoch konnte sie das Maliva unmöglich sagen, es wäre zu missverständlich gewesen, und dieser Moment, den Penis bis zum Anschlag in in ihr Rektum geschoben, war wohl kaum die passende Gelegenheit, um ihr zu erklären, was sie meinte. »Danke«, hauchte sie stattdessen und versuchte, all das mit diesen beiden Silben auszudrücken, so unzureichend sie auch waren, aber ein Dank war wohl das Mindeste, was Maliva erwarten durfte, wenn sie Daria erlaubte, eine zweite Ladung Sperma in ihrem Hintern abzuladen.

Nachdem sie ihr zumindest dieses kleine Zeichen der Wertschätzung zugesichert hatte, begann sie sich zu bewegen. Ihr scheinbar unersättlicher Ständer hätte sich am liebsten gleich in voller Geschwindigkeit ausgetobt, doch zügelte Daria ihn. Für sie war es das erste Mal, dass sie jemanden von hinten bestieg, und hielt da eine Phase der Eingewöhnung für angebracht. Also ging sie die Sache in aller Ruhe an. Lagsam hob sie ihre Hüfte und ließ sie wieder sinken, in einem steten, bedächtigen Rhythmus.

Mittlerweile fühlte Daria sich auch deutlich vertrauter mit den Eigenheiten des Akts, über die sie sich vorher einfach nie Gedanken gemacht hatte. Zwar war sie noch immer etwas unsicher, aber dafür gab es ja auch genügend Gründe. Immerhin besaß sie ihr derzeitiges Geschlechtsteil erst seit drei Tagen, und vor zwei hatte sie es zum ersten Mal benutzt. Außerdem hatte die unmittelbare Intimität, die dabei herrschte, doch immer etwas Ehrfurchtgebietendes an sich. Obwohl es wunderschön und durch nichts zu ersetzen war, konnte Daria sich nicht vorstellen, dass es je zur Routine würde. Nackt zu sein bedeute schutzlos zu sein, verletzlich zu sein, ganz besonders, wenn dann jemand so dicht bei einem war, dass man ihn überall spüren konnte, die Wärme der Haut auf der eigenen, den festen Druck des Schritts gegen ihren. Daniels Abkehr von ihr hatte das nur bestätigt, und auch wenn sie der Überzeugung war, dass Maliva nie einen solchen Verrat an ihr begehen würde, blieb eine solche Situation für sie mit der Gefahr eines gebrochenen Herzens verbunden.

Doch von diesen Unwägbarkeiten ließ sie sich nicht beirren. Ein wenig gebeugt hatte sie sich zwischen Malivas gespreizte Schenkel gedrängt, die Oberkörper unmittelbar übereinander, stützte sich aber noch leicht mit Knien und Ellbogen auf dem Bett ab. Sogar ihre Gesichter berührten sich fast, sodass ihnen gar nichts anderes übrig blieb, als sich die ganze Zeit direkt anzusehen, doch selbst wenn sie eine Wahl gehabt hätte, wäre sie gar nicht in Versuchung gekommen, den Blick von ihr zu lösen. Sie wollte sehen, mit wem sie es tat, wollte sehen, wie Maliva sich vor Lust wand und sich ihre Züge immer weiter verklärten, je näher sie der Ekstase rückte.

Eigentlich war das seltsam. Bisher hatte sie jedes Mal versucht, so gut es ging jedes Anzeichen zu vermeiden, dass es Mädchen waren, mit denen sie es trieb. Nun jedoch schien dieser Widerwille wie weggeblasen, vielmehr erregte es Daria noch zusätzlich, genau zu wissen, dass es Malivas Arsch war, in dem sie sich erging. War das wieder die Verlockung des Verbotenen? Faszinierte es sie einfach, dass sie beide diesen Wonnen an sich nicht gemeinsam nachgehen sollten? Natürlich hatte niemand sich in ihre Partnerwahl einzumischen, aber was würden wohl ihre Klassenkameraden sagen, würden sie davon erfahren, oder schlimmer noch, ihre Eltern? Sie glaubte nicht, von irgendjemandem von ihnen mit viel Verständnis rechnen zu dürfen.

Doch woran es auch lag, Daria konnte sich diesem Zauber unmöglich entziehen, so schwer es auch auf ihrem Gewissen lastete. Obwohl jeder Stoß, mit dem sie ihren Schwanz in Malivas Hintern bohrte, ihre Schuldgefühle noch anwachsen ließ, hätte sie um nichts in der Welt damit aufhören können, nicht dadurch, ihre Eltern zu enttäuschen und nicht dadurch, eine neuerliche Verbannung befürchten zu müssen, sollte jemand von diesen geheimen Freuden erfahren. Allein das ließ sie bereits zittern vor Leidenschaft, dabei gab es noch weitaus berauschendere Gründe, beschämt zu sein, immerhin gab es noch mehr Indizien für Malivas Weiblichkeit, was Daria vor Begehren und ihres verdorbenen Verhaltens wegen gleichermaßen erröten ließ.

Unter all diesen Eindrücken stach besonders die sich sanft erhebende Brust hervor. Lückenlos, wie sie auf ihr lag, nahm Daria die in ihrer ganzen Herrlichkeit wahr. Obwohl die beiden Hügel noch kaum ausgebildet waren, pressten sie sich weich an sie, wie zwei winzige aus Samt geformte Bälle, während die steil aufgerichteten Nippel hart an ihrem eigenen Busen entlangrieben. Als sie in gemäßigtem Takt ihr Becken dem Gesäß unter ihr entgegenführte und wieder zurückzog, rutschte, ohne dass es sich verhindern ließe, ihr ganzer Körper über Maliva hinweg. Das kam ihr beinahe so vor, als würde sie schwimmen. Das ständige Auf und Ab, zu dem diese Unebenheiten sie veranlassten, erinnerte sie daran, auf einem See zu treiben, wenn ein lauer Wind die Oberfläche in leichte Wellen schlug. Ohnehin fühlte sie sich so wohl, als würde sie von warmem Wasser umspült. Ihr Kopf und ihr Bauch waren wie schwerelos und ihr war ein wenig schwindelig, während Malivas Brüste unablässig über die ihren streiften, wie eine streichelnde Hand, die sich ihnen voller Hingabe widmete.

Die wenig ausgeprägten Erhebungen ihrer Brust waren allerdings nicht die einzigen Rundungen, die Maliva zu bieten hatte; den breiten Schwanz ihrer verhexten Mitbewohnerin spürte sie ganz ähnlich an sich gedrückt. Auch über ihn schob sie sich immer wieder hinweg, so eng, dass Daria die einzelnen Adern unterscheiden konnte, die sich auf ihm abzeichneteten, ebenso wie den Übergang des Schafts zur Eichel. Er war nicht weniger übermäßig angeschwollen als ihr eigener und mit einem Mal wurde ihr klar, was das bedeutete: Maliva war in diesem Moment genauso erregt wie sie selbst. Sie hatte nicht nur zugestimmt, um ihr einen Gefallen zu tun, sondern auch weil sie ebenfalls scharf darauf gewesen war. Kein Wunder, dass sie den Vorschlag gemacht hatte, Daria solle gleich weitermachen, nachdem es ihr sofort gekommen war, als sie es gerade einmal geschafft hatte, ganz in sie einzudringen; sie war eben auch wieder geil geworden und sehnte sich danach, sich ein weiteres Mal zu ergießen.

Diese Erkenntnis überrollte Daria mit einem neuerlichen Schauer unsäglicher Lust. Es war beruhigend gewesen zu glauben, dass Maliva sich aus reiner Opferbereitschaft von ihr in den Arsch ficken ließ – dass sie ihr zuliebe bereit war, etwas zu tun, was sie gar nicht unbedingt wollte, bestätigte schließlich die Stärke ihrer Zuneigung, die sie gerade erst für einander entdeckt hatten – doch nun so unbestreitbar darauf hingewiesen zu werden, dass dieses Verlangen sie beide gleichermaßen betraf, hob ihre aufsteigende Lust in noch sehr viel aufreibendere Höhen. Es machte sie einfach auf fast schon unvorstellbare Weise an, Maliva dasselbe Entzücken bereiten zu können, das sie empfing. Welchen Sinn hätte es denn schon gehabt, allein in diesen fremden Sphären zu schwelgen? Ohne sie mit ihr teilen zu können, kam Daria auf einmal ihre eigene Befriedigung nicht mehr besonders erstrebenswert vor.

Zum Glück  jedoch bedachten sie sich gegenseitig mit diesen vielfältigen Genüssen und so stand ihrer baldigen Erfüllung nichts im Wege. Darias schaukelnde Bewegungen waren nun viel ausgelassener, in immer schnelleren und kräftigeren Stößen zwängte sie sich in Malivas Anus hinein, was dazu führte, dass auch ihre aneinandergepressten Oberkörper sich heftiger begegneten und der Penis, der zwischen ihnen eingeklemmt war, einen Überfluss an Zuwendung erfuhr. Sogar sie selbst fand es betörend, wie er sich in dieser Umarmung wand, wie ein hitziges Rauschen ihn zu durchlaufen schien und der schmierige Vorsamen, der unablässig aus ihm hervortröpfelte, ihr den Bauch verrklebte, doch für Maliva musste es geradezu unerträglich sein. Dieses samtene Gefängnis, in dem er feststeckte, unterschied sich ja kaum von dem, in das Daria ihren Schwanz hinabsenkte. Sie beide waren umgeben von Wänden, die zwar unendlich weich waren, sich aber dennoch so fest an sie drückten, dass an ein Entkommen nicht zu denken war, selbst wenn es in ihrem Interesse gewesen wäre, und sie beide waren vollkommen bedeckt mit ihren eigenen glitschigen Absonderungen.

Umhüllt von dem Sperma, das sie bereits in diesem Loch verspritzt hatte, kam Daria sich sowieso allmählich vor, als wäre ihr Penis von einem unfassbar winzigen Sumpf verschluckt worden, der eigentlich gar nicht groß genug war, um ihn in sich aufzunehmen, sich aber gerade so weit dehnte, dass er trotzdem irgendwie hineinpasste. Er schien sie immer tiefer in sich hineinzusaugen und leistete jedem ihrer Versuche, sich ein Stück weit aus ihm zu befreien, erbitterten Widerstand. Es gab sogar leise schmatzende Laute, wenn sie sich hin und her bewegte, egal ob hinein oder hinaus, und der nach wie vor den ihr entgegengehaltene Kanal überflutende Samen ihrer ersten Entladung umspülte ihr Teil wie heißer Schlamm.

Erst jetzt, als sie genauer darüber nachdachte, welche Auswirkungen es für sie hatte, eine Körperöffnung in Anspruch zu nehmen, in der die Samenflüssigkeit bis obenhin stand, wurde Daria klar, wie Maliva sich fühlen musste. Diese Erfahrung hatte sie vorhin immerhin selbst gemacht; sie wusste, in welch verwirrender Art die Sinnlichkeit dabei zum Vorschein kam. Es war ohne Frage höchst seltsam gewesen, als Maliva sich nach ihrem Höhepunkt noch weiter in ihr bewegt hatte, aber eben auch ungemein erregend. Das angestaute Sperma hatte die Grenzen der Belastbarkeit ihres Darms ausgelotet, während der dicke Schwanz es in ihr hin und her gewälzt hatte. Wie der in ihr eingeschlossene Schleim ihr Rektum aufwölbte, wie er zähflüssig umherschwappte und scheinbar die gesamte Länge ihres Tunnels überzog, hatte sie trotz der Scham und der Eigenartigkeit, die darin mitschwang, in ungeahnte Tiefen der Leidenschaft geführt. Dabei hatte sie sich nur kurz daran erfreuen können, in den wenigen Augenblicken, in denen Maliva in der Umarmung vollkommenr Zufriedenheit noch nicht damit hatte aufhören können, sich ihres Hinterns zu bedienen, das Hexenmädchen jedoch hatte nun Gelegenheit, sich dem ganz und gar hinzugeben.

Offenbar war das auch der Fall. Ihr anfänglich verhaltenes Stöhnen hatte sich mit der Zeit zu einem rückhaltlosen Keuchen gesteigert, das von ihren bebenden Lippen aufstieg, und ihr Blick hatte unverkennbar die Entrückung nahender Erlösung angenommen. Es dauerte auch gar nicht lange, bis die Maliva traf. Kaum hatte Daria diese untrüglichen Anzeichen bemerkt, war es schon so weit. Ein dicker Strahl Samen schoss zwischen ihnen entlang, besudelte ihrer beider Oberkörper bis hinauf zu den Brüsten und troff schwerfällig an ihnen herab. Damit wurde die ganze Sache noch rutschiger. Mit dem heißen Saft auf ihnen rieb sich Maliva noch deutlicher an ihr und die Geräusche, die dabei entstanden, waren ein bisschen so, hüpfe sie in einer schmutzigen Pfütze herum.

Tatsächlich hätte Daria meinen können, sich in Morast zu suhlen, doch das störte sie gar nicht. Aus irgendeinem Grund weckten solche Dinge keinen Widerwillen mehr in ihr. Zuvor hätte sie das sicher mit Abscheu zurückweichen lassen, aber mittlerweile hatte sie ihr ja sogar voller Begierde den Anus ausgeleckt, warum sollte sie das dann jetzt als abstoßend empfinden? Obwohl sie überhaupt erst vor kurzem Frieden geschlossen hatten, schien ihr alles an Maliva vertraut; sie hatte sie so liebgewonnen, dass nichts sie je wieder auseinanderbringen konnte.

Ohnehin bekam sie davon nur am Rande etwas mit, dazu verlor sie sich noch immer zu sehr in der Bewunderung von Malivas Gesicht. Die unvermittelt über sie hereinbrechende Befriedigung hatte sie noch schöner werden lassen. Ihre honigfarbenen Augen gewannen zusätzlich an Glanz, von dem sie sich einfach nicht losreissen konnte, ihre Miene strahlte regelrecht und die befreiten Seufzer, die ihr entwichen, ließen ihre in denselben zarten Rosa wie ihre Nippel gehaltenen Lippen leicht offenstehend zurück. Warm konnte Daria den stoßweise gehenden Atem auf ihrer Wange spüren.

Das war zuviel für sie. Ein übermächtiger Impuls überkam sie, dem sie sich schlichtweg nicht erwehren konnte. Wie ohne ihr eigenes Zutun senkte sich ihr Kopf hinab, bis ihr Mund auf den von Maliva traf, und augenblicklich durchfuhr sie ein Orgasmus. Unaufhaltsam und ebenso erschütternd wie ein Erdbeben brach er über sie hinein, spülte mit seiner Vehemenz das Sperma aus ihr heraus und setzte ihr Herz in Flammen. Sie verstand selbst nicht, warum ausgerechnet diese vergleichsweise harmlose Berührung sie dermaßen mitnahm, aber so war es nun einmal. Malivas Anus zog sich so unentrinnbar dicht um ihren Schwanz, dass er ihn sogar ein wenig quetschte, und als Daria sich nun weiterhin sanft in ihm hin und her bewegte, war es, als würde dieser unglaublich feste Griff um ihren Schaft auch noch den letzten Tropfen Samenflüssigkeit aus ihr herauspressen, trotzdem brachte gerade dieser zärtliche Kontakt ihrer Lippen sie über die Schwelle.

Das war eigentlich auch früher schon so gewesen, fiel ihr nun auf. Als sie noch mit Daniel zusammen gewesen war, waren es vor allem ihre Küsse gewesen, die sie an ihrer Beziehung so gereizt hatte. Sie stillten ein Bedürfnis, das tiefer ging als sexuelles Verlangen, sie waren Ausdruck einer Nähe, die einfach unverzichtbar war. Wahrscheinlich war es nun genauso. Dieser sanfte Kuss war Bestätigung einer Zuneigung, die sie in den letzten Tagen schmerzlich vermisst hatte. Obwohl sie den Mund geschlossen hielt und so ihre Zungen nicht zueinander fanden, war es Daria, als hätte sie nie etwas Berauschenderes erlebt. Sie fühlte Malivas volle, seidige Lippen auf den ihren, das Zittern, mit dem sie sich an ihre drückten, und hörte das leise Seufzen, das sich ihnen entrang. Darin ging sie völlig auf, sie bemerkte nicht einmal richtig, dass das Abspritzen diesmal wesentlich schwerfälliger vonstatten ging. Fast war es, als hätte ihr jemand ein Pflaster auf die Eichel geklebt, das ihr Ejakulat nur sehr langsam und unter größter Anstrengung hindurchließ. Das musste daran liegen, dass der Raum, der ihm dazu zur Verfügung stand, bereits von den bereits zuvor dort abgelassenen Ausströmungen vollständig eingenommen wurde. Das macht Daria jedoch nichts aus, es erweiterte nur die Dauer, die ihr Erguss benötigte, um abzuklingen. Selbstvergessen lag sie auf Maliva, hingerissen vom Gefühl ihrer aufeinander gepressten Münder, der Brüste, die sich an sie schmiegten und dem stockenden aber nicht aufhörenden Auslaufens ihres Samens.

Als sie wieder zu sich fand, war ihr Höhepunkt längst vergangen. Die Flut, die sich aus ihr hervorgestürzt hatte, war versiegt, und allmählich begann ihr Ständer umgeben von der klebrigen Masse, die er selbst dort hinterlassen hatte, zu erschlaffen. Erst jetzt, während die traumähnlichen Schleier der Ekstase nach und nach von ihr abfielen, bemerkte Daria, dass sie sich noch immer verhalten in Malivas engem Darm vor und zurück schob. Nun, da ihr Penis im Schrumpfen begriffen war, stellte der Schließmuskel auch kein unüberwindbares Hindernis mehr dar. Sie spürte, wie das Sperma ihn vollständig umfloss, er schwamm förmlich darin und mit ihren letzten Hüftzuckungen verstärkte sie diesen Eindruck noch. Es war, als würde sie mit einem Schwamm, der gerade so hineinpasste, ein Glas reinigen, das bis zum Überlaufen mit vergorener Milch angefüllt war. Sie rann bis in jeden Winkel, waberte beständig umher und quoll unwillkürlich aus der schmalen Öffnung hervor.

Daria beschloss, sich nicht darum zu kümmern, immerhin war Maliva damit einverstanden gewesen, dass sie sich ein zweites Mal in ihr vergnügte, da würden ein paar Flecken mehr in dem Laken sie wohl nicht aus der Fassung bringen, doch konfrontierte ihr Auftauchen aus dem schwebeartigen Zustand sie mit einem Umstand, der ihr tatsächlich Sorge bereitete: ihr noch immer anhaltender Kuss, eine Verbindung, die weit über ihre zweckmäßige Vereinbarung hinausging. Wozu hatte Daria sich in ihrer brennenden Leidenschaft nur verleiten lassen? Dazu hatte sie keine Erlaubnis gehabt, und es wäre Malivas gutes Recht, sich darüber zu empören. Sie hatten bloß entschieden, sich in dieser misslichen Lage beizustehen, in der sie sich befanden hatten, beide von unbezähmbarer Geilheit befallen und zu unbedarft im Umgang mit ihren außer Kontrolle geratenen, ungewohnten Geschlechtsteilen, um ihnen auf sich gestellt Erleichterung zu verschaffen, ein Kuss allerdings verstieß ohne jede Frage gegen diese Grenze einer angedachten Hilfeleistung. Er war einfach zu intim, und zu sehr Beweis einer vorbehaltloseren Zuneigung als dass er bloßen Freundinnen zugestanden hätte. Ein solchermaßen Besiegeltes Bündnis gebührte einzig Liebenden, zumal ihres erst seit so kurzer Zeit Bestand hatte. War ihre Trennung damit unvermeidbar geworden? Würde Maliva sich nach dieser Anmaßung nicht zweifellos von ihr abwenden?

Daria konnte nur hoffen, dass dem nicht so war. Umnebelt von ihrer Lust hatte sie gar nicht darüber nachgedacht, was sie da tat, es war einfach geschehen, ohne dass sie es hätte verhindern können. Die Wangen leuchtend rot vor Scham zwang sie sich dazu, ihre Lippen von denen ihrer Mitschülerin zu lösen. Deren funkelnde Augen starrten sie unverwandt an, ohne Vorwurf zwar, aber voller Verwunderung. Diesem niedlichen Blick konnte Daria unmöglich standhalten und so hob sie den Kopf, ihn ein wenig zur Seite drehend, als hätte sie dort etwas entdeckt, was ihre ungeteilte Aufmerksamkeit erforderte. Diese Bewegung ließ ihren abschwellenden Schwanz endgültig aus dem doppelt benutzten Loch rutschen, sodass ihr kaum etwas anderes übrig blieb, als sich zu erheben, so sehr es ihr auch missfiel. Nun, da sie beide offensichtlich befriedigt waren, hatte sie keine Ausrede mehr, Malivas beruhgende Nähe zu suchen.

Widerstrebend richtete sie sich auf, bis sie auf den Knien hockte, nur eine Handbreit von dem verführerischen Hintern entfernt, den sie bis eben noch für sich eingenommen hatte. Sie wagte es nicht, in das Gesicht des Mädchens zu schauen, das sie zumindest bis jetzt noch bei sich duldete, vor Angst, eine stumme Anklage darin zu lesen. Also blickte sie stattdessen vor sich hinab, doch die Aussicht, die sic hihr dort bot, war auch nicht gerade wie dafür geschaffen, ihr Gewissen zu erleichtern. Ihr Penis war wie eingeweicht mit Ejakulat, schaumig bedeckte es seine gesamte mittlerweile abgeschwollene, verschrumpelte Länge, hing in dicken Strängen von ihm herab und troff ebenso reichlich von Malivas noch immer entblößtem After, der nun bereits zweimal von dem gallertartigen weißen Zeug geflutet worden war.

Als Maliva ihre angewinkelten Beine schließlich wieder ausstreckte und zusammenschlug, nahm Daria das zum Anlass, ebenfalls eine unverfänglichere Haltung einzunehmen. Es nach wie vor vermeidend, sie auch nur anzusehen, ließ sie sich unmittelbar neben der jungen Hexe auf das Bett fallen. So lagen sie schweigend da, eine Ewigkeit wie es schien, beide schwer atmend an die Decke starrend und befangen von ihrer nachhallenden Erregung, während sich unter ihnen Lachen ihrer gemeinsam vergossenen Sekrete bildten.

Irgendwann jedoch hielt Daria es nicht länger aus. Je mehr sie aus der süßen Benommenheit ihrer ausgelebten Triebe erwachte, desto größer wurde ihre Unsicherheit, ob sie in ihr nicht zu weit gegangen war. »Entschuldige bitte«, flüsterte sie in die drückende Stille hinein, »das hätte ich nicht tun sollen.«

»Was meinst du?«, fragte Maliva, ihre Stimme gleichermaßen gesenkt. Sie klang tonlos und versonnen, als hätte Daria sie überraschend aus einem alles andere verdrängenden Tagtraum gerissen.

»Dich zu küssen. Das war falsch von mir, ich weiß. Ich hab selbst keine Ahnung, was da über mich gekommen ist. Ich meine, wir sind Freunde, da ist das nun wirklich nicht angebracht. Es ist nur so, dass ... dass das alles mich so mitgerissen hat. Es tut mir leid.«

»Schon gut«, erwiderte Maliva sanft, und obwohl Daria ihr Gesicht nicht sehen konnte, so wie sie beide zum Dachfenster hinaufsehend dalagen, war ihr klar, dass sie lächelte. Man konnte es ihr anhören, die erhobenen Mundwinkel formten ihre Worte unwillkürlich anders, heller und sachter, als wären sie in unendlicher Vertrautheit ausgesprochen worden. »Es ... es war schön.«

»Schön?«, fragte Daria ungläubig nach. »Aber das dürfen wir doch nicht tun! Wir sind doch beide Mädchen!«

»Das scheint dich aber nicht davon abgehalten zu haben, mich flachlegen zu wollen, sogar als ich noch eine Scheide hatte.«

»Das war doch was ganz anderes! Das war ... na ja, ich hatte eben einen Steifen und nicht richtig darüber nachgedacht, was wir eigentlich tun, aber ein Kuss ist doch ... etwas viel Persönlicheres, findest du nicht?«

»Doch«, gab Maliva zu. Da hatte Daria natürlich recht. Sie konnte sich kaum etwas Eindringlichers vorstellen, oder etwas Erotischeres. Es kam ihr vor, als könnte sie noch immer Darias Mund auf dem ihren spüren. Als es geschehen war, hatte es sie völlig unvorbereitet getroffen. Sie hatte sich so lange danach gesehnt, ihren ersten kuss zu erleben, und dann war es einfach passiert, mit einer Plötzlichkeit, die ihr den Atem geraubt hatte. Es war genauso gewesen, wie sie es sich erhofft hatte. Darias Lippen hatten sich weich und einfühlsam auf ihre gedrückt, während derer unmerklicher Duft sie erfüllte und die grenzenlose Nähe zwischen ihnen sie alles um sich herum vergessen ließ. Etwas Ähnliches hatte sie noch nie zuvor erlebt; die unzähligen Eindrücke, die auf sie einprasselten, hatten jeden anderen Gedanken aus ihrem Bewusstsein verdrängt und sie zitternd vor Begeisterung zurückgelassen.

»Siehst du«, meinte Daria jetzt, »und hat es dich dann nicht angeekelt?«

»Nein«, seufzte Daria und überlegte, wie sie fortfahren sollte. Sie hatte einfach widersprechen müssen, eine so absurde Behauptung wie die, dass dieser Kuss sie angwidert hätte, konnte sie nicht einfach stehen lassen, doch wie sollte sie sich weiterhin erklären sollen? Sollte sie nicht darauf hinweisen, das man nicht alles, was man nicht kannte oder nicht verstand, gleich als abstossend abtun sollte? Warum sollte das denn auch etwas Unnatürliches sein? Hatten ihre Lippen nicht ganz wie von selbst und ohne jedes Zögern zueinander gefunden? Vielleicht hätte es auch gereicht zu erwähnen, dass man in einer Freundschaft ebenso engen Kontakt suchen konnte, und dass es nichts weiter gewesen wäre, doch hatte Darias Tonfall etwas Flehentliches gehabt, als wünschte sie sich eine Antwort, die erhellender war als diese üblichen Phrasen. Dann blieb Maliva wohl nichts anderes übrig, als ihr die Wahrheit zu erzählen, so sehr es ihr auch widerstrebte, sich jemandem so zu öffnen. Es war schwer, Vertrauen aufzubauen, wenn man es gewohnt war, verhöhnt und missachtet zu werden. Aus diesem Grund hatte sie nie damit gerechnet, ihr Geheimnis jemals jemandem zu verraten, zumindest nicht, so lange sie noch zur Schule ging, wo sie dafür nur ausgelacht würde, doch so seltsam es auch war, freute sie sich irgendwie darauf, es endlich loszuwerden. Darin hatte sie noch niemanden eingeweiht, nicht einmal ihre Mutter, mit der sie eigentlich über alles reden konnte. Außerdem hatte Daria es verdient, dass sie ehrlich ihr gegenüber war. Noch bevor sie erfahren hatte, dass Maliva Schuld an allem war, hatte sie ihr von ihren körperlichen Veränderungen erzählt, von Theresa und von Daniel. Es war Zeit, es ihr gleichzutun.

»Nein«, wiederholte sie, »nein, es war ganz und gar nicht eklig, es hat mir gefallen, wirklich. Aber ... tja, ich stehe ja auch auf Mädchen, von daher ist das gar nich’ mal so schockierend, schätze ich.«

Daria machte allerdings durchaus einen etwas schockierten Eindruck. »Du ... du bist lesbisch?«

Maliva nickte allem Anschein nach, was Daria aber nur daran merkte, dass deren Haare ihren Hals kitzelten, als sich ihr Kopf schwach auf und ab bewegte, blieb ansonsten jedoch still. Ihr grüblerisches Schweigen schien sich beinahe ins Endlose zu dehnen, bis Maliva unsicher fragte: »Und du? Fandest du es eklig?«

»Nein«, sagte Maliva mit einer Bestimmtheit, die sie selbst verwunderte. Natürlich hatte es in ihr keine Abscheu hervorgerufen, andernfalls hätte sie wohl kaum den unwiderstehlichen Drang dazu empfunden, aber sie wurde das Gefühl nicht los, dass genau das der Fall hätte sein sollen. Was war denn nur los mit ihr? Da küsste sie einfach unüberlegt eine ihrer Klassenkameradinnen und statt es zu bereuen, ging ihr dabei auch noch einer ab. Wie sollte sie das sich selbst gegenüber rechtfertigen? War es wirklich nur ihre von Enttäuschungen getriebene Sehnsucht nach Nähe gewesen, ihre Erleichterung darüber, endlich eine Verbündete gefunden zu haben, die sie nicht im Stich lassen würde? Doch wie man es auch drehte und wendete, abgestossen hatte es sie jedenfalls nicht, ganz im Gegenteil.

»Und ... bist du dann auch ...?«, begann Maliva eine Frage, doch verlor sich ihre Stimme einfach, und so sehr sie sich auch antrengte, fand sie nicht die Kraft weiterzusprechen.

»Lesbisch?«, beendete Daria den Satz für sie und dachte kurz darüber nach. »Ich weiß nicht, sagte sie dann langsam, »darüber hab ich mir nie Gedanken gemacht.«

»Du hast inzwischen mit zwei Mädchen geschlafen, hast mich geküsst und mich sogar hintenrum geleckt, aber du hast dir noch nicht überlegt, ob du möglicherweise darauf stehen könntest?«

»Ähm ... ja«, fasste Daria zusammen. Früher hätte sie alleine die Vorstellung ohne Umschweife als lächerlich erachtet, da war ihr diese Möglichkeit bisher nicht einmal in den Sinn gekommen, nur weil es sich durch eine Verkettung unzähliger verquerer Umstände ergeben hatte, dass sie sowohl mit ihrer besten Freundin als auch mit ihrer einstigen Erzfeindin im Bett gelandet war. Die Regeln des Anstands zu befolgen, war immer darias oberste Priorität gewesen. Zwar fühlte sie sich anderen oft überlegen, doch in dieser Hinsicht hatte sie genau wie jeder andere sein wollen. Obwohl diese Konventionen möglicherweise mit Einschränkungen verbunden waren, gaben sie ihr eine gewisse Sicherheit; sie waren wenigstens etwas, woran man glauben konnte, an dem man sich festhalten konnte, und so hatte Daria sie übernommen, ohne sie je zu hinterfragen.

Viele dieser Normen waren jedoch ebenso ambivalent wie subtil. Es war gesellschaftlich nicht mehr wirklich anerkannt, Homosexualität öffentlich abzuwerten, dennoch wurden Menschen, die sich zu ihr bekannten, immer noch kritisch beäugt. Das geschah manchmal heimlich, indem man hinter vorgehaltener Hand Gerüchte über jemanden verbreitete, und manchmal ganz unverhohlen, indem man sich gegenseitig solcher Vorlieben bezichtigte. Daria hatte oft genug erlebt, wie Jungs an ihrer Schule wegen irgendwelcher Kleinigkeiten als schwul bezeichnet wurden, etwa weil sie ihre Haare auf eine bestimmte Weise trugen, um zu wissen, dass das kein Wesenszug war, den man ohne weiteres zeigen sollte, wenn man Wert darauf legte, allgemein akzeptiert zu werden, und das tat sie. Für sie war nie etwas wichtiger gewesen, als dazuzugehören, sie wollte einfach beliebt sein. Das bedeutete nicht unbedingt, dass jeder sie mögen sollte, so war es ihr zum Beispiel egal gewesen, was Maliva von ihr hielt, aber ob man sie nun liebte oder hasste, ausnahmslos jeder hatte zu ihr aufschauen sollen, sie bewundern oder zumindest anerkennen sollen.

Das war jetzt anders geworden, wenn auch nicht ganz freiwillig. Ihr Wunsch war eben zwiefellos gescheitert, nun war sie selbst eine Außenseiterin, mit der niemand mehr etwas zu tun haben wollte, doch darüber hinaus war ihr klar geworden, wie falsch ihr Verhalten gewesen war. Daniel hatte ihr diese Lektion unmissverständlich erteilt. Hatte er sie nicht aus genau diesen Gründen sich selbst überlassen, als sie ihn am meisten gebraucht hätte, weil er Angst vor Ablehnung hatte, weil er sich nicht vor seinen Freunden blamieren wollte, weil er ein Mädchen liebte, das nicht in ihr Weltbild passte? Nach dieser einschneidenden Erfahrung kam Daria nicht umhin, sich einzugestehen, dass sie Fehler gemacht hatte. Sie hatte Maliva verurteilt, obwohl sie sie gar nicht richtig gekannt hatte, sie hatte sie ausgegrenzt und sich über sie lustig gemacht, nur weil sie ein wenig anders war – und wohl auch weil sie stark genug war, für ihre Überzeugungen einzutreten. Bei genauerer Betrachtung hatte das Daria immer etwas nervös gemacht.

Doch jetzt war damit Schluss. Jetzt wusste sie, wieviel Schaden sie damit angerichtet hatte, wieviel Schmerz sie Maliva bereitet hatte. Diese Erkenntnis war ohne Frage ein guter Anfang, war aber bei weitem nicht genug. Sie musste wenigstens den Versuch einer Wiedergutmachung leisten, so unzulänglich das auch sein mochte.

»Äh, hör mal, Maliva, ich glaube, ich sollte mich noch bei dir entschuldigen ...«, bereitete sie sich vorsichtig darauf vor.

Maliva allerdings sah sie nur verständnislos an. »Das hast du doch schon, und ich hab dir gesagt, dass es nicht nötig ist.«

»Nicht wegen dem Kuss«, erklärte Daria, »wegen ... allem anderen. Also, in der Vergangenheit hab ic hein paar Dinge gesagt, die ich wirklich bereue, ich war auch nie nett zu dir, obwohl du mir nie etwas getan hast, und ... und das alles tut mir leid, okay? Mir ist jetzt klar geworden, was ich dir damit angetan habe, und ich will einfach nur, dass du das weißt.«

Maliva hatte sich ihr während dieser Beichte immer weiter zugewandt, bis sie letztlich auf der Seite lag, den Oberkörper mit einem Arm hochgedrückt. Nun aber versank sie wieder in Regungslosigkeit, eine lange Zeit auf sie herabschauend. Ihre Züge blieben völlig undurchsichtig; Daria hätte nicht sagen können, ob sie ihre Entschuldigung annahm oder nicht, doch gerade als sie begann, das Schlimmste zu befürchten und sich fragte, was sie falsch gemacht hatte, kam Bewegung in Maliva. Plötzlich huschte ein warmes Lächeln über ihr Gesicht, und ehe Daria begriff, was vor sich ging, senkte sich ihr Kopf zu ihr hinab, drückte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Lippen und zuckte schnell zurück, als hätte sie sich selbst dabei ertappt, wie sie aus einem Impuls heraus etwas Dummes getan hatte.

Nun war es Daria, die auf einmal vollkommen still dalag. Es kam ihr vor, als hätte diese unerwartete sinnliche Berührung sie paralysiert; alle ihre Muskeln schienen sich verkrampft zu haben, ihr Herz raste und ihre Gedanken wirbelten so wild durcheinander, dass sie keinen einzigen zuende brachte. »Was ... was sollte denn das ...?«, schaffte sie es irgendwann zu fragen, so sehr sich ihr Mund auch weigerte, überhaupt Worte zu formen. Er war noch immer wie verschlossen von Malivas warmen, weichen Lippen, sodass es sich anhörte, als wäre sie unglücklich verliebt und würde in ein Kissen weinend ihren Kummer der unbeteiligten Welt kundtun: leise, hauchend, beinahe tränenerstickt und doch voller Hoffnung.

Maliva zuckte mit den Schultern, in dem aussichtslosen Bemühen, ihre Scham mit Unbekümmertheit zu überspielen. »Es war lieb von dir, dich zu entschuldigen, und ... na ja, wir haben doch schon festgestellt, dass Freundinnen es ruhig auch mal miteinander treiben können, wenn sie geil sind, warum sollten wir uns dann nicht auch küssen dürfen, nur so aus Dankbarkeit und als Zeichen der Zuneigung? Ich meine, du küsst doch auch mal deine Mutter, oder?«

»Ja, klar tu ich das«, sagte Daria, ihre Stimme nun schon wieder etwas fester, wenn auch noch lange nicht so souverän wie sonst. »Es ist ja auch nicht so, dass es mich gestört hätte, ich war nur nicht darauf vorbereitet, das ist alles. Und als ich vorhin gesagt habe, dass Mädchen das nicht zusammen tun sollten, da meinte ich nicht ... als, ich meine, es stört mich nicht, dass du lesbisch bist. Ich hab nur nie darüber nachgedacht, dass du oder sonst jemand, den ich kenne, lesbisch sein könnte, aber das ist natürlich absolut in Ordnung. Ich wollte dir jetzt keine Hintergedanken unterstellen.«

»Schon gut«, meinte Maliva, und so unspektakulär diese Aussage an sich auch war, hallte sie doch tausendfach in Darias Kopf wider. Da lag sie im Bett eines Mädchens, für das sie früher einzig Verachtung übrig gehabt hatte, sie hatten es sich gegenseitig in den Hintern besorgt, sie hatten sich geküsst und einander alles gestanden, was sie eigentlich nie jemandem hätten erzählen können, von abstrusen Flüchen bis hin zu unkonventionellen Neigungen – trotzdem war nun zwischen ihnen alles gut. Daria war so erleichtert, dass sie beinahe laut aufgeseufzt hätte. Maliva und sie hatten einander verziehen, sie waren Freundinnen geworden und das würden sie auch bleiben.

»Ich denke, wir sollten dann mal duschen gehen«, sagte Maliva in die Stille hinein. »Das heißt, wenn du diesmal nichts dagegen hast«, setzte sie noch hinzu, den Mund zu einem sarkastischen Grinsen verzogen, doch mit einem einfühlsamen Blick in den leuchtenden Augen. Eine seltsame Mischung, die Daria allerdings gut nachvollziehen konnte. So hatte sie selbst schon empfunden, wenn Theresa wieder einmal eine ihrer witzig gemeinten Bemerkungen machte, die zwar keineswegs lustig waren, aber immerhin so begeistert vorgetragen, dass man aus reiner Höflichkeit trotzdem kurz lachte.

»Nein, du hast recht«, stimmte sie Maliva zu, »im Moment können wir wohl beide eine Dusche gebrauchen.« So unsicher Daria sich auch allem anderen geworden war, was sie bisher für unverrückbare Konstanten gehalten hatte, war wenigstens dieser Punkt über jeden Zweifel erhaben. Sie waren gleichermaßen an Bauch und Brust mit Sperma beschmiert, Daria fühlte es sogar sämig aus ihrem Anus herausrinnen, und es kam ihr so vor, als würde es noch immer in ihr umherwälzen, wie eine aufkommende Flut, die sich in ausladenden Wellen vor und zurück schob. Maliva musste das alles sogar noch sehr viel stärker wahrnehmen, hatte sie doch die doppelte Menge dieses absonderlichen glibberigen Zeugs in sich aufgenommen.

»Gut«, sagte die junge Hexe regelrecht erleichtert, »dann geh ich mal duschen. Oder willst du zuerst?«

»Nein, nein, geh ruhig«, ließ Daria ihr den Vortritt. Das war nicht gerade typisch für sie. Normalerweise konnte sie es morgens kaum erwarten, unter die Dusche zu kommen. Nach dem Aufstehen fühlte sie sich immer dreckig, und das war etwas, das sie überhaupt nicht ausstehen konnte, zumal sie da sonst nicht das Rektum voller Samen hatte. Wenn sie früher in einer solchen Situation Maliva als Erste das Bad hätte aufsuchen lassen, hätte sie es zumindest mit den Worten getan, dass sie eine Dusche mit Sicherheit eher gebrauchen können als sie selbst, doch hatte sich ihre Beziehung ja mittlerweile radikal gewandelt, auch wenn Daria gar nicht genau sagen konnte, wie die jetzt eigentlich geartet war. Waren sie wirklich bloß Freunde oder mehr als das? Immerhin war Maliva laut eigener Aussage lesbisch, hatte aber behauptet, dass diese Entwicklung, in deren Folge sie sich nunmehr mit sämtlichen ihrer Körperöffnungen und Geschlechtsmerkmale befasst hatten, nichts damit zu tun hätte.

Wie also stand Daria dazu? Sie wusste es einfach nicht. Sie hatte sich nie vorstellen können, sich einmal in ein Mädchen zu verlieben, andererseits hatte sie sich nie vorstellen können, sich in irgendjemanden zu verlieben, jedenfalls nicht so, wie sie es von anderen gehört hatte, mit Herzklopfen und Schmetterlingen im Bauch, oder dass sie ohne den anderen nicht hätte sein können. Was war Daniel denn schon je mehr für sie gewesen als ein Statussymbol? Mit ihm hatte sie angeben können, ihre Überlegenheit demonstrieren, und er hatte sie halten dürfen, ihr die Gewissheit geben, dass sie bei ihm sicher und wohlbehütet war. Doch offen gestanden hatte sie Theresa gegenüber mehr empfunden als für ihn. In ihrer Nähe war sie nicht nur geborgen gewesen, sondern auch geliebt und verstanden. Er hatte mit seinem drahtigen, markanten Äußeren vielleicht einen unbewussten Wunsch nach Schutz angesprochen, doch war es wohl nur unter wahren Freunden möglich, bedingungslos man selbst zu sein, und dazu war sie außerhalb ihres Zuhauses einzig in Malivas Armen fähig gewesen.

So betrachtet war diese Vereinbarung, die sie getroffen hatten, das Beste, was Daria hätte passieren können. Demnach waren sie Freundinnen, die immer für einander da waren, die sich umeinander kümmerten und sich umsorgten, die sich trösteten, wenn es der anderen schlecht ging, und sich respektierten, selbst wenn man einmal anderer Meinung war, nur dass ihre Unterstützung eben so weit ging, sich gegenseitig ranzulassen, wenn ihnen danach war. Aber inwiefern unterschied sich das dann noch von einer Liebesbeziehung? Hieß es nicht, sich zu lieben und zu ehren, in guten wie in schlechten Zeiten, und war das nicht genau das, was sie sich hier versprochen hatten, uneingeschränkte Zuneigung und Akzeptanz zueinander?

Sie konnte auch nicht behaupten, dass sie von Maliva nicht körperliche angezogen worden wäre. Natürlich hatte sie von Anfang an geahnt, wie makellos diese neue Mitschülerin war, weshalb Daria sie ja auch als ernsthafte Gefahr für ihren eigenen Stellenwert innerhalb der komplexen Rangordnung der Schulstruktur angesehen hatte. Es war schnell klar gewesen, dass sie genau wie Sophie Weega aus der Klasse einer Altersstufe unter ihnen war: nett, hilfsbereit, intelligent und wunderschön. Der lagen ebenfalls alle zu Füßen, Jungen wie Mädchen, da hatte sie schlicht handeln müssen, um zu verhindern, dass Maliva zur Klassenkönigin aufstieg. Dennoch endete die Vielzahl ihrer Reize nicht mit ihrem Aussehen und ihrer Persönlichkeit, wie Daria in den letzten beiden Tagen festgestellt hatte, oder wie ließ sich sonst erklären, dass jede ihrer Berührungen ihr eine Latte wie einem Zuchthengst bescherte, dass es ihr augenblicklich kam, sobald sie ihren betörenden Duft einatmete, wie es gestern gewesen war, oder wenn sich ihre Lippen zu einem Kuss trafen, wie es eben gerade der Fall gewesen war?

Einen resignierenden Laut von sich gebend, stieß Daria tief die Luft aus. Vorige Woche noch war ihr Leben so einfach gewesen, sie war die unbestrittene Herrscherin über ihre Mitschüler gewesen, und ihr größtes Problem war es, sich Daniels hartnäckiger Annäherungsversuche zu erwehren. Nun war sie eine Geächtete, sie war nirgends willkommen, war mit einem Fluch belegt, der sich nicht so leicht wieder rückgängig machen ließ und zu allem Überfluss konnte sie nicht einmal mehr den grundlegendsten Prinzipien vertrauen, an die sie sich ihr ganzes Leben lang geklammert hatte, wie zum Beispiel ihrer sexuellen Orientierung.

Maliva war in der Zwischenzeit zu ihrem Kleiderschrank gegangen und hatte ihm ein Handtuch entnommen, das sie sich um den Körper schlang. Während sie mit einem letzten Gruß das Zimmer verließ, überlegte Daria, was sie tun sollte. Ihr erster Impuls war es, das riesige Bücherregal zu durchstöbern. Zwar las sie selbst nicht gern, doch war sie begierig darauf, zu erfahren, womit Maliva sich den ganzen Tag beschäftigte. Das schien ihre größte, villeicht sogar ihre einzige Leidenschaft zu sein, und Daria war der Ansicht, dass man einen Menschen nur dann wirklich kennenlernen konnte, wenn man sich selbst mit seinen Vorlieben auseinandersetzte. Letztendlich jedoch konnte sie sich nicht dazu aufraffen, dazu ging sie viel zu sehr in dem Versuch auf, das verworrene Chaos ihrer eigenen Gefühle zu durchschauen.

Damit war sie noch keinen Schritt weiter, als Maliva zurückkehrte, trotzdem war sie froh über diese Unterbrechung. Es kam ihr allmählich so vor, als würde ihr Kopf explodieren, wen sie sich weiter Gedanken darüber machte, was moralisch vertretbar war und was nicht, oder ob sie sich wirklich zu Mädchen hingezogen fühlte, insbesondere zu einem, deretwegen sie mit einem Geschlechtsteil geschlagen war, das nicht ihrem angeborenen entsprach.

Maliva lieh ihr eine neue Garnitur Kleidung, und so zog Daria sich an, nachdem sie geduscht hatte. Als sie kurz darauf wieder das Zimmer betrat, in dem sie Unterschlupf gefunden hatte, lag Maliva mit einem Buch in der Hand auf dem Bett. Sie hatte es offenbar frisch bezogen, während Daria fort gewesen war, was auch dringend nötig gewesen war; die Laken waren förmlich in den verschiedenen Säften geschwommen, die sie auf ihnen vergossen hatten. Kurzerhand kroch Daria zu ihr auf das Bett, zwängte sich so zwischen sie und die Wand, dass sie in derselben Haltung wie ihre Freundin dalag, auf die Seite gedreht und mit der Wange auf dem kopfkissen. Es gab keum Platz, deshalb mussten sie sich notgedrungen eng aneinanderquetschen. Unvermeidbar drückte sich Darias Brust gegen Malivas Rücken, und ihr Gesicht grub sich wie selbstverständlich in das leicht gewellte, hellbraune Haar. Damit war ihre Sicht auf das Buch in Malivas Händen nicht frei von Hindernissen, dennoch war ohne Schwierigkeiten zu erkennen, dass es ein anderes war als das, mit dem sie es sich am Abend zuvor hier gemütlich gemacht hatte. Es war deutlich dünner und der Einband war weiß, nicht schwarz.

»Das ist aber nicht das, das du gestern gelesen hast, oder?«, merkte sie folgerichtig an.

»Nein«, bestätigte Maliva und klappte das Buch zusammen, behielt jedoch den Finger an der Stelle, an der sie soeben unterbrochen worden war. »Das andere hab ich gerade zuende gelesen.«

»Und da hast du gleich das nächste angefangen?«

»Klar. Wenn ich gerade Lust habe zu lesen, aber mit einem Buch schon durch bin, was sollte ich sonst tun?«

Dem konnte Daria natürlich nicht widersprechen, auch wenn es ihr selbst nie so ergangen war. Sie hatte noch nie freiwillig ein ganzes Buch gelesen, höchsten für die Schule, und danach war sie immer froh gewesen, sich wieder mit etwas anderem befassen zu können. Trotzdem war ihre Neugier ungebrochen, zu erfahren, womit Maliva sich die Zeit vertrieb. »Und was liest du jetzt?«

»›Fahrenheit 451‹ von Ray Bradbury.«

»›Fahrenheit 451‹? Komischer Name. Worum geht’s denn da?«

»Na ja, es spielt in einer Zukunft, in der es verboten ist zu lesen, und die Feuerwehr nicht mehr dazu da ist, um Brände zu löschen, sondern um alle Bücher zu verbrennen, die sie finden. Einer dieser Feuerwehrmänner fragt sich dann aber, was an Büchern denn so schlimm sein soll und fängt an, ein paar davon zu lesen.«

»Hm-hm. Und dann?«

»Keine Ahnung, mehr verriet der Klappentext nicht.«

»Ist es denn gut?«

Maliva gab einen langgezogenen, nachdenkliche Laut von sich. »Das kan ich noch nicht so genau sagen, ich hab es je gerade erst angefangen, aber bisher hab ich nur Positives darüber gehört.«

»Hm-hm«, machte Daria wieder, selbst nicht sicher, was sie damit ausdrücken wollte. Sie wusste einfach nicht richtig, was sie davon halten sollte. Es klang nicht uninteressant, aber auch nicht nach etwas, das sie sich ausgesucht hätte, wenn sie denn schon hätte lesen müssen. Andererseits, wenn sie wirklich Malivas Wesen ergründen wollte, wäre es doch sehr viel zuträglicher, wenn sie dafür in etwas hineinfand, dessen Faszination sie nicht ganz nachvollziehen konnte.

So unbestimmt Darias Ton auch gewesen war, hörte Maliva die in ihm enthaltenen Empfindungen einigermaßen heraus. Es wa zumindest nicht zu bestreiten, dass ihm eine gewisse Anteilnahme zugrunde lag, was Maliva ein wenig aus dem Konzept brachte. Es war einige Zeit her, dass jemand wirklich mehr über sie erfahren wollte, was sie antrieb, was in ihr vorging, vor allem aber fiel ihr auf einmal auf, dass sie keine Ahnung hatte, was sie jetzt eigentlich zusammen mit Daria unternehmen sollte. Seit sie nach Grünberg gezogen waren, hatte sie keine einzige Freundin mehr gehabt, niemand hatte sie mehr bei sich Zuhause besucht, sodass sie beinahe schon vergessen hatte, wie man sich bei solchen Gelegenheiten verhielt. Wenn sie sich früher mit jemandem getroffen hatte, hatten sie meist gespielt, dass sie Pferde hätten, oder dass sie Feen wären, doch dafür war sie inzwischen eindeutig zu alt.

Ihr war auch bewusst, dass sie Daria nicht den Standard zu bieten hatte, den sie gewohnt war. Zwar hatte Maliva deren Zimmer nie persönlich gesehen, doch zweifelte sie in Anbetracht ihrer Freigiebigkeit und ihrer angeberischen Bemerkungen über Geschenke, die sie wieder einmal erhalten hatte, nicht daran, dass es voller Krimskrams war, den sie gar nicht brauchte, während sie selbst ohne jede überflüssige Annehmlichkeit auskommen musste. Natürlich hätte sie sich alles hexen können, was sie ihrer Meinung nach benötigte – obwohl ihr das ausdrücklich verboten war – doch das kam ihr nicht richtig vor, außerdem gab es im Grunde ohnehin nichts, dessen sie dringend bedurfte. Sie hatte eine Familie, die zu ihr stand, genug Taschengeld um immer ausreichend neue Bücher zum Lesen zu haben und mit Daria nun sogar ein Mädchen ihres Alters, dem sie sich anvertrauen konnte; was sollte sie sich mehr wünschen?

Neben der Schule, ihrem Hexenunterricht und ihren Aufgaben im Haushalt blieb ihr auch gar nicht viel Zeit, die sie sinnlos vertrödeln konnte. So hatte sie sich zwangsläufig auf das konzentriert, was ihr am meisten Spaß machte, und das war eben das Lesen. Dabei hatte sich ihre Liebe zu Büchern immer weiter vertieft, was zum Teil auch an Daria lag. Maliva hatte schon immer gerne gelesen, doch nachdem sie es nicht geschafft hatte, in Grünberg neuen Anschluss zu finden, hatte sie sich immer mehr in die Welt der Bücher zurückgezogen; eine Welt, in der sich niemand über sie lustig machte, in der niemand sie verletzen konnte und wo sie immer willkommen war.

So wie die Dinge lagen fiel ihr nur eine Möglichkeit ein, was sie Daria als Unterhaltung zur Verfügung stellen konnte. »Ähm, willst du es dann viellicht lesen?«, fragte sie und hielt ihr das Buch über die Schulter hinweg entgegen.

Daria überlegte einen Moment lang, schüttelte letztendlich aber den Kopf. Maliva hatte sich sichtlich darauf gefreut, dieses Buch zu lesen, da wäre es nur unfair gewesen, es ihr jetzt einfach wegzunehmen, nachdem sie es gerade angefangen hatte. Ganz unvermittelt überkam sie jedoch eine Idee, wie sie beide dieses Vergnügen teilen konnten. »Nein, das wäre doch ungerecht dir gegenüber«, erklärte sie ihre Beweggründe, »aber wie wäre es, wenn du es vorlesen würdest?«

»Ich soll das Buch vorlesen?«, vergewisserte Maliva sich beinahe erschrocken.

»Ja, warum nicht? So würden wir es praktisch gleichzeitig kriegen, und ich weiß ja aus der Schule, wie gut du vorlesen kannst.«

Unwillkürlich errötete Maliva ein wenig. »Meinst du?«, fragte sie skeptisch. Ihr war selbst schon aufgefallen, dass ihre Lehrer sie häufig aufriefen, wenn etwas vorgelesen werden sollte, hatte sich aber nie erklären können, woran das lag. Dass es damit zusammenhängen könnte, dass sie besonders gut darin wäre, hatte sie zumindest nicht vermutet. Sie war immer nervös gewesen, wenn sie laut vor der gesamten Klasse hatte sprechen müssen, hatte es doch auch oft genug in offenen Anfeindungen ihrer Person geendet, vor allem von Daria ausgehend, und sie war sich sicher gewesen, dass sich das auf ihre Leistung ausgewirkt hatte.

Daria schien das anders zu sehen. »Ja, das meine ich«, sagte sie voller Überzeugung. »Du hast eine schöne Stimme und machst das einfach gut. So melodisch und wie du die einzelnen Charaktere sprichst und so.«

»Wirklich?«, konnte Maliva nicht anders, als noch einmal ganz sicher zu gehen, dass es Daria ernst war, doch als die ihren Blick ohne jeden noch so leisen Zweifel erwiderte, willigte sie schließlich ein. »Na gut«, sagte sie un räusperte sich kaum hörbar. »Dann also ... ›Fahrenheit 451‹ von Ray Bradbury.« Noch immer befangen blätterte sie die wenigen Seiten zurück, die sie bisher gekommen war, dann begann sie vorzulesen: »›Erster Teil, Häuslicher Herd und Salamaner. Es war eine Lust, Feuer zu legen. Es war eine besondere Lust, zu sehen, wie etwas verzehrt wurde, wie es schwarz und zu etwas anderem wurde. Das Messingrohr in der Hand, die Mündung dieser mächtigen Schlange, die ihr giftiges Kerosin in die Welt hinausspie, fühlte er das Blut in seinen Schläfen pochen, und seine Hände waren die eines phantastischen Dirigenten, der eine Symphonie des Brennens und des Sengens aufführte, um die kärglichen Reste der Kulturgeschichte vollends auszutilgen.‹*«

Zunächst klang sie noch sehr verlegen, als müsste sie in der Öffentlichkeit ihre geheimsten Gefühle beichten, doch wurde ihre Stimme mit jedem Satz fester und volltönender. Nach und nach verlor Daria sich völlig in ihr. Der Stil und die Handlung des Romans erschufen zusammen mit Malivas Art, ihn vorzutragen, einen Sog, dem sie sich unmöglich entziehen konnte. So geschah etwas, das ihr noch nie passiert war, und mit dem sie auch nie gerechnet hätte: Sie genoss es, einfach still dazuliegen und einer Geschichte zu lauschen. Sie hatte kein Bedürfnis, irgendwohin zu gehen oder sich anderweitig abzulenken, für den Moment gab es für sie nichts Schöneres als sich an Maliva zu klammern und ihr zuzuhören, wie sie las.

Auf diese Weise verbrachten sie fast den ganzen Tag miteinander. Als es Maliva schwer zu fallen begann weiterzulesen, übernahm Daria für sie, und abwechselnd lasen sie sich immer weiter vor, ohne Hunger oder sonst einen Wunsch zu verspüren, so wie es Maliva immer erging, wenn sie in die Welt eines Buches eintauchte. Das einzige, was für sie beide zählte, war die Nähe der jeweils anderen und das unentrinnbare Abgleiten in den Lauf der Erzählung, die sich vor ihren inneren Augen entfaltete.

Keine von ihnen merkte, wie die Zeit verging. Bis zum frühen Nachmittag hatten sie das Buch beendet, und sie gingen hinunter in die Küche, um das Mittagessen nachzuholen, das sie verpasst hatten. Danach fragte Maliva, was sie als nächstes tun sollten. Am liebsten hätte sie genau dort weitergemacht, wo sie aufgehört hatten; es war wundervoll gewesen, gemeinsam mit Daria einen ganzen Roman am Stück durchzulesen, doch war es natürlich unabdingbar, sich auf etwas zu einigen, das ihnen beiden zusagte. Zu ihrem Erstaunen schien Daria die Gestaltung ihres Vormittags aber ebenso gefallen zu haben wie ihr. Ohne lange zu überlegen schlug sie vor, mit ihrer bisherigen Beschäftigung fortzufahren, und sich dabei nun Malivas Lieblinsgsbuch zu widmen.

Damit war Maliva natürlich sofort einverstanden, auch wenn sie das vor ein kleineres Problem stellte: Es gab unzählige Bücher, die sie von ganzem Herzen verehrte, doch hatte sie sich nie Gedanken darüber gemacht, welches von ihnen ihr am meisten bedeutete. Als sie jetzt zum ersten Mal darüber nachdachte, war die Entscheidung aber schnell getroffen. So viele großartige Bücher sie schon hatte lesen dürfen, eines hatte sie noch mehr bewegt als die übrigen und zwar ›Die Hyperion-Gesänge‹ von Dan Simmons. Der Detailreichtum, die Fülle an extravaganter Ideen und nicht zuletzt der unübersehbare Subtext des Buches hatten sie unweigerlich in seinen Bann geschlagen. Eigentlich war es gar nicht lange her, dass sie es gelesen hatte, dennoch hatte sie nichts dagegen, es noch einmal von vorn anzufangen, besonders wenn Daria danach verlangte.

Also gingen sie wieder nach oben, legten sich dicht aneinandergedrängt auf das Bett und lasen ›Die Hyperion-Gesänge‹. Wer dieses Buch kennt, kann sicherlich erahnen, dass sie damit nicht annähernd so schnell durchkamen wie mit ›Fahrenheit 451‹, es war immerhin in etwa sechsmal so lang. Dementsprechend waren sie erst am Ende des ersten Viertels angelangt, als es unvermutet an der Tür klopfte. Erst jetzt, als sie so aus dieser fernen, fremdartigen Welt gerissen wurden, bemerkten die Mädchen, dass sich der Tag inzwischen dem Abend zuneigte. Es war noch nicht dunkel geworden, doch hatte das Licht bereits die golden schimmernde Färbung des nahenden Sonnenuntergangs angenommen.

Blinzelnd blickte Maliva von den aufgeschlagenen Seiten auf, die sie bis eben so gefangengenommen hatten. »Herein«, rief sie in Richtung ihrer Zimmertür.

Als die langsam aufschwang, erschien der Kopf ihrer Mutter darin, die vorsichtig in den Raum hineinlugte. »Ähm, würdet ihr bitte für einen Moment nach unten kommen?«, fragte sie zögerlich. »Darias Eltern sind da.«

»Mei-meine Eltern?«, entfuhr es Daria.

Frau Amantă nickte, dann zog sie sich zurück, die Tür einen Spalt offen stehen lassend.

Ratlos sah Daria Maliva an. »Was wollen die denn hier? Woher wissen sie überhaupt, dass ich hier bin?«

»Tja, ich schätze, das werden wir gleich erfahren.« Seufzend erhob Maliva sich und gemeinsam stiegen sie die Treppe hinab. Es vwar abzusehen, dass die zwei Familien im Wohnzimmer aufeinandertreffen würden, doc hauch wenn das nicht offensichtlich gewesen wäre, hätten ihre Töchter automatisch dorthin gefunden. Die Tür war nur angelehnt und die leisen Dialogfetzen belanglos ausgetauschter Höflichkeitsfloskeln drang zu ihnen hinaus. Nacheinander traten sie ein, wobei Daria sich unmittelbar hinter ihrer Freundin hielt, als wole sie sich in ihrem Schutz verstecken.

Doch sobald ihre Mutter sie sah, sprang sie auf, rannte auf Daria zu und schlang die Arme um sie. »Daria! Wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht!«, rief sie, den Kopf an ihre Schulter gedrückt.

»Ach ja?«, erwiderte Daria ungerührt.

»Aber ja!«, sagte Frau Kronenberg, diesmal mit einer Spur Bestürzung in ihrer von Erleichterung erfüllten Stimme. »Warum bist du denn nur weggelaufen?«

»Na ja, ich hatte nicht den Eindruck, dass ich noch länger erwünscht gewesen wäre.«

»Aber was redest du denn da? Du musst doch wissen, dass wir dich immer lieben! Ich war nur überrascht, als ich gesehen habe, dass du ...« Beschämt brach Frau Kronenberg ab, als ihr einfiel, dass sie nicht unter sich waren.

»Sie wissen bescheid«, beruhigte Daria sie mit einem Wink, der den ganzen Raum einschloss. Jeder in diesem Zimmer kannte ihre Misere: Maliva, die neben ihr stand, deren Mutter und Großmutter, ihre eigene Mutter, die vor ihr kniete, und mittlerweile wohl auch ihr Vater, der auf dem Sofa neben Frau Amantă Platz genommen hatte. Ihre Mutter machte ein Gesciht als wäre ihr nicht wohl bei dem Gedanken, dass bereits so viele Menschen in dieses Geheimnis eingeweiht waren, sagte aber nichts weiter dazu.

»Dann stimmt es also?«, fragte ihr Vater stattdessen. »Du hast wirklich eine Geschlechtsumwandlung machen lassen?«

Das dachten ihre Eltern also, dass sie durch einen chirurgischen Eingriff zu ihrem ungewohnten Penis gekommen war. Daria beschloß, sie in diesem Glauben zu lassen, das war zumindest einfacher, als ihnen die Wahrheit erklären zu müssen. Demzufolge nickte sie bloß, als sie das nicht nur ein grotesker Fluch, den vorerst niemand von ihr nehmen konnte. Sie musste ja noch einige Zeit mit ihm leben, und eine bessere Ausrede würde sich wohl kaum finden lassen.

»Aber wer hat das denn gemacht?«, hakte ihr Vater nach. »So eine Operation darf an Minderjährigen doch gar nicht vorgenommen werden.«

Eine unbehagliche Stille breitete sich aus, als niemand ihm mitteilen wollte, dass es genau genommen die Schuld der jugendlichen Hexe war, an die sich in diesem Moment seine Tochter so fest klammerte, als würde sie sie davor bewahren wollen, dass sie dafür verantwortlich gemacht würde. Maliva war der Meinung, dass diese unwillkürliche Geste auffällig genug war, um Darias Eltern zu der unter anderen Umständen völlig absurden Überzeugung gelangen zu lassen, dass sie tatsächlich etwas damit zu tun hatte, doch konnte sie es ohnehin nicht zulassen, dass jemand anders für ihre Taten würde büßen müssen.

»Äh, Herr Kronenberg, Frau Kronenberg ...«, begann sie unsicher, »es ist so, dass ...« Sie verstummte, als sie nicht wusste, wie sie fortfahren sollte, doch bevor ihr die richtigen Worte einfielen, sprach Daria für sie weiter.

»Es war ein Arzt, den ihr nicht kennt. Er war hier nur auf der Durcureise und ich hab ihn ganz zufällig getroffen. Wir kamen ins Gespräch und ich hab ihm dann erzählt, dass ich ...«, sie stockte, sah mit einem Seitenblick zu Maliva hinüber und zuckte schließlich mit den Schultern, »na ja, dass ich eben schon lange eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen wollte.« Das war keine beosnders gute Lüge, das war ihr selbst bewusst, aber damit würde sie ebenso wie ihre Eltern zurechtkommen müssen. Etwas Glaubwürdigerers fiel ihr so kurzfristig nicht ein und sie würde bei dieser Geschichte bleiben, komme was wolle.

»Und, äh, was willst du jetzt machen?«, fragte ihr Vater etwas verlegen. »Dazu gehört doch noch mehr. Dann musst du dich ja erst mal einer Hormontherapie unterziehen. Und die Haare solltest du dir vielleicht auch schneiden lassen.«

»Nein, ich lass es einfach so. Ich bin zufrieden, so wie es ist.« Noch während sie diese eigentlich nicht ganz ernst gemeinte Bemerkung von sich gab, fiel ihr plötzlich auf, wie sehr sie stimmte. Seit ihr Schritt dermaßen entartet war, hatte sie ihren Schwanz einzig als Heimsuchung empfunden. Obwohl diese Verwandlung erstaunlich schnell zu ihren ersten sexuellen Erfahrungen überhaupt geführt hatte, war er für sie eine Last geblieben, etwas Obszönes und Schmutziges, mit dem sie den Kontakt auf ein Minimum reduzierte, doch im Grund hatte sich damit ja nichts geändert. War ihr nicht von klein auf beigebracht worden, dass man sein Geschlecht stets verhüllt halten musste, dass man sich dort unten nicht berührte und dass, falls es doch einmal unumgänglich gewesen war, sich danach die Hände zu waschen hatte?

Diese Regeln hatte sie wohl alle überschritten, mehr noch, sie hatte sie sogar weit hinter sich gelassen und hatte letztendlich in voller Geschwindigkeit jegliche moralischen Grenzen durchbrochen. Innerhalb der vergangenen beiden Tagen hatte sie mit zwei Mädchen und einem Jungen geschlafen, hatte masturbiert indem sie an ihrem Anus herumgespielt hatte und erst vor ein paar Stunden hatte sie Maliva die Zunge in den Arsch gesteckt. Am schlimmsten war jedoch, wie sehr sie das alles erregt hatte, und auch wenn sie nichts davon hatte tun können, ohne dass sich Schuldgefühle in ihr regten, befeuerte dieser Umstand ihre Lust nur noch mehr. Irgendein unbewusster Teil von ihr mochte das offenbar, und er erging sich geradezu in diesem absurden Gemisch aus Scham und Ekstase.

Doch ob es nun verkehrt war oder nicht, sie kam jedenfalls nicht umhin, sich einzugestehen, dass sie Gefallen an ihrem neugestalteten Intimbereich gefunden hatte und den Umwälzungen, die mit ihm einhergegangen waren. Ohne ihn hätte sie ihre Entjungferung Daniel überlassen, jemandem, der diesem Geschenk gar nicht würdig war, und sie hätte sich nie mit Maliva eingelassen, von der sie sich jetzt kaum noch zu trennen vermochte, selbst wenn sie es mit aller Kraft versucht hätte. In gewisser Weise fürchtete sie sich sogar vor der Aufhebung des Fluchs, der auf ihr lastete. Sie war ebenso in Verzückung geraten, es Maliva besorgen zu dürfen, wie auch sich deren Begierden zu unterwerfen, und nun waren sie darin übereingekommen, sich diesen Freuden regelmäßig hinzugeben, wann immer es eine von ihnen nötig hatte, aber wie sähe es mit dieser Vereinbarung aus, wenn ihre vorübergehende Abnormität erst einmal rückgängig gemacht worden wäre? Hätte sie dann immer noch Bestand? Und falls dem so war, wie würden sie dann dabei vorgehen? Würden sie sich gegenseitig die Mösen lecken?

Das war für Daria nur schwer vorstellbar. Dass Maliva lesbisch war, und ihr das so wahrscheinlich leichter fiel, als einen Penis in den Mund zu nehmen, war ihr klar, doch sie selbst war sich ihrer Gefühle nicht so sicher. Der Gedanke löste eine tiefe Sehnsucht in ihr aus, aber sobald sie sich ihm näher zuwenden wollte, errötete sie und ihr Herz schien in Flammen aufzugehen. Eine sengende Hitze breitete sich in ihrer Brust aus, die zwar eigentlich angenehm war, aber doch mit einem Brennen an ihr nagte, wie von einem Feuer, das in ihrem Inneren emporzüngelte. Sie wusste nicht, in welcher Hinsicht sich das äußern sollte, aber die Bedeutung dieses metaphorischen Bildnisses ließ sich nicht leugnen: Das Spiel mit dem Feuer war gefährlich und die gewagte Vorstellung, Malivas aufreizenden Schlitz zu küssen, nicht weniger, so sehr sie sich auch dazu verleitet fühlte.

So oder so, sie war zumindest froh, welch abwegige Pfade ihr Schicksal eingeschlagen hatte.

Ihr Vater dagegen konnte diese Ansicht offenbar nicht nachvollziehen. »Aha«, machte er nur mit einem verständnislosen Gesichtsausdruck. Einen Augenblick lang schwieg er nachdenklich, dann legte sich seine Stirn in Falten. »Sag mal, wie heißt denn dieser Arzt eigentlich, der dich ... hm, behandelt hat?«

Am Rande der Panik durchsuchte Daria ihr Gedächtnis nach einem Namen, mit dem ihre Eltern nichts anfangen konnten. »Äh ... Daniel Gleisner«, nannte sie schließlich den ersten Namen, der ihr einfiel und dem sie durchaus etwas Ärger an den Hals wünschte. Natürlich durfte ihr Vater ihn nicht wirklich finden, dann würde er nicht nur heausfinden, dass sie gelogen hatte, sondern auch dass er eigentlich ihr Freund gewesen war, aber zum Glück würde es wohl kaum dazu kommen. Immerhin hatte sie erzählt, dass dieser ›Arzt‹ nur kurz hier gewesen war, und sollte sie irgendwann einmal gefragt werden, woher er kam, würde sie sagen, dass sie das nicht wüsste. Für den Moment jedoch reichte Herrn Kronenberg diese Antwort. Er schien vollauf damit zufrieden zu sein, bald denjenigen unter Anklage stellen zu können, der seine Tochter seiner Auffassung nach so verschandelt hatte. Er war einfach glücklich, jemanden zu haben, auf den er wütend sein konnte, jemanden, auf den er seinen ganzen Ärger über diese Situation richten konnte, ob er auch wirklich etwas dafür konnte, war wohl eher zweitrangig.

Daria war nicht ganz klar, was er sich davon versprach. War es nicht ihr Körper und ihr Leben? Warum sollte es irgendjemanden etwas angehen, was sie damit anstellte, nur weil sie ein bestimmtes Alter noch nicht erreicht hatte? Aber so lange das bedeutete, dass niemand sie selbst oder Maliva dafür verantwortlich machte, sollte ihr das egal sein. Sie hatte vielmehr erwartet, angeschrien und ein weiteres Mal verstoßen zu werden, da war das Unverständnis und die daran erwachsende Ablehnung ihrer angeblichen Entscheidung das deutlich geringere Übel. Trotzdem hätte sie auch das auf sich genommen, nur um zu verheimlichen, wer die tatsächliche Ursache für ihre neugeschaffene Physiognomie war. Sie mochte sich gar nicht vorstellen, wie ihre Eltern reagieren würden, wenn sie erführen, dass Maliva das einzige Kind, das ihnen noch verblieben war, verhext hatte. Auf keinen Fall wollte Daria, dass sie noch einmal ihretwegen litt. Sie war ihre Retterin, die Einzige, an die sie sich noch hatte wenden können, als alle anderen sie abgewiesen hatten. Lieber nahm sie die Schuld auf sich, um sie zu schützen, sollte es auch endgültig dazu führen, dass sie aus dem Schoß der Familie vertrieben wurde. Sie fühlte sich ohnehin, als habe sie keine Heimat mehr. Sie hatte ihren Platz in der Welt offenbar verloren; ihre Eltern duldeten sie höchstens noch – selbst das würde sich erst noch zeigen müssen – und sie konnte sich auch nicht einfach Maliva aufdrängen. Was also blieb ihr noch? Wo gehörte sie hin?

Diese Frage musste vorerst unbeantwortet bleiben, doch bot die Stille, die sich ihrer Erklärung angeschlossen hatte, Gelegenheit, eine weitere zu stellen: »Woher wisst ihr eigentlich, wo ich bin?«

»Oh«, sagte ihre Mutter, die noch immer vor ihr kniete, die Hände nun aber nur noch lose um ihre Hüften gelegt, ohne sie so fest an sich zu drücken wie bei ihrem einnehmenden Wiedersehen, »Frau Amantă hat uns angerufen, kurz nachdem du gestern ... gegangen bist.«

»Kurz nachdem ich gegangen bin ...?«, murmelte Daria vor sich hin. Was sollte das bedeuten? Als sie ihr Zuhause verlassen hatte, hatte sie erst noch Theresa aufgesucht, um bei ihr Zuflucht zu finden, und danach war sie noch eine ganze Zeit durch die Stadt geirrt, bevor sie zufällig bei Maliva gelandet war, und bis sich herausgestellt hatte, dass sie ihre eigene Verwünschung nicht so ohne weiteres wieder aufheben konnte, hatte es ebenfalls noch ein wenig gedauert, wann war also dieser Anruf erfolgt? Als klar wurde, dass Daria die Nacht hier verbringen würde? Als sie eingetroffen war und sich mit Maliva ausgesprochen hatte? Oder noch früher, als sie erst auf dem Weg hierher war?

Das gedankenversunkene Wiederholen der Worte ihrer Mutter erweckte jedoch aufseiten Malivas Großmutter anscheinend den Eindruck einer Beschwerde. »Entschuldige, mein Kind«, sagte die alte Wahrsagerin in ihrem unüberhörbaren rumänischen Akzent, »ich musste das einfach tun. Alle Eltern machen sich Sorgen um ihre Kinder, wenn sie nicht wissen, wo sie sind. Ich musste ihnen wenigstens mitteilen, dass du in Sicherheit bist und es dir gut geht, habe sie aber gebeten, erst heute vorbeizukommen, weil es ganz so aussah, als ... nun, würdest du etwas Abstand zu allem benötigen. Wenn du älter bist, wirst du verstehen, warum es nicht anders ging.«

Das verstand Daria allerdings bereits jetzt. Sie wäre vor Angst doch selbst beinahe wahnsinnig geworden, wäre plötzlich jemand verschwunden, der ihr nahe stand. »Schon gut«, beschwichtigte sie Maleva ruhig, »ich bin ja froh darüber.« Dem war tatsächlich so. Zwar wusste sie nicht genau, wie sie ihren Eltern jetzt begegnen sollte – es war, als hätte sie ein Stück weit das Vertrauen in sie verloren, ebenso wie in jede andere Form einer natürlichen Ordnung, an die sie je geglaubt hatte – dennoch war es beruhigend, wieder mit ihnen vereint zu sein. Mit ihnen schien ein Hauch der Beständigkeit ihres früheren Lebens zurückzukehren.

»Na siehst du?«, sagte ihre Mutter sanft. »Und wir sind froh, dass du wieder bei uns bist. Also, ich denke, es ist das Beste, wir gehen erst einmal nach Hause und vergessen das Ganze. Wir können uns ja später noch überlegen, was sich da noch machen lässt, aber vorher machen wir uns einfach einen schönen Familienabend, so wie früher. Was hältst du davon? Wir setzen uns zusammen und holen eines der alten Spiele raus, was immer du willst. Monopoly oder Trivial Pursuit. Oder wie wäre es mit einem Kartenspiel?«

Als Lena noch gelebt hatte, hatten sie das so gut wie jeden Freitagabend getan, und obwohl Daria sich oft lieber mit Freundinnen getroffen hätte, hatte es ihr doch immer viel Spaß gemacht. Nach dem Tod ihrer Schwester war diese Tradition jedoch im Sande verlaufen, zum einen weil ihre Eltern viel zu tun gehabt hatten mit den Vorbereitungen zur Beerdigung, dem Beantworten der Beileidsbekundungen und den unvermeidlichen Behördengängen, zum anderen weil niemand mit diesen Erinnerungen konfrontiert werden wollte. Dazu waren sie noch zu lebendig und zu schmerzlich. Auch jetzt traten Daria die Tränen in die Augen, doch schaffte sie es, sie so weit im Zaum zu halten, dass sie nicht vollends aus ihr hervorbrachen. Das lag aber nur zum Teil an der Trauer, die jedes Auftauchen Lenas in ihren Gedanken begleitete, sondern vor allem an dem Vorschlag selbst, den Frau Kronenberg da machte. Er verhieß die Heimkunft in ein Leben, das sie bereits verloren geglaubt hatte; ein Leben, in dem der Tod geliebter Angehöriger noch keine grausige Realität war, die sie selbst betreffen könnte, in dem unabänderliche Wahrheiten herrschten und das festen Gesetzmäßigkeiten folgte. Ein Leben, in dem ihr Körper keine unvorhergesehenen Metamorphosen durchlief und in dem ihre Gefühle so eindeutig wie allgemein anerkannt waren.

»Wollt ihr das denn wirklich?«, fragte sie, ihre Stimme heiser von der Anstrengung, das wahre Ausmaß ihrer verwirrenden, sich einander widersprechenden Emotionen zu verbergen. »Dass ich nach Hause komme? Dass alles wieder so wird wie früher, obwohl ich so bin, wie ich jetzt bin?«

Der Griff ihrer Mutter um ihre Taille verstärkte sich, als befürchte sie, Daria würde noch einmal vor ihr davonlaufen. »Ach, Schatz, ich dachte, das hätten wir schon geklärt. Wir werden dich immer lieben, auch wenn wir vielleicht nicht mit allen deinen Entscheidungen einverstanden sind.«

Nun konnte Daria nicht länger an sich halten. Zwar bewahrte sie so weit die Kontrolle über sich, dass sie die Tränen daran hindern konnte, aus ihr hervorzubrechen, doch fiel sie ihrer Mutter um den Hals und schloss sie fest in die Arme. »Ich liebe euch auch!«, rief sie, erzitternd von einem unterdückten Schluchzen.

Eine Weile war in dem Raum nichts anderes zu hören als das Ticken einer alten Uhr, die auf einem hohen, aber schmalen Tischchen neben der Couch stand, während alle Anwesenden diese versöhnliche Umarmung in gebührendem Schweigen beobachteten, bis Herr Kronenberg sich schließlich erhob, die Augen nicht weniger feucht als die seiner Frau und seiner Tochter. Leise, wie um sie nicht aufzuschrecken, trat er zu ihnen hinüber und breitete seine Arme um beide zugleich aus, als wäre er ein Vogel, der seine Flügel schützend um die gerade geschlüpften Küken legte.

Versunken in dieser wiedererlangte Verbundenheit fiel es der gesamten Familie schwer, sich voneinander zu lösen, doch irgendwann hob Frau Kronenberg den Kopf und blickte Daria voller Zärtlichkeit an. »Also, was sagst du? Kommst du mit?«

Daria schniefte noch einmal kurz, bevor sie ebenfalls aufsah und wischte sich schnell mit dem Handrücken über die Augen, um das Glitzern zu vertreiben, das die beinahe vergossenen Tränen in ihnen hinterlassen hatte. Das war ihre Chance. Sie brauchte nur zu nicken, egal wie angedeutet es auch bleiben mochte, und schon konnte sie all dem den Rücken kehren. Maliva hatte bereits versprochen, ihren Fluch aufzuheben, sobald sie dazu in der Lage war, Daria war ihr gegenüber zu nichts mehr verpflichtet. Sie könnte einfach wieder nach Hause gehen und so weiterleben wie bisher. Bald würde alles so sein wie zuvor; ihr Schwanz wäre verschwunden und alle würden se verehren, sie würde wieder wie eine Königin über die Schule herrschen und so tun, als wäre nichts von dem hier je passiert.

Aber sie wusste, dass das der falsche Weg war. Natürlich würde sie zu ihren Eltern heimkehren, das war unvermeidlich. Daria liebte sie ebenso wie ihre Eltern sie liebten, außerdem  konnte sie nicht einfach für immer bei Maliva bleiben und erwarten, dass sie sie versorgte. Trotzdem hatte das ihr Widerfahrene sie nicht unverändert gelassen. Sie wusste nun, was es hieß, nicht so zu sein wie die anderen, wie es sich anfühlte ausgeschlossen zu werden und wie es war, wenn man sich auf niemanden mehr verlassen konnte. Sie würde sich jedenfall nie mehr über Menschen lustig machen, denen es so erging, sie würde versuchen, Verständnis für sie aufzubringen, immerhin konnte sich niemand aussuchen, wie er geboren worden war, mit welchen Stärken und Schwächen, wie er aussah oder welche Vorlieben er hatte.

Darüber hinaus ging ihr jetzt aber noch etwas anderes auf. Bisher hatte für sie der Begriff Heimat immer einen Ort bezeichnet, das Haus ihrer Eltern, die Stadt, in der sie wohnte, eben den Platz, an den sie gehörte, doch das war ein Fehlschluss gewesen. Es gab keinen bestimmten Ort, an den sie oder irgendjemand anders gehörte, ihre Heimat war immer dort, wo sie willkommen war, wo es Menschen gab, denen sie etwas bedeutete und zu denen sie sich hingezogen fühlte. Das hätte wohl in erster Linie ihre Familie sein sollen, dennoch kam es ihr vor, als würde ihr das Herz aus der Brust gerissen bei dem Gedanken, nun Maliva verlassen zu müssen. Ihr war klar, dass sie sich nicht ewig an sie klammern konnte, aber ein Leben ohne sie war für Daria einfach undenkbar geworden. Selbst wenn es nur für kurze Zeit war, bis sie sich am Montag in der Schule wiedersehen würden, kam es ihr unerträglich vor, von Maliva getrennt zu sein.

»Natürlich komme ich mit«, erklärte sie in einem fast schon entschuldigenden Tonfall, »aber ... heute Nacht würde ich gern noch hier bleiben, wenn ich darf.«

Frau Kronenbergs erste Reaktion war eher Überraschung als Enttäuschung, wie jemand, der sich von einer unerwartet gestellten Aufgabe überfordert sieht und nicht weiß, wie er sie angehen soll. Zwar schwand ihr Lächeln ein wenig, doch blieb der warme Ausdruck in ihrem Gesicht. »Nun ...«, fragend drehte sie sich Malivas Mutter zu, die auf dem Sofa hinter ihr saß, »wenn Frau Amantă nichts dagegen hat ...«

»Aber natürlich nicht«, sagte die sofort. »Es ist ja noch alles vorbereitet und Maliva wird sich bestimmt freuen, wenn die zwei noch etwas länger zusammen sein können.«

»Dann spricht wohl nichts dagegen«, wandte Frau Kronenberg sich wieder ihrer Tochter zu.

»Danke, Mama, danke, Papa.« Erleichtert, dass sie ihr diesen Wunsch nicht übel nahmen, küsste Daria ihre Eltern flüchtig auf die Wange – etwas, das sie schon seit Jahren nicht mehr getan hatte, ihr in diesem Moment aber nur angemessen erschien – dann löste sie sich vorsichtig aus ihrer Umarmung, ging zu Maliva hinüber, die ein paar Schritte netfernt gewartet hatte, griff nach ihrer Hand und zog sie zur Tür. »Dann gehen wir schon mal wieder nach oben. Tschüss!«

Daria kümmerte sich nicht darum, dass die Erwachsenen ihnen verwirrt nachsahen. Sie wollte einfach so schnell wie möglich alleine mit Maliva sein, ohne sich dafür zu entschuldigen oder das erklären zu müssen. Sie hatte ohnehin keine Ahnung, warum ihr das so wichtig war. Eigentlich gab es keinen Grund dazu; sie konnte ihre Gesellschaft ebenso gut genießen, wenn noch andere zugegen waren und sie hatte auch gar nicht vor, irgendetwas zu tun, bei dem Zuschauer unerwünscht waren. Ihr Begehren war nicht sexueller Natur, sie verzehrte sich einfach mit ihrem gesamten Wesen danach, sich an ihre Vertraute zu kuscheln und gemeinsam mit ihr das Buch weiterzulesen, das sie begonnen hatten. Das war für Daria fast schon zu einem Symbol ihrer Zusammengehörigkeit geworden. Was Außenstehende wahrscheinlich nicht verstehen würden, so wie sie selbst es früher nicht verstanden hätte, fesselte sie beide nur umso fester aneinander.

Trotzdem lockerte sie ihren Griff um Malivas Hand nicht, und das ließ die junge Hexe geradezu erbeben. Es war nichts anderes als berauschend, auf diese Weise mit Daria Händchen zu halten. So seltsam es auch klang, löste das in Maliva ein ungeheures Gefühl von Nähe aus, mehr noch als die eigentlich sehr viel intimeren Aktivitäten, mit denen sie sich in letzter Zeit ihr Beisammensein versüßt hatten. Sie hatten ausgiebig sämtliche ihrer Körperöffnungen ausgekundschaftet, doch das einzige, bei dem sie genauso empfunden hatte, war, als sie ihre Kuss ausgetauscht hatten. Andererseits war das nur aus Geilheit geschehen und dazu brauchte es nun einmal keine höhere Bindung. Deshalb hatte Maliva ja auch den Vorschlag gemacht, das zu wiederholen, wann immer ihnen der Sinn danach stand. Sie waren Freundinnen und fanden einander attraktiv, warum sollten sie sich also versagen, wonach ihre Körper dürsteten? Es war wie Daria gesagt hatte, sich zu küssen oder eben an den Händen zu halten war hingegen Ausdruck einer völlig andersgearteten Zuneigung, der absoluten Hingabe, und das war ein Bereich, in dem Maliva keinerlei Erfahrung besaß. Ihr war, als würde alles verschwimmen, die Sicht vor ihren Augen ebenso wie ihr Geist. Sie war aufgeregt, ein wenig ängstlich aber auch unendlich hingerissen.

Dementsprechend hatte sie Mühe, sich zu konzentrieren, dennoch ging ihr eine Frage nicht aus dem Kopf. Mitten auf dem Treppenabsatz blieb sie plötzlich stehen, hielt Daria an der Hand zurück und sah ihr eindringlich in die Augen. »Warum hast du das getan? Warum hast du deinen Eltern nicht erzählt, dass ich an dem Ganzen Schuld bin und hast alles auf dich genommen? Warum hast du mich gerettet?«

»Du hast mich zuerst gerettet«, erinnerte Daria sie. »Ich war es dir einfach schuldig. Wenn du nicht gewesen wärst, würde ich immer noch auf der Straße sitzen und mich fragen, wo ich hin soll.«

»Wenn ich nicht gewesen wäre, hättest du dieses Problem gar nicht erst gehabt.«

»Ach hör schon auf«, winkte Daria ab. »Wir haben beide unsere Fehler gemacht und uns dafür auch schon entschuldigt. Und ich meine, du hast ja alles dafür gegeben, es wiedergutzumachen.« Ein anzügliches Grinsen umspielte ihre Mundwinkel und im Zuge dieser Ausgelassenheit drängte sich ihr unvermeidlich eine weitere Bemerkung auf: »Außerdem kann ich dir gar nicht böse sein. Ich ...« Erst im allerletzten Augenblick gelang es Daria, sich zurückzuhalten. Schon zum zweiten Mal hatte ihr das Undenkbare über die Lippen kommen wollen, als sie nur für einen kurzen Moment nicht richtig aufgepasst hatte, nämlich die drei simplen Worte ›Ich liebe dich‹. Doch das war natürlich nach wie vor ausgeschlossen. Was war nur los mit ihr? Jedes Mal, wenn sie in sich selbst versank, überkam sie die unbegreifliche Anwandlung, sich Maliva auf diese Weise zu offenbaren. Auch wenn das nichts war, was sie nicht schon einmal gesagt hätte, ihren Eltern und Daniel hatte sie diesen Umstand immerhin schon oft versichert, aber darüber, diese Gunst so unbedacht zu vergeben, war sie mittlerweile hinaus. Sie hatte nie an eine besondere Kraft der Liebe geglaubt, wie die Kunst sie ihr offenbar zusprach; Anzeichen, die auf ihre Existenz hindeuten sollten wie Herzrasen, unerklärliche Schwindelanfälle, das Wohlergehen eines anderen über das eigene zu stellen oder der Wunsch, immer bei dieser Person zu bleiben, klangen für sie mehr nach den Sypmptomen einer Psychose, doch seit gestern war sie sich da nicht mehr so sicher.

Maliva hatte ihr in mehr als einer Hinsicht die Augen geöffnet. Daria war schon immer überzeugt gewesen, dass irgendeine verborgene, unterschwellige Energie das Universum durchzog, doch erst mit dem schemenhaften Einblick in die geheimen Mechanismen des Kosmos, den Maliva ihr gewährt hatte, war ihr zumindest eine ungefähre Vorstellung davon zuteil geworden, wie die beschaffen sein mochte. Das unvermutete Verständnis, das die Hexenschülerin in Bezug auf ihre Fähigkeiten hatte, zeigte Daria, dass es keinen Unterschied machte, wie man die Wunder der Welt interpretierte, ob als Magie, göttliches Wirken oder die unumstößlichen Gesetze der Wissenschaft, wenn in den unendlichen Weiten Platz für sie war, konnte es jedenfalls alles geben – auch eine Liebe, die alle Grenzen überwand und nicht nur auf bloßer Anziehung beruhte.

Eigentlich hatte ihre Beziehung zu Daniel nicht einmal die Stufe dieser reinen Körperlichkeit erreicht. Daria hatte ihn attraktiv gefunden, weil sie wusste, dass sein Äußeres den gängigen Schönheitsidealen entsprach, sie selbst hatte sich nie viel aus seinen markanten Gesichtszügen, den breiten Schultern und den muskulösen Unterarmen gemacht. Wenn sie andere für ihre Schönheit bewundert hatte, waren es ausschließlich Mädchen gewesen, aber das hatte sie nie als bedenklich angesehen. Für sie war es mehr eine Art wohlgesonnener Neid gewesen, den sie ihnen entgegenbrachte. Außerdem hatte sie inzwischen lernen müssen, dass Daniels Gerede von seiner unsterblichen Liebe nur leere Versprechungen waren. Obwohl er immer behauptet hatte, dass nichts sie je trennen könnte, hatte er sie bei dem ersten Hindernis, das sich ihnen in den Weg stellte, verlassen, aber selbstverständlich nicht, ohne sich noch vorher schnell in ihrem Hinterteil zu erleichtern. So etwas wollte Daria nie wieder erleben. Das nächste Mal, wenn sie ein solches Geständnis machte, sollte es in allen Belangen ernst gemeint sein und ohne jede Einschränkung gelten.

Und das konnte jetzt doch unmöglich der Fall sein, oder? Konnte sie sich wirklich in Maliva verliebt haben? Aber worauf hätte das Gefühlschaos, in dem sie gefangen war, sonst hinweisen sollen? So sehr es sie auch bestürzte, bei ihr traten alle Obskuritäten eines in Liebe entflammten Herzens auf, die sie bisher immer als romantische Idealisierungen abgetan hatte: jeder Augenblick, den sie nicht gemeinsam mit Maliva verbrachte, fühlte sich an, als würde ihr Brustkorb von Tausenden glühenden Nadeln durchbohrt, für sie hätte Daria alles getan, nur um in die Belohnung ihres niedlichen Lächelns zu kommen und wenn sie sie nur ansah, war ihr, als wäre die ganze Welt in Ordnung und als könnte nichts ihr irgendetwas anhaben. Wahrscheinlich wäre sie sogar in ein Becken voller ausgehungerter Haie gesprungen, wenn das eine Bedingung gewesen wäre, Maliva glücklich zu machen.

Doch wie hatte sic hdas so unerwartet entwickeln können? Ohne dass sie selbst es überhaupt bemerkt hätte, hatte sie immer mehr für Maliva empfunden, je mehr sie über sie erfahren hatte, bis sie an einen Punkt angelangt war, an dem sie ihr das Wichtigste in der Welt erschien. Oder war sie vielleicht nur endlich so weit, sich genau das einzugestehen, was schon lange in ihr geschwelt hatte? Ihr war doch schon immer klar gewesen, wie nett Maliva war, wie bereitwillig sie anderen half und wie sehr sie sich für die einsetzte, denen Ungerechtigkeit widerfahren war, außerdem war ihr natürlich ihre unübersehbare Schönheit nicht entgangen, war es da nicht möglich, dass es insgeheim ihr Wunsch gewesen war, mit ihr zusammenzukommen, sie es aber einfach nicht wahrhaben wollte? Andererseits war diese Freundlichkeit vorher nichts gewesen, das Daria besonders an ihr gefallen hätte. Die Außenseiter der Schule waren dort, wo sie eben waren, weil sie sie dorthin verbannt hatte, und Malivas Bedürfnis, ihnen beizustehen, war ein Verstoß gegen eine Ordnung, die Daria für unantastbar gehalten hatte. Erst als sie selbst ihren erhabenen Status verloren hatte, hatte sie diese Bemühungen zu schätzen gelernt.

Dennoch blieb der Gedanke an sich nicht von der Hand zu weisen. War die Anerkennung, die sie hübschen Mädchen entgegenbrachte, während sie dieselbe Eigenschaft bei Jungs nicht weiter berührte, nicht untrüglicher Beweis dafür, dass sie sich unbewusst zu ihnen hingezogen fühlte? Sie hatte nie nachvollziehen können, was ihre Klassenkameradinnen an bestimmten Schauspielern fanden, stattdessen hatte sie überlegt, welche von ihnen die vollsten Brüste und den rundesten Hintern hatte. Ebenso wenig hatte sie sich für männliche Körpermerkmale interessiert; Penisse hatte in ihren Masturbationsphantasien nie eine Rolle gespielt, aber bei der ersten sich bietenden Gelegenheit war sie sowohl mit Theresa als auch mit Maliva ins Bett gehüpft. War es dann nicht eine berechtigte Vermutung anzunehmen, dass sie diese Veranlagung schon immer in sich getragen hatte, Daria sie aber erst jetzt entdeckte und sie durch die umwälzenden Ereignisse der letzten Tage plötzlich den Reizen an Malivas Charakter erlag, die sie zuvor noch so gestört hatten?

Mit einem Mal wurde Daria schwindelig. Sie wusste selbst nicht mehr, was sie dachte, oder auch nur denken sollte. Ihr ganzes Leben schien auf den Kopf gestellt, alles, woran sie je geglaubt hattte, lag in Trümmern, doch einer Wahrheit konnte sie sich nicht läger erwehren: Sie hatte sich in Maliva verliebt.

Was geschah da nur mit ihr? Erst hatte sich ihr Körper auf so unberechenbare Weise verändert und nun auch noch ihr Geist. Sie hatte immer dazugehören wollen, zu ihrer Familie, zu ihren Freunden, ganz allgemein zu den Verflechtungen ihres sozialen Umfelds, doch jetzt wollte sie nichts weiter als bei Maliva sein.

Aber war sie dann überhaupt noch sie selbst? So wie ihre Ansichten und ihre Sehnsüchte sich gewandelt hatten, war sie da noch dieselbe Person wie früher? Ja, beschloss sie letztlich. Sie war immerhin die Summe ihrer Erfahrungen, alles, was sie erlebt hatte, jede Entscheidung, die sie getroffen hatte, die Eindrücke, die sie gesammelt hatte, all das hatte sie zu dem gemacht, was sie jetzt war. Wäre es anders gelaufen, hätte sie sich zuvor anders verhalten, stünde sie womöglich nicht hier, hätte sich nie mit Maliva vertragen, hätte nie hinter die Fassade der Welt geblickt, die Daniel und die Oberflächlichkeit ihrer übrigen Bekanntschaften ihr geboten hatten – und hätte nie wahre Liebe kennengelernt.

Doch so beruhigen diese Erkenntnis auch war, machte sie ihr ebenso Angst. Sie kam sich vor, als befände sie sich im Zentrum eines riesigen, verzweigten, dunklen Labyrinths. Von hier gingen unzählige Pfade ab, aber sie alle führten ins Ungewisse. Es war nicht zu erkennen, wo sie endeten, oder was sie auf ihnen erwartete, und das war das Furchteinflößendste, was sie sich nur vorstellen konnte.

Dementsprechend war sie nun wie erstarrt, körperlich wie geistig. Sie war unfähig, auch nur einen Muskel zu rühren, geschweige denn zu einem Entschluss zu gelangen. Sie ging nur immer wieder die verschiedenen Möglichkeiten durch, ohne den geringsten Fortschritt zu machen. Fast wünschte sie sich, sie wäre sich nie über ihre tatsächlichen Gefühle für Maliva klar geworden, dann säße sie jetzt nicht in diesem Dilemma fest. Sollte sie Maliva ihre Entdeckung beichten und damit eine weitere Ablehnung riskieren? Ihr Herz war gerade erst gebrochen worden, und diese Wunde hatte noch keine Zeit gehabt zu heilen. Wenn ihr jetzt erneut wehgetan würde, hinge es endgültig in Fetzen, ohne dass die Aussicht bestünde, dass es sich je davon erholte. Doch selbst wenn ihr Anliegen nicht abgeschmettert würde, ließe sich nicht einmal erahnen, welche Folgen das nach sich ziehen würde. Wie würden die anderen sie dann sehen? Was würden ihre Eltern davon halten oder ihre Freunde? Wenn sie sich zu dieser unbekannten Seite an sich bekannte, waren dann nicht sämtliche Kontakte, die sie geknüpft hatte, mit einem Schlag unwiederbringlich verloren?

Vielleicht wäre es besser, einfach alles zu verschweigen. Sie könnte Maliva weiterhin als Freundin betrachten und sie müsste nicht einmal darauf verzichten, ihren weniger dezenten Begierden auf sie nachgehen zu dürfen, dieses Recht hatten sie sich ja bereits gegenseitig zugesichert. Allerdings konnte sie sich jetzt schon kaum von ihr lösen, wie wäre das erst, wenn sie morgen in der Gewissheit gehen müsste, sich ihr nie wirklich offenbaren zu dürfen? Sie müsste ihr immer etwas vorspielen und darauf achten, sich nicht zu verraten. Würde das ihre Sehnsucht nicht ins Unermessliche steigen lassen? Das würde sie zwar zweifellos quälen, doch war das wenigstens eine Situation, die sie vorhersehen konnte, und irgendwie schien dieser Umstand sie erträglicher zu machen. Wählten die Menschen nicht grundsätzlich lieber das Übel, dass sie kannten, als sich auf komplett fremdes Gebiet zu wagen?

Diese Entscheidung würde ihr ganzes Leben verändern, auf die eine oder andere Weise, trotzdem wusste Daria, dass sie nicht vor ihr davonlaufen konnte. Sie würde eine Antwort finden müssen, und sie hatte immer mehr den Eindruck, dass niemand ihr mit Sicherheit sagen konnte, was richtig und was falsch war. Das war früher anders gewesen. Damals hatte die Moral kein solches Labyrinth dargestellt wie das, in dem sie sich nun vermutete. Sie war einfach immer den Regeln gefolgt, die andere ihr auferlegt hatten, so unverständlich sie ihr manchmal auch erschienen waren. Im Grunde hatten sie ihr ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt, sie gaben ihr einen vermeintlichen Halt in einer Welt, die sie nicht kontrollieren konnte, doch das brauchte sie nicht länger. So unbeständig alles andere auch war, Maliva hatte sich als eine Konstante erwiesen, in der sie alles gefunden hatte, was sie sich erhoffen konnte.

Ohnehin kam es ihr inzwischen sinnlos vor, dass jemand ihr vorschreiben sollte, wie sie zu leben hatte. Niemand stand über den Dingen, in diesem Gewirr möglicher Wege war jeder ebenso verloren wie sie. So betrachtet musste jedwede Form der Ethik aus ihr selbst kommen. Der einzige Ausweg, den es aus diesem immerwährenden Lbyrinth gab, war der Tod, welches höhere Ziel hätte man also verfolgen sollen? Welchen Unterschied machte es schon, wie wohlhabend man war, wenn man starb, ob man lieber mit Frauen oder mit Männern geschlafen hatte, an welchen Gott man geglaubt hatte oder ob man ihnen jede Daseinsberechtigung abgesprochen hatte? So lange man niemandem wehtat, gab es doch nichts, das man bereuen musste. Das einzige, was man tun konnte, war, dem Pfad zu folgen, der einem Gück versprach, und für Daria war das der, auf dem sie von Maliva begleitet wurde.

Dies war wohl der wahre Zauber der Welt: Es gab Vergebung und Hoffnung, Liebe und Hass, Psychologie und Philosophie. Nicht einmal die Freuden des Schmerzes oder die Leiden der Sehnsucht waren Daria noch unbekannt. Wieder fühlte sie sich an das Triptychon von Hieronymus Bosch erinnert, das sie durch ihre Mutter kennengelernt hatte: wie man es auch betrachtet, der Garten der Lüste war tatsächlich ganz und gar irdischen Ursprungs; hier gab es alles, was das menschliche Herz sich nur auszudenken wagte. Allerdings musste man sich diese Freistatt erst erschaffen, es konnte ihn nur dort geben, wo man ganz man selbst sein konnte, wo man so akzeptiert wurde, wie man war, und die Einzige, die das jemals bei ihr geschafft hatte, war Maliva. Sie hatte sie bei sich aufgenommen, als sie noch davon ausgehen musste, dass Daria sich ihr gegenüber weiterhin genauso verhalten würde wie zuvor, sie hatte ihr vergeben und sich sogar dazu überwunden, ihre eigenen Fehler einzugestehen. Ihr Platz war also einzig an Malivas Seite, das war klar. Sie würde eine Beziehung mit ihr eingehen, so sehr es auch dem widersprechen mochte, was andere von ihr erwarteten. Dafür war sie sogar bereit, sich gegen alle Konventionen zu stellen, die diese Institutionen ihr auferlegt hatten.

Während sie noch dabei war, sich diesen neuen, fremdartigen Gefühlen zu stellen, drang Malivas Stimme zu ihr vor. »Was meinst du? Warum kannst du mir nicht böse sein?«

In der Verwirrung über ihre soeben entdeckten Neigungen hatte Daria ihre in der Luft hängengelassene Andeutung, die diesen langsamen aber unaufhaltsamen Prozess überhaupt in Gang gesetzt hatte, schon vergessen, erst Malivas überraschtes Nachfragen erinnerte sie wieder daran. Nun, damit war dann wohl unausweichlich der Augenblick gekommen, ihren Beschluss in die Tat umzusetzen und vor Maliva die Beichte abzulegen, die ihr fraglos zustand. Doch so schwer es ihr schon gefallen war, diesen ungewohnten Zug an sich auch nur zuzulassen, kostete es sie noch viel mehr Überwindung, diese zuvor unausgesprochen gebliebenen Worte endlich aus ihrem Käfig zu entlassen. Sie hatte sich gerade erst geschworen, dass sie diese Bekundung nie wieder leichtfertig eingehen würde, und auch wenn Daria keinen Zweifel mehr hatte, sie zum ersten Mal in ihrem Lebenwirklich ernst zu meinen, war das ein Wagnis, das nicht übereilt werden durfte. Es war mehr als fraglich, ob Maliva ihre Gefühle erwiderte, und wie sollte Daria eine Zurückweisung von der einzigen Person ertragen, für die sie je etwas derartiges aufbringen konnte? Dennoch musste sie es tun, wie sie bereits festgestellt hatte. Maliva verdiente es, die Wahrheit zu erfahren, und wie hätte Daria ihrem unwiderstehlichen Blick standhalten sollen, ohne dass ihre Lippen es ihr wie von selbst verrieten? Das war schon zweimal fast geschehen, noch länger würden sie sich nicht davon abhalten lassen.

Tief holte Daria Luft, wie um sich Mut zu machen für die bevorstehende Aufgabe, dann stammelte sie hilflos: »Weil ... weil ... also, ich glaube ..., ich liebe dich ...«

»Was?!«, entfuhr es Maliva fassungslos.

Kaum merklich zuckte Daria mit den Schultern. »Ich weiß, es klingt dumm, so wie ich dich immer behandelt habe und ich mir nicht so richtig vorstellen konnte, lesbisch zu sein. Ich kann es mir nicht mal selbst erklären. Zuerst dachte ich, es wäre einfach Dankbarkeit, was ich für dich empfinde. Ich meine, du hattest so viel für mich getan und dann warst du plötzlich ... mein einziger Bezugspunkt. Niemand sonst war für mich da, nicht Theresa und nicht meine Eltern, also war es ja ganz klar, dass ich dir nahe sein wollte. Aber jetzt sind meine Eltern wieder da, und trotzdem will ich nur bei dir sein. Da ist mir aufgegangen, dass es nicht einfach nur Freundschaft ist, die mich an dich bindet. Ich brauch dich wie ... wie ... Ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Ohne dich ist es, als würde mir etwas ungeheuer Wichtiges fehlen, etwas, das ich unbedingt brauch, um mich wohlzufühlen, fast wie ein Teil von mir selbst. Nur wenn du bei mir bist, bin ich glücklich. Wenn du mich berührst, fängt mein Herz an zu rasen und meine Haut kribbelt überall. Sogar jetzt ist es, als würden Stromstöße durch meinen Arm fließen.« Wie zum Beweis hielt sie ihre noch immer ineinander verschlungenen Hände empor und tatsächlich schien ihre zittrig und verkrampft zugleich. »Und als wir uns geküsst haben, das war wie eine Supernova, als wäre die ganze Welt einfach explodiert und so lange existierte nichts außer einem unvorstellbar grellen Licht, bis sie sich Stück für Stück wieder zusammengesetzt hat.«

Verwundert starrte Maliva sie an. Zum einen kam diese Liebeserklärung natürlich ziemlich unerwartet, noch viel unglaublicher war aber, wie sehr Darias Ausführungen ihren eigenen Gefühlen glich. Was sie über ihren Kuss sagte, ähnelte ganz dem, wie sie selbst ihn wahrgenommen hatte, und wenn sie es sich genauer überlegte, stimmte der Rest denn nicht ebenso überein? Sie konnte zumindest nich leugnen, dass ihr Händchenhalten einen wohligen Schauer in ihr auslöste, und nun dieses Geständnis zu hören, ließ Wellen des Glücks in ihr aufbranden. Sie verspürte eine tiefe Erleichterung, als sei etwas in Erfüllung gegangen, das sie sich schon lange gewünscht hatte.

Doch konnte das wirklich sein? Konnte sie sich insgeheim zu Daria hingezogen gefühlt haben, ohne etwas davon zu ahnen? Sie war jedenfalls das schönste Mädchen, das Maliva je gesehen hatte, so viel stand fest, und sie hatte es sich mit beinahe obsessiver Hingabe ausgemalt, es mit ihr zu tun, wenn sie sich selbst befriedigte. Außerdem war der Vorschlag, sich trotz ihrer neubeschlossenen Freundschaft weiterhin Hilfeleistungen in amourösen Angelegenheiten zu gewähren, ihr eigener gewesen, und war das für sie nicht eigentlich eine widersprüchliche Entscheidung? Mit jemandem zu schlafen, den sie nicht liebte, war ihr nie besonders reizvoll vorgekommen, doch mit Daria hatte sie es ganz ohne Bedenken getan, obwohl sie derzeit ein Geschlechtsteil besaß, auf das sie gar nicht stand, und als wäre das nicht schon genug, hatte sie ihr danach auch noch angeboten, das zu wiederholen, wann immer sie wollten, nur dass sie es sich in Anbetracht der nunmehr etwas eingeschränkten Auswahlmöglichkeiten vorwiegend von hinten besorgen mussten. Sie hatte sich ohnehin keine Illusionen darüber gemacht, wie anziehend sie Daria fand, und nun waren sie sich auch noch näher gekommen, als Maliva sich hätte träumen lassen. Keine von ihnen hatte es wirklich ausgesprochen, aber es war auch so überdeutlich geworden, dass sie eine stumme Übereinkunft getroffen hatten: Es gab nichts mehr, was sie nicht füreinander tun würden, sie würden sich alles anvertrauen und sich gemeinsam dem stellen, was noch auf sie zukam. Wenn sie es jetzt auch noch miteinander trieben, genügten sie damit nicht sämtlichen Anforderungen, die man gemeinhin einer Geliebten stellte, einschließlich des Wunsches, jede einzelne Sekunde zusammen zu verbringen?

Denn auch in dieser Hinsicht war es ihr wie Daria ergangen: Als deren Eltern sie wieder mit sich nach Hause nehmen wollten, war sie zwar einerseits unendlich froh gewesen, dass die Familie wieder zueinandergefunden hatte, doch war ihre Brust dabei unweigerlich von Schmerzen durchströmt worden. Sie hatte es nicht zugeben wollen, aber der Gedanke, dass Daria sie verließ, machte ihr Angst. Nun, da sie einander verstehen gelernt hatten, war es Maliva vorgekommen, als wären sie untrennbar miteinander verbunden. Was wäre gewesen, wenn Daria wieder in ihr altes Leben zurückgekehrt wäre, und sie vergessen hätte? Wenn sie sich wieder mit Theresa vertrug und sich mit ihr nur noch traf, damit sie den Fluch von ihr nehmen könnte? Das hätte sie unmöglich ertragen. Sie konnte sich dem nicht verweigern, von nun an wollte sie für immer mit ihr zusammen sein.

Maliva stutzte. Das alles konnte nur eines bedeuten, wie Daria ihr eben ganz richtig erklärt hatte: »Ich glaube, ich liebe dich auch«, sagte sie und es klang, als könne sie diese Tatsache selbst noch nicht ganz glauben.

»Wirklich?«, fragte Daria mit bebender Stimme nach, als befürchte sie, das könne nur eine Art grausamer Scherz sein.

»Wirklich«, nickte Maliva. Das Sprechen fiel ihr schwer; sie war so voller unterschiedlichster Emotionen, Verwirrung, Sorge wegen ihrer ungewissen Zukunft und unsagbarem Glück, dass sie hätte platzen können. Entgegen dieses Gefühls enthielt ihre Lunge jedoch kaum genug Luft, um auch nur dieses eine Wort zu formen, sodass es klang, als hätte ein Schlag in den Magen ihr gerade den Atem geraubt.

Daria schien ebenso wenig zu wissen, wie sie reagieren sollte. Einen Moment sah es so aus, als würde sie in Tränen ausbrechen, ihre dunkelgrünen Augen schimmerten bereits feucht, dann beherrschte sie sich und schluckte schniefend. Ihr Mund öffnete sich, wie um etwas zu sagen, schloss sich aber wieder, ohne dass ein Laut über ihre zitternden Lippen gekommen wäre. Schließlich hatte sie wohl einen Entschluss gefasst. Sanft schlossen sich ihre Augen und langsam beugte sie sich vor, Malivas voller Ungeduld wartendem Mund entgegen.

Doch im letzten Augenblick, bevor ihre Lippen sich berührten, zog Maliva unter Aufbietung all ihrer Willenskraft den Kopf zurück. Es widerstrebte ihr, diesen mit jeder Faser ihres Körpers herbeigesehnten Kuss unvollendet zu belasssen, aber es ging nicht anders. In der Stille ihrer erwartungsvollen Annäherung waren die nach wie vor aus dem Wohnzimmer gedämpft zu ihnen herausdringenden Stimmen mit einem Mal unnatürlich laut erschienen. Vielleicht verabschiedeten sich Darias Eltern gerade, und Maliva hielt es für besser, sie nicht gleich zu überfordern. Sie waren immer noch damit beschäftigt, zu akzeptieren, dass ihre Tochter neuerdings einen Schwanz besaß, da sollten sie nicht unbedingt sehen, wie sie auf dem Treppenabsatz einem anderen Mädchen die Zunge in den Mund steckte.

Daria sah ebenso enttäuscht wie sie selbst aus.

»Warte mal kurz«, raunte Maliva ihr zärtlich zu, »ich glaube, wir sollten erst hoch in mein Zimmer gehen. Wahrscheinlich wären deine Eltern wenig angetan, wenn sie uns hier überraschen würden, oder?«

Daria nickte mit plötzlichem Verstehen. »Ja, das denek ich auch.«

»Na also. Außerdem gibt es da noch etwas, was ich dir zeigen will.«

»Ach ja? Was denn?«

»Das siehst du ja dann«, sagte Maliva und zog Daria mit einem hintergründigen Lächeln weiter die Treppe hinauf.

~+~

Währenddessen lag Theresa noch immer im Bett. Tatsächlich hatte sie sich kaum bewegt, seit Daria am Tag zuvor bei ihr gewesen war. Das war natürlich zum Teil darin begründet, dass sie ihren Eltern vorspielte, krank zu sein, mehr noch aber darin, dass diese ganze Affäre ihr mittlerweile wie ein Verhängnis vorkam, aus dem es kein Entrinnen gab. Es war, als hätte das Unheil, das in Form eines völlig unvermittelt aus ihrem Unterleib hervorbrragenden Penis über sie gekommen war, sämtliche Energie in ihr absorbiert. Es war längst keine reine Täuschung mehr, sie versank wirklich im Elend, als hätte sie sich mit einer Seuche angesteckt, die sie nur noch dem Verfall überließ. Sie hatte sich zu nichts aufraffen können, sie hatte einfach nur dagelegen und ferngesehen, sich ganz in ihr Schicksal ergebend, auch wenn es nichts als Agonie bereithielt.

Darias Besuch hatte es nur noch unerträglicher gemacht. Letztendlich war die Deformation ihres Geschlechts doch ein abnormer Zustand, und es konnte kein Zweifel daran bestehen, auf wen diese Infektion zurückzuführen war. Das war etwas, das Theresa ihr nicht verzeihen konnte. Sie hatte immer zu den Beliebten gehört, zu den wenigen Auserwählten, zu denen die anderen neidvoll aufsahen, und sie hatte nie etwas anderes gewollt. Das war ihr ganzes Leben gewesen, die Anerkennung zu genießen, die ihr zustand, und auf die herabzuschauen, die dem nicht würdig waren. Dass sie selbst nun für immer aus diesem erhabenen Kreis ausgeschlossen sein würde, war kein bloßes Unglück, es war der Untergang all ihrer Hoffnungen, und war das nicht das grausamste, was einem zustoßen konnte? Es konnte einem noch so schlecht gehen, so lange nur irgendeine Hoffnung bestand, dass es irgendwann wieder besser würde, so gering sie auch sein mochte, konnte man alles durchstehen, doch war jeder Grund zu hoffen erst einmal dahin, war man unweigerlich verloren, und was sie am Ende dieses Tunnels erblickte, war kein Licht sondern einzig undurchdringliche Schwärze. Nichts würde je wieder so sein wie früher, von nun an war sie ein Freak, ein Außenseiter, sie musste immer darauf bedacht sein, ihr Geheimnis nicht aufblitzen zu lassen, und sie konnte sich niemals jemandem anvertrauen.

Dabei war die Veränderung ihres Körpers nicht einmal das Schlimmste. So erschreckend es auch war, mit einem Mal zu entdecken, dass sich diese intimste Stelle so grundlegend gewandelt hatte, fand sie noch viel beunruhigender, was mit ihrem Geist geschehen war. Seit sie Daria so unaussprechlich nahe gekommen war, musste sie immer wieder daran denken. Diese Geschichte ging ihr einfach nicht aus dem Kopf, so sehr sie auch versuchte, jeden Gedanken daran zu vermeiden. Sie versuchte sich abzulenken, so gut es ging, doch sobald sie ihre Gedanken ein wenig schweifen ließ, stieg unweigerlich Darias Bild in ihnen auf, ihre leicht vorstehenden Brüste, wie sie im Takt ihrer Bewegungen unmerklich auf und ab hüpften, ihr niedliches Gesicht und natürlich ihre Augen, diese zwei leuchtenden Smaragde, die Theresa schon immer am meisten an ihr bewundert hatte. Voller Behagen und voller Beklommenheit zugleicht stellte sie sich vor, in Darias Arme zu sinken, sich an sie zu schmiegen und ganz in dieser Umarmung aufzugehen.

Zwar waren Überlegungen dieser Art eigentlich nichts Neues für sie, sie hatte sich auch vorher schon oft vorgestellt, dass Daria bei ihr wäre, wenn sie sich einsam oder schwach fühlte, und es war ihr auch nicht fremd, sie als beinahe übernatürliches Wesen zu sehen, dem eine gewisse Verehrung zustand, doch erreichte das allmählich ungeahnte Ausmaße. Nach diesem Dienst, zu dem sie sich Daria zuliebe hatte hinreissen lassen, erträumte sie sich nicht mehr nur schlicht ihren Beistand, sie träumte davon, es mit ihr auf jede nur erdenkliche Weise zu treiben, und – was noch weitaus verwirrender war – träumte sie davon, sie zu küssen und zu streicheln, sie so zärtlich zu liebkosen, als hättte ihr Verhältnis die Grenzen bloßer Freundschaft längst überschritten. Dafür konnte es nur eine Erklärung geben: Was immer es auch war, das Daria und sie befallen hatte, es verunstaltete offenbar nicht nur den Schambereich seiner Opfer, sondern nahm auch noch Einfluss auf deren Verstand.

Zumindest waren diese Anwandlungen ebenso unvorhersehbar aus ihr hervorgebrochen, wie diese Abscheulichkeit, die nun zwischen ihren Beinen baumelte. Sie hatte Daria vielleicht ab und zu versonnene Blicke zugeworfen, die auch mal deren Schritt oder unbedeckte Brüste streiften, wenn sich die Gelegenheit ergab, doch hatte sie dabei nie das sichere Gebiet eines allgemein geltenden Anstands verlassen. Sie weigerte sich zu glauben, dass das ein Teil ihres Selbst war – also konnte nur Daria die Schuld daran tragen. Sie hatte dieses nicht hinzunehmende Verlangen in ihr geweckt, und dafür konnte es keine Gnade geben. Sie hatte ihr Leben zerstört, und nun würde Theresa alles daran setzen, das ihre zu zerstören. Sie wusste noch nicht, wie oder wann, aber früher oder später würde sie ihre Rache bekommen. Sie würde so lange warten, bis die Hölle gefror, falls das nötig war, und Berge und Meere überqueren, nur um irgendwann zu sehen, wie Daria sich vor ihr am Boden wand. Was sie zu verantworten hatte, war unverzeihlich; sie hatte Regeln gebrochen, die unter keinen Umständen gebrochen werden durften, dafür war jede Strafe gerechtfertigt, die möglicherweise über sie kommen mochte.

Zuvor würde sie sich allerdings noch um ein kleines Problem kümmern müssen. Das Nachdenken über Daria hatte ihren Schwanz schon wieder steif werden lassen; er war so hart, dass er trotz des Schlafanzugugs, den sie trug, ein beachtliches Zelt in die Bettdecke stemmte, und sich seine Konturen deutlich darunter abzeichneten. Sie würde sich erneut einen runterholen müssen, und obwohl sie sich fest vornahm, diesmal dabei nicht an Daria zu denken, wusste sie, dass dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt war. Es war merkwürdig, so sehr sie Daria auch für das hasste, was sie ihr angetan hatte, beeinträchtigte das nicht die Bewunderung, die Theresa für sie empfand. Sie war eben noch immer von geradezu betörender Schönheit, und Theresa ging beinahe schon einer ab, bevor sie sich überhaupt berührt hatte, wenn sie sich in Erinnerung rief, wie es mit ihr gewesen war, die warme Haut auf ihrer, der Atem an ihrer Wange, die aufgerichteten Nippel, die sich in ihre Brust bohrten.

Genauso verhielt es sich mit ihrem Penis, von dem sie nun die Decke zurückschlug. Sie hatte Angst vor ihm, er war nicht nur offensichtliches Anzeichen der Andersartigkeit, die nunmehr Besitz von ihr ergriffen hatte, sondern eine Degeneration. Er war einfach widerwärtig und Sinnbild für die überwältigende Unsicherheit, die ihr bevorstand, dennoch konnte sie nicht die Finger von ihm lassen.

Oh ja, Daria würde büßen müssen für ihre Taten, und Thersa konnte es kaum noch erwarten, sich dem in aller Ruhe zu widmen.

~+~

Daria noch immer an der Hand hinter sich herziehend öffnete Maliva die Tür zu ihrem Zimmer und gemeinsam traten sie ein. Als sie in der Mitte des Raumes ankamen, blieben sie beide sich einander zuwendend stehen, unternahmen jedoch nichts weiter. Sie lächelten sich nur an, ebenso stumm wie zaghaft. Keine von ihnen wusste so genau, wie sie sich jetzt verhalten sollten, nachdem sie offensichtlich ein Paar geworden waren. Maliva hatte noch nie eine feste Freundin gehabt, und Daria hielt ihre bis dahin einzige Beziehung für keinen angemessenen Maßstab. Wie sich herausgestellt hatte, waren weder Daniel noch sie selbst wirklich verliebt gewesen; ohne diesen elementaren Bestandteil war sie wohl kaum als exemplarisch zu nehmen, außerdem hatte sie damit geendet, aus ihrem Zuhause vertrieben worden war und von allen ehemaligen Vertrauten im Stich gelassen nach Zuflucht suchend umhergeirrt war. Sie kannte sich nicht gut genug in solchen Dingen aus, um es wirklich beurteilen zu können, aber sie hoffte inständig, dass das nicht der übliche Verlauf einer Trennung war.

»Was wolltest du mir denn jetzt zeigen?«, fragte sie nach einer Weile, in der sie ihrer Angebeten wie gebannt in die Augen gesehen hatte.

»Ach, na ja, eigentlich nichts Besonderes ...«, antwortete Maliva verlegen.

»Komm schon«, ermutigte Daria sie, »wenn es dir eine Erwähnung wert war, ist es für mich etwas Besonderes.«

zweifelnd erwiderte Maliva den auf sie gerichteten Blick. Sie war sich sicher, dass sie Daria enttäuschen würde, immerhin besaß sie alles, was man sich nur wünschen konnte. Bestimmt war sie viel Beeindruckenderes gewohnt als diese Kleinigkeit, die sie ihr zu bieten hatte, aber nun, das sie schon danach gefragt hatte, blieb ihr wohl nichts anderes übrig.

»Na gut«, sagte sie und zog Daria noch das letzte Stück bis zu ihrem Bett hinüber.

»Hm ... das, äh, kenn ich schon«, meinte Daria mit einem Grinsen, das trotz seiner Dezenz eine unverhohlene Anzüglichkeit in sich trug. »Das hast du mir gestern schon gezeigt. Und heute Morgen noch mal.«

Zuerst hob Maliva verständnislos die Augenbrauen, dann zog sie abschätzig einen Mundwinkel nach oben. »Nein, nicht das«, sagte sie und verdrehte gespielt vorwurfsvoll die Augen. »Bleib einfach hier stehen und lass meine Hand nicht los.«

Das hätte sie Daria gar nicht zu sagen brauchen. Sie hatte ihren Griff um Malivas Finger nicht gelöst, seit sie sich von ihren Eltern verabschiedet hatte, und nun, da sie beide ihre Gefühle für einander entdeckt hatten, hätte sie sie am liebsten für immer festgehalten. Es fiel ihr also keineswegs schwer stillzuhalten und abzuwarten, was geschehen würde. Sie vertraute Maliva mehr als sonst irgendjemandem und war gespannt darauf zu erfahren, was sie jetzt vorhatte.

Doch die hatte ihr Versprechen scheinbar schon wieder vergessen. Sie stand nur reglos da, den Kopf zur Decke emporgewandt und einen konzentrierten Ausdruck im Gesicht. Gerade als Daria klar wurde, dass sie im Begriff war zu hexen, erhoben sie sich auch schon gemeinsam in die Luft. Diesmal war es nicht wie zuvor, als Maliva sie hatte schweben lassen. Sie fühlte sich nicht, als wäre sie schwerelos, sondern als würde sie von einer unsichtbaren Macht nach oben gezogen. Während sie immer höher stiegen, klappte auch die Dachluke über ihnen auf, ohne die geringsten Schwierigkeiten flogen sie hindurch und setzten auf dem Dach auf. Es war nur sehr wenig geneigt, sodass man leicht darauf stehen konnte, trotzdem setzte Maliva sich sofort auf die roten Schindeln, und Daria tat es ihr gleich. Dort hockten sie dann, die Knie aufgestellt und sich noch immer an den Händen haltend.

»Das wollte ich dir zeigen«, sagte Maliva, ihren Blick in die unendliche Ferne schweifen lassend.

»Eine tolle Aussicht«, nickte Daria, ohne sich ihr zuzuwenden. Die Sonne war inzwischen untergegangen; vor ihnen erstreckte sich ein Meer des Zwielichts, die Dunkelheit einer abendlichen Stadt, erhellt von unzähligen kleinen Lichtern, die überall aufleuchteten. Die Häuser in dieser Gegend hatten alle mehr oder weniger dieselbe Höhe, wobei das von Maliva ein wenig größer war als die umliegenden. Von hier aus war es, als säßen sie in den Wipfeln eines Baumes und würden über einen endlosen Wald von Dächern hinwegsehen, in deren Zweigen auf wundersame Weise fremdartige, hell erstrahlende Knospen aufblühten, und der durchzogen war von schmalen, dunklen Flüssen, in denen golden schimmernde Fische schwammen, dort wo die Straßen verliefen. »Deshalb hast du kein Rollo vor Fenster, damit du immer hier rauf kannst«, fügte sie hinzu. »Ich hatte mich schon gewundert.«

»Äh, nein«, sagte Maliva, »das würde mich ja nicht daran hindern, hier raufzukommen. Ich brauche einfach nur keins. Durch das Dachfenster kann niemand reinsehen und ich mag es einfach lieber so. Es ist schön, wenn man morgens von der Sonne geweckt wird, und wenn man einschläft, ist es, als würde man direkt unter dem Sternenhimmel liegen.«

»Da hast du recht, das ist toll. Da kannst du ja direkt vom Bett aus Sternschnuppen beobachten. Das hab ich oft gemacht, als ich noch klein war. Sternschnuppen hab ich immer geliebt.« Eine Weile schwiegen sie beide, dann fragte Daria noch: »Wissen denn deine Eltern, dass du hier hochkommst?«

»Natürlich nicht! Auch wenn ich eine Hexe bin, würden sie mir das nie erlauben. Aber ich könnte es einfach nicht lassen, weißt du? Deshalb komme ich nur hier hoch, wenn es dunkel ist, damit mich niemand sieht ... Na ja, andererseits würd ich’s wohl auch so nur abends machen. Im Dunkeln ist die Atmosphäre hier so ... tröstlich. Wenn man die ganzen Lichter sieht, weiß man genau, dass hinter jedem davon ein Mensch steht, der seine eigenen Ansichten hat und vielleicht sogar dieselben Probleme wie man selbst. Dann kommen sie einem gar nicht mehr so wichtig vor, und man fühlt sich verstanden. Das ist ein guter Ort, um nachzudenken, oder um einfach mal ein bisschen für sich zu sein. Hier ist man allein aber nicht einsam.«

»Ein wundervoller Gedanke«, sagte Daria, bevor sie wieder in Stille verfiel. Möglicherweise lag es tatsächlich an der ganz eigenen Mystik, die dieses Refugium ausstrahlte, doch als sie ihre Augen über die Welt unter sich wandern ließ, schossen ohne ihr Zutun noch einmal all die Ereignisse durch ihren Kopf, die sie hierhergeführt hatten: ihr früheres Leben, ihre Gemeinheiten Maliva gegenüber, Theresas Hilfe und der anschließende Verlust ihrer damals besten Freundin, Daniels beständiges Drängen auf den Akt und sein Verrat, nachdem er bekommen hatte, was er wollte. Malivas Worte klangen unaufhörlich in ihr nach, und mit einem Mal erkannte sie, dass nicht nur jedes der erleuchteten Fenster und jeder der vorbeiziehenden Scheinwerfer eine eigene Geschichte besaß, sondern es auch eine unvorstellbare Fülle dieser einzigartigen Schicksale gab. Ob es nun verlorene Freunde, hinterhältige Liebschaften oder auch nur unbekannte Gesichter waren, die an einem vorübereilten, sie alle waren irgendwo da draußen in der Finsternis, jeder mit seinen ganz individuellen Sorgen, Ängsten und Träumen. Einige von ihnen mochten lesbisch sein, Außenseiter oder beliebt, ein paar waren vielleicht sogar Hexen, und wer wusste schon, was es noch an nahezu unglaublichen Geschöpfen gab, die weder sie noch Maliva sich vorstellen konnten?

Mit unvermittelt auftauchender Vehemenz hoffte Daria, dass es ihnen alles gut ging, dass wenigstens eine Nacht lang niemand verletzt wurde, dass alle einfach einmal freundlich zueinander wären. Nicht einmal Danie, der ihren Körper ebenso wie ihre Gefühle ausgenutzt hatte, wünschte sie etwas Böses – zumindest nichts, was sich nicht wieder rückgängig machen ließ. Allerdings konnte es nicht schaden, ihm eine Lektion zu erteilen ähnlich der, die Maliva ihr hatte zukommen lassen.

Bei diesem Gedanken fiel ihr etwas ein. »Was glaubst du, ist jetzt mit Daniel?«

»Was meinst du? Was soll denn mit ihm sein?«

»Na ja, Theresa und du habt euch doch beide verwandelt, nachdem ich ... ähm, sagen wir mal, besonders nett zu euch war. Offenbar stimmt es also, man kann den Fluch so auch auf andere übertragen. Tja, und zu Daniel war ich eben auch besonders nett.«

»Du denkst, ihm könnte ein zweiter Penis gewachsen sein?«

Unwillig verzog Daria das Gesicht. »Hoffentlich nicht, wahrscheinlich würde ihm das sogar noch gefallen. Ich hatte eher gehofft, du würdest mir jetzt sagen, dass sich sein Geschlecht auch verändert hätte. Dass er ab jetzt ... im Sitzen pinkeln müsste.«

Bedauernd schüttelte Maliva den Kopf. »Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Ich wusste vorher ja nicht mal, dass das passieren würde. Ich hab in dem Buch, aus dem ich den Spruch habe, keinen Hinweis darauf gelesen, aber vielleicht habe ihn auch nur übersehen. Morgen muss ich mich auf jeden Fall noch mal in das Zimmer meiner Oma schleichen und nachsehen.« Ein leises Lächeln stahl sich auf ihre Mundwinkel. »Oder du erklärst ihr die ganze Sache einfach und fragst sie, was sie davon hält.«

Schnaubend lachte Daria kurz auf. »Lieber nicht. Außerdem ist das ja eigentlich sowieso Unsinn.«

»Warum?«

»Mit Daniel war das etwas anders als mit dir oder Theresa. Ihr hattet unmittelbaren Kontakt mit diesem Teil, unmittelbarer geht es nun wirklich nicht, aber Daniel hat es nicht mal angefasst. Vielleicht hat es sogar was mit Sperma zu tun, ich bin ja in euch gekommen, bei Daniel bin ich überhaupt nicht gekommen.«

»Kein Wunder, dass du jetzt doch lesbisch geworden bist.«

Daria schenkte ihr ein warmes Grinsen. »Damit hat das nichts zu tun. Ich glaube, ich hätte diese Seite an mir nie entdeckt, wenn ich dich nicht getroffen hätte. Dann wäre ich jetzt noch mit Daniel zusammen und würde gar nicht verstehen, warum ich für ihn nicht mal dasselbe empfinde wie für Theresa. Sie stand mir näher als sonst irgendjemand, aber trotzdem hätte ich mich nie in sie verliebt. Das hast nur du geschafft und ich könnte mir gar nicht vorstellen, je jemand anders zu lieben.«

»Du bist wirklich unglaublich süß«, stellte Maliva so sachlich fest, als würde sie nur eine allgemein anerkannte Tatsache wiedergeben, »auch wenn du dir wünscht, dass Daniel sich zum Pinkeln setzen muss.«

»Das wäre doch nur zu seinem eigenen Besten«, gab Daria unschuldig zu Bedenken.

»Weil das viel hygienischer ist?«

»Nein. Ich denke, es wäre gut für ihn, dasselbe durchzumachen wie ich. Mir zumindest hat es geholfen. Im Nachhinein bin ich dir sogar dafür dankbar. Wenn du das nicht getan hättest, hätte ich dich wohl nie näher kennengelernt, und vor allem nie rausgefunden, wie sehr ich dich liebe. Das wäre das Schlimmste, was mir hätte passieren können.«

»Man kann nur vermissen, was man kennt. Wenn wir uns nie begegnet wären, könntest du mich auch nicht vermissen.«

»Das stimmt, aber ...« Langsam verlor sich Darias Stimme, als sie nicht wusste, wie sie Maliva deutlich machen sollte, was ihr Herz ihr ohne Worte mitteilte. Mit einem kaum hörbaren Seufzen sah sie zu Boden und versuchte es von Neuem. »Ich war früher nie glücklich. Ich hatte immer das Gefühl, das mir etwas fehlt, und danach habe ich die ganze Zeit gesucht. Ich habe versucht, es bei Daniel zu finden, aber da habe ich es nicht gefunden. Da war immer eine Sehnsucht in mir, die ich nicht beschreiben konnte. Irgendwie wusste ich, dass es etwa war, das mir nur jemand anders geben konnte, deshalb hab ich immer versucht, es allen recht zu mache. Ich dachte, wenn mich so viele Menschen wie möglich mögen, wäre ich auch zufrieden. Das ist auch der Grund, warum ich so gemein zu dir war. Den anderen schien das zu gefallen, also hab ich damit weitergemacht. Vielleicht waren sie nur froh, dass ich mich nicht über sie lustig gemacht habe, vielleicht haben sie nur gelacht, um nicht selbst zu Außenseitern zu werden, ich weiß es nicht. Es gibt nur eines, was ich sicher weiß: das, was mir gefehlt hat, bist du. Seit du mir vorhin auf der Treppe gesagt hast, dass du mich liebst, fühle ich mich zum ersten Mal in meinem Leben wie ich selbst.«

Wie hypnotisiert starrte Maliva Daria an, obwohl die den Blick noch immer gesenkt hielt. Sie konnte gar nicht fassen, was sie da hörte. Sie hatte Daria früher völlig falsch eingeschätzt, sie war weitaus tiefgründiger und selbstreflekierter als Maliva ihr zugetraut hatte, zudem sprach sie ihr ganz aus der Seele. Zwar hatte es für Maliva nie einen Zwiefel daran gegeben, dass es die Liebe eines anderen Mädchens war, wonach sie sich verzehrte, aber dass es ausgerechnet Daria wäre, nach der sie suchte, das hätte sie nie erwartet. Dabei hätte es sie eigentlich gar nicht überraschen dürfen, wenn man bedachte, wie oft sie von ihr geträumt hatte, nicht nur in sexueller Hinsicht, sondern auch in unverfänglichen Situationen. Sie war wie eine Obsession gewesen, die sie noch bis in den Schlaf verfolgt hatte. Ob Tag oder Nacht, es hatte kaum einen Augenblick gegeben, in dem Maliva nicht an sie gedacht hätte. Doch sogar wenn sie etwas davon geahnt hätte, wäre ihr das unmöglich erschienen. Daria war eben nicht nur wunderschön, sie war wie ein unerreichbares Ideal. Auch wenn sie gemein zu jedem gewesen war, der nicht in das Bild passte, das sie sich von der Welt gemacht hatte, war sie zu allen anderen immer großzügig, ehrlich und zuvorkommend gewesen. Maliva hätte nie zu hoffen gewagt, dass sie eines Tages zusammenkommen würden, umso erstaunlicher war es, dass sie nun hier saßen, Händchen haltend und den Sternenhimmel betrachtend.

War es unter diesen Umständen gerechtfertigt, was sie getan hatte? Daria schien sich wirklich geändert zu haben und sowohl sie selbst als auch Maliva waren glücklicher als jemals zuvor in ihrem Leben. Es war, wie Daria ausgeführt hatte: ihnen beiden war es aus verschiedenen Gründen aussichtslos aber vielleicht genau deshalb so unsagbar begehrenswert vorgekommen, eine Leidenschaft zu jemandem zu verspüren, die so verlangend war, dass sie keinerlei Vorbehalte wie den Selbsterhaltungstrieb, gesellschaftliche Konventionen oder moralische Bedenken duldete. Erst der Fluch hatte sie erkennen lassen, zu wem sie sich tatsächlich auf diese Weise hingezogen fühlten und ohne ihn wäre ihnen das mit Sicherheit weiterhin verborgen geblieben. War es in diesem Fall vertretbar gewesen, ihn  zu verhängen, einen Zauber, der ausdrücklich dazu diente, jemandem Schaden zuzufügen? Maliva wusste es einfach nicht. Die Erlösung, die er ihnen beiden gebracht hatte, war nicht zu erwarten gewesen, und die für sie nicht vorhersehbare Gefahr der Weitergabe machte ihn noch unverzeihlicher. Rache war eben nie angebracht, allerdings war das auch gar nicht ihre Absicht gewesen, sie hatte sich nur gegen ihr widerfahrenes Unrecht zur Wehr setzen wollen. Es blieb nur fraglich, wie weit man dafür gehen durfte. Gewalt war jedenfalls keine Lösung, sie durfte höchstens dann eingesetzt werden, wenn es keine andere Möglichkeit gab, sich vor einer unmittelbaren Bedrohung zu schützen. Daria hatte sie aber nur mit Worten verletzt, während Maliva sich an ihrem Körper vergangen hatte.

Eine Welle der Schuld überkam sie. Ihre Tat war bereits geschehen, sie war nicht mehr rückgängig zu machen, nur noch ihre Folgen. Das alleine war schon schlimm genug, doch was sie besonders mitnahm, dass sie die Person Schmerzen hatte erleiden lassen, mit der sie von nun an für immer zusammen sein wollte. Ihr einizger Trost war, dass der Schaden, den sie angerichtet hatte, nicht unumkehrbar war. Sie würde den Fluch aufheben, sobald sie dessen fähig war, nicht nur den ihrer Geliebten, sondern von allen, die er befallen hatte.

»Wir müssen auf jeden Fall Daniel besuchen und nachschauen, was mit ihm ist«, nahm sie dieses Thema wieder auf. »Falls er auch betroffen ist, können wir ihn nicht so lassen.«

Gedankenverloren nickte Daria. »Ich weiß. Auch um Theresa müssen wir uns so schnell wie möglich kümmern. Sie sah ziemlich fertig aus, als ich gestern bei ihr war.«

»Kein Wunder, sie weiß ja noch gar nicht, wie das zustande gekommen ist. Wenn einem plötzlich ein Schwänz wächt, und man keine Ahnung hat, woran das liegen könnte, steht man wohl erst mal unter Schock.«

»Das kannst du laut sagen«, bestätigte Daria.

Darauf verzichtete Maliva, stattdessen wurde ihre Stimme noch leiser, als sie ohnehin schon war. »Vielleicht ... sollten wir sie schon besuchen und ihr wenigstens erklären, wie es dazu gekommen ist.«

»Du willst ihr sagen, dass du eine Hexe bist?«, entfuhr es Daria erschrocken.

»Das will ich ganz und gar nicht. Es gibt nichts, was mir mehr Angst machen würde«, sagre Maliva, obwohl das nicht ganz den Tatsachen entsprach. Dass Daria sie verlassen könnte machte ihr noch weitaus mehr Angst, aber in diesem Augenblich hielt sie es für besser, ihre Darlegungen nicht mit diesem eingestreuten Hinweis zu unterbrechen. »Alle, die davon wissen, haben mir immer wieder gesagt, wie wichtig es ist, dass ich niemandem davon erzähle, da ist es nicht so leicht, es trotzdem zu tun. Das widerspricht alle, was man mir beigebracht hat. Außerdem ist es ja auch ganz logisch. So ein Geheimnis plaudert man nicht so einfach aus. Was ist, wenn sie es weitererzählt? Was soll ich dann machen? Ich kann das nicht aus ihrem Gedächtnis löschen, und sie in einen Stein zu verwandeln ist nicht gerade die netteste Lösung.« Sie seufzte leise, dann fuhr sie mit festerer Stimme fort: »Aber mir bleibt wohl nichts anderes übrig. Wir können sie doch nicht so im Unklaren lassen und sie ohne Erklärung zurückverwandeln, wenn es geht. Was soll sie denn davon halten, wenn das Ding auf einmal ohne Weiteres wieder verschwindet?«

»Trotzdem kannst du ihr doch nicht erzählen, dass du eine Hexe bist! Glaub mir, ich kenne sie, das wird sie nicht verstehen. Im Gegensatz zu mir hat sie nie an Weissagungen oder so was geglaubt, wenn du jetzt ihr Weltbild so erschütterst und ihr auch noch gestehst, dass du Schuld an dem Ganzen hast, wird sie dir nie verzeihen und wer weiß, was ihr in ihrer Wut alles einfällt, um sich an dir zu rächen, wenn du sie erst mal von dem Fluch befreit hast. Sie war schon immer besonders nachtragend.«

»Das kann schon sein, aber wenn ich es nicht mache, wird sie auf dich sauer sein und ich glaube, das wird noch sehr viel schlimmer werden. Zum einen natürlich, weil sie dann nie die Hintergründe erfährt, aber vor allem habe ich die Erfahrung gemacht, dass nichts mehr Hass hervorruft als Enttäuschung. Natürlich ist es einfach, jemanden zu hassen, den man nicht kennt, aber es ist eine sehr viel tiefer gehende Empfindung, von jemandem verraten zu werden, dem man vertraut hat. Es gibt wohl nichts, was schmerzhafter wäre, und je näher man der betreffenden Person stand, desto schmerzhafter ist es. Wenn sie denkt, dass du als ihre beste Freundin, ihr das angetan hast, wird sie das mit Sicherheit viel mehr treffen als wenn sie denkt, dass es jemand war, den sie sowieso nicht leiden konnte.«

Da hatte Maliva ohne jeden Zweifel recht, wie Daria zugeben musste. Sie hatte es ja selbst erlebt, niemals war ihr etwas Grausameres widerfahren als der Moment, in dem sie sich von allen verlassen geglaubt hatte. Wenn ihre Eltern sich nicht wieder mit ihr versöhnt hätten, hätte sie sie bestimmt zu hassen gelernt, und wenn sie nicht diese neue Liebe hätte, an die sie sich klammern konnte, hätte sie Daniel ohne Reue in die Hölle gewünscht. Totzdem wollte sie auf keinen Fall, dass Maliva ihre Fähigkeiten zu erkennen gab. Die Gefahr war zu groß, dass Theresa mit dieser Information ein Unheil über sie brachte, und Daria konnte sich nichts Qualvolleres vorstellen, als mitansehen zu müssen, wie diesem anbetungswürdigen Mädchen ein Leid zugefügt wurde.

»Damit komme ich schon klar«, meinte sie leichthin. Lieber würde sie selbst Theresas Missgunst auf sich ziehen als ihn Maliva auszusetzen. So war es nun einmal immer, die Menschen, die einem am meisten bedeuten, will man unweigerlich beschützen.

»Und wenn sie dein Geheimnis weitererzählt? Dass dein Intimbereich ... etwas ungewöhnlich ist?«

»Darüber mache ich mir Sorgen, wenn es so weit ist.«

»Eins muss man dir lassen, du hast zumindest deinen eigenen Kopf.«

»Du aber auch«, hielt Daria ihr entgegen, die Mundwinkel zu einem leisen Lächeln verzogen, das nicht ohne Selbstironie war.

»Das kann schon sein«, räumte Maliva ein. Einen Moment lang herrschte Schweigen zwischen ihnen, doch bei Darias Grinsen und dem Eingeständnis ihrer beider Eigensinnigkeit schoss Maliva ein Gedanke durch den Kopf, der sie unvermittelt aufkichern ließ.

Darias Gesicht nahm einen etwas scheuen Ausdruck an, als vermutete sie, dass Maliva über sie lachte. »Was ist denn so komisch?«

»Nichts«, beschwichtigte Maliva sie, »ich musste nur gerade daran denken, wie das Ganze jetzt für deine Eltern aussehen muss. Bestimmt glauben sie, dass wir schon länger ein Paar sind, und du dich hast operieren lassen, damit wir ein bisschen mehr Abwechslung in unsere ... Spielchen bringen können.«

»Soll’n sie doch«, ssgte Daria achselzuckend. Sie hatte ja mittlerweile festgestellt, dass ihre Gefühle für Maliva stärker waren als ihr Wunsch nach Anerkennung, sei es nun die ihrer Eltern oder von irgendjemandem sonst. »So lange du bei mir bist, ist mir egal, was sie davon halten. Sie denken ja sowieso schon, dass ich freiwillig dieses Teil habe, dann wird es wenigstens einfacher für sie, wenn wir ihnen irgendwann mal erzählen, dass wir wirklich zusammen sind. Außerdem ... haben sie gar nicht mal so unrecht.«

»Was meinst du?«

»Na ja, es macht schon Spaß, so ein Teil zu haben. Damit könnten wir schon noch so einige neue Spiele ausprobieren ...«

Wieder erklang Malivas helles Kichern. »Das stimmt.«

»Aber eines macht mir doch Sorgen. Was soll ich denn meinen Eltern erzählen, wenn du den Fluch aufgehoben hast?«

»Tja, ich schätze mal, dass du dich wieder hast zurückoperieren lassen, oder?«

»Wieder von einem Arzt auf der Durchreise?«

»Warum nicht? Ich glaub nicht, dass sie das stört, selbst wenn sie ahnen, dass es nicht ganz der Wahrheit entspricht. Dann denken sie eben, dass es von Anfang ein Arzt hier aus der Gegend war, und du ihn nur nicht verraten wolltest.«

Daria nickte leicht. Wahrscheinlich würden ihre Eltern gar nicht weiter nachfragen, wenn sie ihnen diese Geschichte erzählte. In ihren Augen hatte sie schließlich einen Fehler gemacht, da würde es sie gar nicht weiter interessieren, ob sie gelogen hatte, sollte das nur bedeuten, dass ihre Tochter auf den Pfad der Tugend zurückgefunden hatte. Sie brauchten nicht zu wissen, dass sie diesen Weg mittlerweile sehr viel breiter einschätzte und sämtliche seiner Windungen und schlammbespritzten Abzweigungen miteinschloss. Ihre Moral war eben nicht mehr die ihrer Eltern. Wenn man klein ist, übernimmt man zwangsläufig die Wertvorstellungen, die einem vorgelebt werden, doch wärend man älter wird muss man sich seine eigenen schaffen. Sie liebte ihre Eltern, trotzdem ging es sie nichts an, was sie mit ihren Geschlechtsteilen anstellte – in welcher Hinsicht auch immer. Zudem war sie sich gar nicht so sicher, welchem Verlauf dieses unüberschaubaren Geflechts sie noch folgen würde.

»Und was ist, wenn ich mich gar nicht mehr zurückverwandeln will? Wenn ich so bleiben will wie jetzt, mit einem weiblichen Körper aber mit einer kleinen Überraschung zwischen den Beinen?«

»Willst du das denn?«

»Ich weiß nicht. Vielleicht. Aber ... würde dich das denn stören? Das ist sicher nicht das, was du dir von deiner Freundin erhofft hast, oder?«

Als sie das furchtsame Glitzern in Darias Augen bemerkte, umfasste Maliva ihre Hand fester, wie zum Zeichen ihrer unerschütterlichen Treue. »Was dich glücklich macht, macht auch mich glücklich. Was auch immer passiert, wofür du dich auch entscheidest, ich werde für dich da sein. Ich werde immer zu dir stehen und deine Hand halten.«

Erleichtert ließ Daria ihren Kopf an Malivas Schulter sinken. »Ich liebe dich.«

»Ich dich auch. Aber weißt du, du musst das ja gar nicht endgültig entscheiden. Wenn ich die Körperzauber erst mal richtig beherrsche, kann ich dir dein ... deine Überraschung jederzeit herhexen und wieder weg. Und bei mir ebenso, wenn du das willst.«

»Stimmt, daran hab ich gar nicht gedacht.«

Sich so in den Armen liegend versanken sie beide unweigerlich in der Geborgenheit ihres Zusammenseins, Daria mit geschlossenen Augen an sie geschmiegt und Maliva den mit Myriaden von Sternen erfüllten Himmel betrachtend. Als sie einen kleinen Lichtschweif bemerkte, der durch die Nacht rasend der Erde entgegenfiel, kam ihr auf einmal eine Idee. »Ich möchte dir etwas schenken«, sagte sie fest, ihren Oberkörper ein wenig von Daria entfernend, um sie ansehen zu können, doch ohne sich aus ihrer Umarmung zu lösen.

»Das musst du nicht«, hauchte Daria, ihre Stimme nur ein traumschwelgerisches Flüstern.

»Ich weiß, aber ich möchte es gerne. Du sagtest doch, du liebst Sternschnuppen, richtig?«

»Ja?«, antwortete Daria mit fragendem Unterton, nicht sicher, worauf Maliva hinauswollte. Wer liebte Sternschnuppen denn nicht? Es war einfach herrlich, sie in der Dunkelheit schimmern zu sehen, wie ein fernes Lodern, das vergehende Funken hinter sich herziehend auf die Welt hinabstürzte. Immer, wenn sie abends noch draußen war, hatte sie Auschau nach ihnen gehalten und sich gefreut, sobald sie eine entdeckte.

»Dann woll’n wir mal sehen, ob wir nicht eine finden«, sagte Maliva un ließ ihren Blick suchend umherstreichen. »Da!«, rief sie dann unvermittelt aus. »Da ist eine.«

Daria folgte ihrem ausgetreckten Zeigefinger, und tatsächlich war dort eine Sternschnuppe zu sehen, die ihre Reise durch die Atmosphäre gerade erst angetreten hatte, in der sie unvermeidlich zu Asche zerfallen würde, doch noch bevor sie irgendetwas darauf sagen konnte, streckte Maliva die Hand nach dem aufflammenden Schein aus. Wie auf einem Foto mit erzwungener Perspektive schlossen sich die Finger um ihn, doch im Gegensatz zu dieser spielerischen Verzerrung der Wahrnehmung war dies hier Wirklichkeit. Als sich ihre Hand wieder senkte, war das sanfte Leuchten am Himmel verschwunden, stattdessen strahlte es nun zwischen den zur Faust geballten Fingern hindurch. Maliva hatte tatsächlich eine Sternschnuppe für sie aufgefangen, sie hatte sie einfach vom Himmel gepflückt wie eine schimmernde Blume aus dem Garten der Nacht.

»Heiß«, sagte das Hexenmädchen gelassen, als hätte sie nur die Dusche zu warm eingestellt, und öffnete ihre Finger. Auf ihrer Handfläche lag nun ein Gegenstand von der Größe einer Murmel, der aussah wie ein schwelendes Stück Kohle. »Ich weiß, der Spruch ist etwas abgegriffen, aber ich meine es völlig ernst. Für dich würde ich die Sterne vom Himmel holen.« Sie pustete über den Meteoriten in ihrer Hand hinweg, und Staub stob von ihm auf wie Rauch, der vom Wind davongetragen wurde. Darunter kam eine wunderschöne Perle zum Vorschein. Sie war vollkommen rund und so ebenmäßig, als wäre sie aus milchigem Glas, doch ging von ihr ein mattes Glühen aus, das die Schatten um sie herum vertrieb. Eine goldene Kette hing von ihr herab, als verbarg jeder Meteorit so etwas in seinem Inneren. Andächtig nahm Maliva sie auf und hängte sie Daria um den Hals. »Diese Sternschnuppe soll dich immer an mein Versprechen erinnern. Sie leuchtet genauso ewig wie meine Liebe zu dir, und es gibt nichts, was sie zum Erlöschen bringen könnte. Ich hoffe, wenn du sie ansiehst, denkst du daran, dass ich niemals verlassen werde.«

Daria konnte sie nur sprachlos und mit vor Staunem geweiteten Augen ansehen. Sie konnte gar nicht fassen, was Maliva für sie getan hatte, und dabei ging es ihr gar nicht um die Sternschnuppe an sich. Ihr war klar, dass dies ein weitgereister Bote war, winizge Partikel, die sich trotz allem in den Weiten des Alls vereint hatten, die bereits existierten, noch bevor die Sonne entstanden war und eine Strecke zurückgelegt hatten, die man nicht einmal erahnen konnte. Natürlich hatte Maliva ein wenig ihren Zauber miteinwirken lassen, die Atome neugeordnet, wie sie gestern erklärt hatte, dennoch war das, was sie nun um ihren Hals trug, nichts anderes als Sternenstaub, ein wahres Wunder also, aber ein Gedanke berührte Daria noch mehr. Maliva hatte den Meteoriten vor dem Flammentod gerettet, er wäre in der Erdatmosphäre verglommen, hätte sie ihn nicht rechtzeitig abgefangen, und ebenso war sie selbst von ihr gerettet worden, sei es nun vor einem Dasein in Verbannung oder einem der Gefangenschaft in unsinnigen Restriktionen. Daria hatte das Gefühl, erst durch sie befreit worden zu sein, und so war dieser Anhänger wirklich ein Symbol ihrer Liebe.

Für einen Augenblick versuchte Daria sich dagegen zu wehren, doch dann ließ sie ihren Tränen, die schon den ganzen Abend nur mit Mühe hatte zurückhalten können, endlich freien Lauf. Es war, als würde eine weiter Bürde von ihr genommen. Früher hätte sie es sich nie erlaubt, vor anderen zu weinen und obwohl Maliva sie schon einmal so gesehen hatte, als sie sie im Zimmer ihrer Großmutter überrascht hatte, schien dies das erste Mal zu sein, dass sie sich so offen zeigen konnte. Von ihr hatte sie nichts als Verständnis und Zuneigung zu erwarten, sodass sie sich jetzt hemmungslos den aus ihr hervorströmenden Emotionen hingeben konnte. Ein Laut tiefsten Glücks entrang sich ihr, auch wenn er in ihrer Aufgewühltheit wie ein Schluchzen klang.

»Versuchst du etwa, mich ins Bett zu kriegen?«, brachte sie schließlich hervor, ebenso freudestrahlend wie leise vor sich hinheulend.

»Ich dachte das hätte ich schon geschafft«, sagte Maliva, wobei die Unbekümmertheit ihrer Worte nicht über ihre eigene Ergriffenheit hinwegtäuschen konnte, »oder hattest du heute tatsächlich vor, mich auf dem Boden schlafen zu lassen?«

»Glaub mir, ab heute werd ich oft bei dir übernachten, aber keine von uns wird dabei auf dem Boden schlafen.« Langsam ließ Daria ihre bebenden Lippen denen von Maliva entgegensinken, bis sie endlich wieder zusammenfanden, und in diesem rückhaltlosen, zärtlichen Kuss fanden sie beide alles, was sie sich je erhofft hatten.

Finita est comoedia

 

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*Ray Bradbury: Fahrenheit 451, Diogenes Verlag, Zürich, 2008. Übersetzt von Fritz Güttinger.



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