Der Freak-Club (Des Desasters zweiter Teil)

BY : Hoellenspass
Category: German > Originals
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Disclaimer: This is a work of fiction. Any resemblance to real people, dead or living, is purely coincidental.

~1~

Willkommen im Club

Als Fantasma in den Bus stieg, wußte sie gar nicht, wo sie zuerst hinsehen sollte. Überall saßen unglaublich gutaussehende Mädchen, und sie würde ab jetzt mit ihnen dieselbe Schule besuchen. Der kleine Shuttle-Bus, der die Schülerinnen vom Bahnhof zum Internat fahren sollte, mußte schon einige Zeit stehen. Obwohl der Bahnhof nicht besonders groß war, hatte Fantasma sich in seinem verschschtelten Inneren verlaufen, sodaß sie sich mit dem Koffer in ihrer Hand abgehetzt hatte, um noch rechtzeitig den Bus zu finden.

»Hallo«, begrüßte der Fahrer sie freundlich, »wie ist denn dein Name?«

»Fantasma Gloria.«

»Und dein Nachname?«

»Gloria ist mein Nachname.«

»Oh«, machte der Fahrer und beeilte sich, den Blick auf eine Liste zu senken, die an einem Klemmbrett befestigt war. Er hakte ihren Namen ab, bevor er sich wieder ihr zuwandte. »Sehr gut, dann sind wir ja endlich vollzählig. Such dir einen freien Platz, wir fahren gleich los.«

Den Koffer hinter sich her über den Boden schleifend schritt Fantasma durch den Gang zwischen den Sitzen. Anscheinend kamen nich viele Schülerinnen von so weit außerhalb wie sie, oder sie wurden von ihren Eltern hingebracht, jedenfalls war der Bus nur etwa zur Hälfte gefüllt, obwohl er nicht besonders groß war. Trotzdem saß auf jeder der Bänke schon mindestens ein Mädchen. Flüchtig ließ Fantasma ihren Blick über die Passagiere schweifen, um zu entscheiden, zu wem sie sich setzen sollte. Ganz hinten fiel ihr ein Paar eineiiger Zwillinge auf, doch da jede Bank nur aus zwei Sitzen bestand, konnte sie sich nicht mehr zu ihnen quetschen ohne aufzufallen. Unmittelbar neben ihr versteckte sich ein Mädchen mit dunklem brünetten Haar hinter einem abgegriffenen Taschenbuch. Von ihrem Gesicht war hinter dem Buch nicht viel zu sehen, aber Fantasma fand, daß sie irgendwie nett wirkte.

Sie wollte sich gerade zu ihr setzen, als sie auf dem Platz direkt dahinter ein Mädchen bemerkte, das fast zu erstrahlen schien wie eine geisterhafte Erscheinung. Ihr Haar war so hell, daß es weiß wirkte, und ihr Teint so blaß, daß die dünnen roten Lippen unnatürlich deutlich hervorstachen. Gekleidet war sie den sommerlichen Temperaturen entsprechend in ein weites, gleißend weißes Kleid. Die Neugier siegte. Fantasma ging weiter vor bis zu der bleichen zierlichen Gestalt und wuchtete ihren Koffer in das Gepäckfach über ihr, als der Bus langsam anfuhr.

»Darf ich?«, fragte sie, während sie sich bereits an dem Mädchen vorbeiquetschte. Auf dem Fensterplatz hatte sie offenbar ihre Reisetasche abgelegt, aber Fantasma hob sie einfach auf, bevor sie sich setzte.

Emilia hatte ihr bestes gegeben, um das fremde, schwarzhaarige Mädchen zu ignorieren, warf ihr aber jetzt doch einen düsteren Blick zu, als sie ihr einfach ihre Tasche in die Hand drückte. Sie hatte doch nun wirklich alles versucht, um klar zu stellen, daß sie keine Gesellschaft wünschte. Sie hatte sich an den Gang gesetzt, den freien Tasch neben ihr mit der Tasche belegt, die Kopfhörer ihres Handys und einen schlecht gelaunten Gesichtsausdruck aufgesetzt. Wie hätte sie es noch deutlicher machen können? Fantasma schien sich daran jedoch nicht zu stören. Sie musterte Emilia mit unverhohlener Neugier, doch ging ihr Blick verträumt durch sie hindurch. Sie stellte sich gerade vor, wie das auffallend helle Mädchen unter einem dichten, wolkenbedeckten Himmel stand, von sanft herabfallendem Schnee umweht, und sie vor dem weißen Hintergrund einfach verschwand.

Irgendwann wurde Emilia das aufdringliche Starren zu viel. Gereizt nahm sie die Kopfhörer aus den Ohren und drehte sich zu Fantasma um. »Hab ich was im Gesicht oder so?«

»Hm?«, machte Fantasma aus ihrem Tagtraum erwachend, bevor sie die Frage doch noch verstand. »Oh. Äh... nein.«

»Warum guckst du dann so?«

»Deine Haare. Ungewöhnliche Farbe, oder?«

Emilia zuckte mit den Schultern. »Kann schon sein.«

»Ist die echt oder ein bißchen zu sehr gebleicht?«

»Echt.«

»Bist du ein Albino?«

»Was?! Wie kommst du denn darauf? Oder hab ich etwa rote Augen?«

Erst jetzt, als Fantasma dem Mädchen tief in die Augen sah, fiel ihr auf, daß sie unterschiedliche Farben hatten: das linke war blau, das rechte grün. Sie fragte sich, wie sie das vorher hatte übersehen können, konzentrierte sich jetzt aber trotzdem auf die Pupillen. Vielleicht täuschte sie sich, aber sie glaubte, tief in derer unendlicher Schwärze einen rötlichen Schimmer zu entdecken. »Weiß nich’ genau...«

Emilia hielt das für einen nicht besonders gelungenen Witz und wollte sich schon wieder abwenden, doch so schnell ließ das Mädchen nicht locker. »Ich bin Fantasma Gloria. Und wie heißt du?«

»Emilia.«

»Emilia? Was haben sich deine Eltern denn dabei gedacht?«

Emilia blinzelte etwas befremdet. Sie mochte ihren Namen eigentlich ganz gern.

»Hast du einen Spitznamen?«

»Nein.«

»Wie wär’s mit Mia?«

»Wenn’s unbedingt sein muß...«

»Ja, muß es! Du kannst doch nicht rumlaufen und allen erzählen, du heißt Emilia. Da wirst du doch ausgelacht!«

Nun ja, da hatte sie vielleicht sogar recht, überlegte Emilia. Sie hatte in ihrem Leben bisher noch nicht viel mehr als Ablehnung erfahrenauch wenn das eher selten auf ihren altmodischen Namen zurückzuführen war. »Und wie ist dein Spitzname? Fanta?«

»Nenn mich so und du stirbst! Fantasma hat keine Abkürzung nötig, es ist ein schöner Name.«

»Aha. Dann soll ich dich also nicht Gloria nennen?«

»Warum sollte ich wollen, daß du mich mit meinem Nachnamen ansprichst?«

»Dein Nachname ist Gloria?«

»Ja. Was dagegen?«

»Nö, nö. Überhaupt nicht.« Eigentlich fand sie sogar, daß er sehr gut klang - so gut, daß sie es für einen Doppelnamen gehalten hatte. Sie konnte nicht ahnen, daß Fantasma immer wieder mit diesem Irrglauben zu kämpfen hatte. Vielleicht war sie sogar ein wenig beleidigt, jedenfalls blickte sie jetzt Nachdenklich aus dem Fenster in die verschwommen vorbeiziehende Landschaft. Naja, so hatte Emilia wenigstens ihre Ruhe. Sie wollte sich gerade ihre Kopfhörer in die Ohren stecken, als Fantasma sich ihr doch wieder zuwandte.

»Und? Wie ist das Leben im Internat so?«, fragte sie leise, in den Augen ein sorgenvolles Schimmern.

»Keine Ahnung. Ich geh zum ersten Mal auf ein Internat.« Emilia konnte Fantasmas Bedenken gut verstehen. Seit es feststand, daß sie von nun an diese Schule besuchen würde, hatte sie sich insgeheim auch schon oft überlegt, wie es wohl sein würde.

»Was? Du bist auch neu?«, freute Fantasma sich. »Cool.« Dann hatte sie sich ja doch den richtigen Platz ausgesucht. Natürlich wäre es auch schön gewesen, neben jemandem zu sitzen, der schon länger aufs Internat ging und ihr etwas darüber erzählen konnte, aber sie hatte schon befürchtet, die einzige zu sein, die neu hierher wechselte, sodaß sie erleichtert war, doch nicht allein in dieser Situation zu sein. So konnten sie gemeinsam das Internatsleben und seine Besonderheiten kennenlernen. »Und warum kommst du plötzlich nach zwei Jahren auf deiner alten Schule auf diese?«

»Ich hab ein Stipendium bekommen. Das Internat hat in meiner Schule so einen komischen Test gemacht und anscheinend habe ich bestanden.«

»Hey, genauso war’s bei mir auch!« Fantasma wußte gar nicht, womit sie sich ein Stipendium verdient haben sollte. In dem Schreiben, das ihre Eltern bekommen hatten, stand etwas von ›besonderen Leistungen‹. Ihr war nicht ganz klar, seit wann es als besondere Leistung angesehen wurde, wenn man es schaffte, jede einzelne Frage falsch zu beantworten, was bei ihr vermutlich der Fall gewesen war. Allerdings hatte es auch ein paar Kreativaufgaben gegeben, vielleicht hatte sie da ja irgenetwas richtig gemacht. Zumindest wurde ihr oft gesagt, wieviel Phantasie sie doch habe, auch wenn ihre Lehrerinnen das nicht so verständnisvoll wie ihre Eltern ausdrückten. Für die war sie einfach nur eine Träumerin, die im Unterricht nie aufpaßte. »War die Teilnahme bei dir auch Pflicht?«

Emilia nickte. Andernfalls hätte sie da auch bestimmt nicht mitgemacht. Erst hinterher hatte ihre Mutter ihr gesagt, sie solle alles tun, um ausgewählt zu werden.

»Weshalb haben sie dich genommen?«, fragte Fantasma.

»Wegen der Testergebnisse?«, vermutete Emilia. Jedenfalls konnte sie sich keinen anderen Grund vorstellen. Sie hatte sich beim Test nicht besonders angestrengt, aber trotzdem alle fragen so gut sie konnte beantwortet. Auch wenn ihre Mutter das vielleicht anders sah, mehr hatte sie ja gar nicht tun können.

»Cool. Heißt das, du bist ein Genie oder so?«

Emilia zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Du?«

»Ich glaub nicht, aber wenn die das meinen...«, grinste Fantasma.

»Naja, so kann man es natürlich auch sehen.« Emilia wollte nicht vorschnell urteilen - das war ihrer Meinung nach einer der größten Fehler, die die Menschheit zu dem machten, was sie war - aber bisher kam ihr Fantasma nicht unbedingt hochbegabt vor, obwohl ihre Verträumtheit vielleicht tatsächlich ein Zeichen von Intelligenz war. Sie selbst hatte in der Schule nie Probleme gehabt, wenigstens nicht was die Zensuren betraf, war aber trotzdem nicht viel mehr als mittelmäßig. Allmählich bekam sie den Eindruck, das Auswahlkomitee des Internats hatte nicht wirklich Ahnung von dem, was es tat. Wenn sie beide die Elite darstellen sollten, wie waren dann erst die anderen Schülerinnen?

Nun, sie würde bald Gelegenheit haben, das herauszufinden. Als sie an Fantasma vorbei aus dem Fenster schaute, tauchte zwischen den Bäumen ein riesiges Gebäude auf, das zweifellos das Richard Wagner Internat für Mädchen war. Man mochte von Fantasmas offener Art halten, was man wollte, aber Emilia mußte zugeben, daß die Unterhaltung mit ihr die Fahrt wie im Flug hatte vorübergehen lassen. Natürlich wußte sie, daß die Schule nicht weit von der Stadt entfernt lag, aber sie hatte das Gefühl, sich eben erst hingesetzt zu haben, und nun waren sie schon fast da.

Selbst Fantasma schwieg jetzt und beobachtete, wie der Bus in die Auffahrt zum Schulgelände abbog. Ein großes Tor aus Eisengittern versperrte hier den Weg, doch entweder öffnete der Fahrer es mit einer Fernbedienung, oder irgendjemand sonst hatte ihre Ankunft erwartet, jedenfalls schwang es automatisch nach innen auf. Der Bus setzte seinen Weg fort, mußte jedoch nur noch ein kleines Stück zurücklegen, bis er an einer überfüllten Parkbucht ankam. Überall hielten Autos, vor denen Eltern ihre Töchter verabschiedeten, und Kinder ihr Gepäck ausluden.

Wider Erwarten fand auch der Bus eine Haltemöglichkeit in dem geschäftigen Chaos. Als der Fahrer die Tür aufgleiten ließ, erhoben sich Emilia und Fantasma ebenso von ihren Plätzen wie die anderen Mädchen und holten ihre Koffer aus den Fächern über ihnen. Emilia ließ sich Zeit, bis sich das Gedrängel an der Tür lichtete. Sie haßte Menschenmengen. Als sie als eine der letzten den Bus verließ, blinzelte sie geblendet im hellen Licht der Nachmittagssonne. Die meisten Schülerinnen gingen sofort auf das Internat zu, nur wenige verweilten wie sie unschlüssig auf dem Hof. Wahrscheinlich ebenfalls Neulinge, vermutete Emilia. Unter ihnen war auch Fantasma, die sich dicht in ihrer Nähe hielt.

Einen Moment lang betrachtete sie das Gebäude. Am auffälligsten war wohl die beeindruckende Größe. Es hatte anscheinend drei Obergeschosse, aber die Fassade war sogar noch sehr viel breiter als sie hoch war und gesäumt von unzähligen Fenstern. Die gelb verputzten Wände, verziert mit weißem Stuck, wiesen eindeutig darauf hin, daß es kein Neubau war, viel mehr mußte es sich um das Anwesen eines alten Adelsgeschlechts oder so etwas handeln.

»Die Neuen bitte zu mir!«, unterbrach eine eher gelangweilte als autoritäre Stimme Emilias Begutachtung ihres zukünftigen Heims. Widerwillig lenkte sie ihre Aufmerksamkeit auf die Person, um die sich jetzt die kleine Gruppe der verloren wirkenden Mädchen aus dem Bus sammelte. Es war ein grauhaariger Mann in einer Uniform. Emilia konnte es kaum glauben, aber ein dicker Schnauzer überwucherte seine Oberlippe. Sie hatte bisher angenommen, daß seit mindestens dreißig Jahren niemand mehr freiwillig so herumlief. Er sah ohnehin so aus, als stünde er kurz vor der Rente, es war also nicht verwunderlich, daß er keine Ahnung von aktueller Mode hatte. Trotz des Barts, der sein Gesicht verunstaltete, wirkte er sehr freundlich, wenn auch ziemlich gleichmütig. Aber wahrscheinlich brauchte man als Pfötner eine gesunde Portion Gleichmut, besonders wenn man dazu abgestellt war, inmitten einer Horde lärmender Schulmädchen sich um die Neuen zu kümmern.

»Okay«, fuhr der Portier fort, als ihn alle neugierig ansahen, »ich führe euch jetzt zur Schulverwaltung, dort werden sich unsere beiden Sekretärinnen weiter um euch kümmern, euch eure Zimmer zuweisen und so weiter.« Er drehte sich um und ging offenbar davon aus, daß sie ihm folgen würden, was sie auch taten.

Als sie den Hof überquerten, beobachtete Emilia aus den Augenwinkeln, wie die Mädchen, die nicht mit dem Bus gekommen waren, von ihren Eltern verabschiedet wurden. Ihrer eigenen Mutter war es zu anstrengend gewesen, sie den ganzen Weg bis in diese abgelegene Gegend zu fahren. Sie hielt sie schon für verantwortungsbewußt genug, um allein mit der Bahn anzureisen. Emilia war das nur Recht. Sie hatte sich lieber Zuhause von ihrer Mutter verabschiedet als hier unter aller Augen, wo sie nicht gewußt hätte, wie sie sich verhalten sollte. Aber sie war sich auch gar nicht sicher, ob ihr Abschied so überschwänglich ausgefallen wäre wie der der anderen Eltern hier. Küßchen verteilend umarmten die ihre Kinder ohne auf deren doch eher genervten Blicke zu achten.

Ein Paar fiel Emilia besonders auf. Es waren zwei Frauen, möglicherweise war eine von beiden die Tante, aber beide verhätschelten das Mädchen in ihren Armen auf besonders peinliche Weise. Nachdem sie sich endlich aus der von unterdückten Tränen begleiteten Umklammerung befreit hatte, sah sie sich etwas ratlos um. Doch bevor die zwei Frauen noch auf die Idee kamen, sie bis in die Schule zu begleiten, gesellte sie sich zu der kleinen Schar Schülerinnen, die mit dem Portier zusammen in diesem Augenblick an ihr vorüberzog. Sie winkte ihnen nur noch kurz unauffällig zu, dann war sie in der unter ihnen verschwunden.

Emilia hielt sich wie immer ganz hinten in der Menge, möglichst isoliert, doch wich Fantasma noch immer nicht von ihrer Seite. Eigentlich verstand Emilia sie ganz gut, natürlich war es nicht einfach, sich plötzlich in einer fremden Umgebung allein unter unbekannten Menschen wiederzufinden. Da war es doch ganz logisch, sich erst einmal an die einzige Person zu klammern, die man bisher kennengelernt hatte. Sie verstand nur nicht, wieso Fantasma sich ausgerechnet sie ausgesucht hatte, vor allem nachdem sie ihrer Meinung nach völlig unmißverständlich darauf hingewiesen hatte, daß sie keinen gesteigerten Wert auf Gesellschaft legte.

Dabei war das Gefühl, hier alleine zu sein, für sie genauso beängstigend wie für Fantasma, vielleicht sogar noch mehr. Aber selbstverständlich nicht, völlig allein zu sein, damit war sie vertraut und in Anbetracht der Alternativen hatte sie es auch nie als unangenehm empfunden. Aber umgeben zu sein von fremden Leuten war etwas anderes. Sie hatte einfach schon zu oft erlebt, was in solchen Situationen geschah; zu viel mißbrauchtes Vertrauen und zu viele vermeintliche Freunde, die sich von ihr abgewendet hatten. Sie wußte nicht genau, woran es lag, aber früher oder später wurde sie immer zwangsläufig ausgegrenzt. Vielleicht war das auch einer der Gründe, warum sie letztendlich doch zugestimmt hatte, hierher zu kommen, was auch immer das ganze sollte.

Emilia hatte jetzt auch gar keine Zeit, weiter darüber nachzudenken. Der Pförtner führte ihre Gruppe zielstrebig die wenigen weiß gestrichenen Stufen zur gläsernen Eingangstür hinauf. Dahinter lag ein kurzer, schmaler Gang, in dessen Wand sich eine große Aussparung in einen kleinen Raum befand, wahrscheinlich dem eigentlichen Büro des Portiers. Der ging aber ohne es weiter zu beachten voraus in die riesige Haupthalle des Internats. Hier ging von beiden Seiten eine Treppe ab, die zu den oberen Stockwerken hinaufführte, von wo aus zahlreiche Gänge sich in den tieferen Winkeln des Gebäudes verloren. Die Obergeschoße bildeten Gallerien, so daß man bis ganz hinauf zum Dach blicken konnte, eine dicke Glaskuppel durch die der Himmel zu sehen war. Das einfallende Licht erhellte die gesamte Halle, aber für die Nacht hing ein riesiger Kronleuchter von der Decke.

Staunend betrachteten die Mädchen die hoch über ihnen gelegene Kuppel und verlangsamten ihren Schritt, nur Emilia warf einen gelangweilten Blick nach oben, bevor sie weiter dem Pförtner folgte. Der betrat einen Gang links von ihnen, in den auch schon ein Schild mit der Aufschrift ›Anmeldung‹ wies. Fantasma schüttelte den Kopf, als sie bemerkte, daß sie inzwischen alleine unter dem Kronleuchter stand und beeilte sich, Emilia einzuholen, die den anderen hinterher in einen Flur ging. Etwa in dessen Mitte stand eine Tür weit offen, durch die der Pförtner sie nun führte.

»Hallo«, begrüßte er die beiden anwesenden Frauen und deutete mit dem Daumen hinter sich, »hier sind die Neuen, die mit dem Bus angekommen sind.«

Die beiden Sekretärinnen sahen von ihren Schreibtischen auf. Emilia fand, daß sie reichlich fantasielos aussahen. Mit ihren Dauerwellen und den altmodischen Brillen, die trotzt der gefärbten Haare ihr Alter verrieten, wirkten sie wie die Verkörperung ihrer eigenen klischeebehafteten Vorstellung einer Schulsekretärin.

»Danke, Hugo«, sagte diejenige, die der Tür am nächsten war, kühl.

»Kein Problem«, erwiederte der Pförtner und verließ den Raum durch die weiterhin offenstehende Tür. Noch bevor sich die Sekretärin wieder den Mädchen zuwenden konnte, hatte sich eines von ihnen auf einen der beiden Stühle gesetzt, die an einer Wand standen. Dort holte sie ein Buch aus der Tasche und begann augenblicklich zu lesen. Fantasma erkannte in ihr die Dunkelhaarige wieder, die schon im Bus völlig in ihr Buch versunken war. Titel und Autor sagten ihr erwartungsgemäß nichts, aber immerhin erkannte sie, daß es sich um einen Kriminalroman handelte. Es war schwer zu sagen, ob es die Sekretärin störte, daß sich eine von ihnen anderweitig beschäftigte, falls dem so war, ließ sie es sich nicht anmerken.

»Erstmal willkommen im Richard Wagner Internat für Mädchen«, sagte sie. »Ich bin Frau Vitrial und das ist meine Kollegin Frau Lage. Wir leiten diese Schule sozusagen.«

Ein amüsiertes Aufschnauben kam hinter dem Buch hervor, das das Mädchen in der Ecke in Händen hielt. Emilia wußte nicht, ob der belustigte, etwas verächtliche Laut ihrer Lektüre oder tatsächlich Frau Vitrials Worten geschuldet war, jedenfalls konnte sie sich bei deren Beschreibung ihrer Tätigkeit selbst ein Lächeln nicht verkneifen.

»Nun«, fuhr Frau Vitrial ungerührt fort, »wenn ihr Fragen oder Problem habt, könnt ihr euch an uns wenden und wir schauen dann gemeinsam, was wir machen können. Mal sehen...« Sie zog einen Ordner von ihrem penibel aufgeräumten Schreibtisch und schlug eine Seite ganz vorne auf. »Wenn alles seine Ordnung hat, solltet ihr alle auf dieser Liste stehen. Ich werde euch jetzt der Reihe nach aufrufen und dann alles weitere erklären. Als erstes bitte Nadine und Nicole Deuze.«

Ein Zwillingspärchen trat vor, so dicht aneinandergedrängt, daß ihr wildes rotes Haar untrennbar verwoben wirkte. Emilia fiel auf, daß sie ihre Arme beschützend umschlungen hielten. Ihre blauen Augen machten einen schüchternen, fast ängstlichen eindruck, als sie Frau Vitrial erwartungsvoll ansahen.

Sie suchte sich mehrer Zettel aus verschieden Ablegefächern zusammen und reichte sie ihnen. »Das ist die Schulordnung, ein Lageplan, damit ihr euch nicht verlauft und euer Stundenplan. Ihr geht beide in Klasse 7a und teilt euch Zimmer 51.« Die Zwillinge lächelten sich erleichtert an, immer noch ohne ein Wort zu sagen, aber Frau Vitrial ließ ihnen keine Zeit, ihrer Freude weiteren Ausdruck zu verleihen, bevor sie weitersprach. »Ich habe euer Klassenzimmer und euren Wohnraum auf der Karte markiert. Bei uns gibt es nur Doppelzimmer und sie sind alle gleich, es gibt also keinen Grund, sie zu tauschen, und daß das auch nicht erlaubt ist, muß ich gar nicht erst erwähnen, oder?« Sie ließ ihren Blick bedeutungsvoll über die anderen Mädchen in dem Raum wandern, bevor sie sich wieder den Zwillingen zuwandte. »Hier habt ihr noch den Schlüssel. Gut drauf aufpassen, verschwundene Wertgegenstände werden nicht ersetzt.«

Nadine und Nicole nahmen je einen Schlüssel entgegen, nickten einen stummen Dank und schon waren sie wieder in der kleinen Gruppe wartender Schülerinnen untergetaucht.

Frau Vitrial warf einen kurzen Blick auf die Liste, dann rief sie die nächste auf. »Emma Kerzenmacher, bitte.«

Geräuschlos klappte das in dem Stuhl sitzende Mädchen ihr Buch zu und trat vor den Schreibtisch. Sie sah ziemlich unauffällig aus, fand Emilia. Braune Augen, braunes Haar, eine dünne Brille auf der Nase. Trotzdem wirkte sie sehr sympathisch.

»Ebenfalls Klasse 7a. Zimmer 53. Schulordnung, Karte, Stundenplan, Schlüssel«, zählte Frau Vitrial auf und drückte ihr alles ohne besondere Höflichkeit in die Hand. Emma öffnete schon den Mund, um zu einer Bemerkung anzusetzen, ließ es aber dann doch lieber bleiben. Vielleicht hatte sie doch einmal ein Problem, und Frau Vitrial machte ganz den Eindruck, als könne sie sich Gesichter gut merken.

»Danke«, sagte sie deshalb nur, konnte den sarkastischen Unterton in ihrer Stimme aber nicht völlig unterdrücken. Das fiel ihr ohnehin oft schwer. Frau Vitrial nickte ihr knapp zu, während sie sich wieder auf dem Stuhl niederließ und ihr Buch hervorholte.

»Fantasma Gloria...«, rief sie stockend aus. Während Fantasma sich vor ihrem Schreibtisch einfand, glitt Frau Vitrials Blick über die Liste, bevor sie sie doch endlich ansah. »Dein Nachname steht hier gar nicht«, sagte sie entschuldigend.

»Doch, doch«, meinte Fantasma näselnd, »Gloria ist mein Nachname.«

»Ach so. Nun gut.« Frau Vitrial übergab ihr den Zimmerschlüssel und die Zettel, die sie benötigte. »Du bist auch in Klasse 7a, dein Zimmer ist die Nummer 47.«

»Okay, danke«, sagte Fantasma, bevor sie sich umwandteund sich wieder an der Wand in unmittelbarer Nähe zu Emilia stellte. Lange blieben sie allerdings nicht so ungestört.

»Dann hätten wir noch Emilia Grimm«, hakte Frau Vitrial weiter ihre Liste ab. »Du bist in Zimmer Nummer 53 und in Klasse... 7a.« Sie runzelte die Stirn. Hatte die Direktorin etwas vor, alle Neuen eines Jahrgangs in dieselbe Klasse zu schicken? Frau Ferria, die vor ihr dieses Amt bekleidet hatte, wäre dieser Fehler sicher nicht unterlaufen. Sie hatte ihre Stellung zwar nicht lange innegehabt, bevor sie spurlos verschwunden war, trotzdem schien sie genau gewußt zu haben, was sie tat und hatte eine angemessene Autorität an den Tag gelegt. Die neue Direktorin hingegen war ihrer Meinung nach viel zu nachsichtig mit den Schülerinnen.

»Naja, hier hast du jedenfalls deine Sachen.« Sie reichte Emilia alles Notwendige. »So, das wären dann alle von der Liste.« Sie sah sich im Büro um und entdeckte ein Mädchen mit dunkelblondem Haar und Brille, das zaghaft den Finger hob.

»Äh... ich bin auch neu hier...«, sagte sie zögerlich, so als müßte sie einen Fehler gestehen.

»Sehr gut, dann bist du hier ja schon mal richtig. Aber mit dem Bus bist du nicht gekommen, oder?«

»Ähm, nein.«

»Macht nichts. Wie in dem Bestätigungsschreiben gestanden haben müßte, hättest du dich im Laufe des Tages sowieso hier melden müssen. Wie ist denn dein Name?«

»Isabelle Kyrie.«

Emilia brauchte nicht lange, um sich an sie zu erinnern. Es war das Mädchen, das sich ihnen auf dem Hof angeschlossen hatte, nachdem die beiden Frauen sie so ausgiebig verabschiedet hatten.

Frau Vitrial holte eine andere Liste hervor und fuhr mit dem Finger über sie hinweg. »Ah ja, hier bist du ja. Klasse 7a - was für ein Wunder. Nun ja, du wohnst in Zimmer 47. Hier ist dein Schlüssel und was du sonst noch so brauchst.«

Fantasma horchte auf, als sie ihre Zimmernummer vernahm, und besah sich das Mädchen genauer, das gerade ihre Unterlagen entgegennahm. Dies war der Augenblick, vor dem sie sich am meisten gefürchtet hatte, zu erfahren, wer ihre zukünftige Mitbewohnerin sein würde. Insgeheim hatte sie inzwischen gehofft, daß es Emilia sein würde, die sie auf eine Art, die sie selbst nicht ganz verstand, als überaus anziehend empfand, trotz ihres zu Anfang fast ablehnenden Verhaltens. Es war nicht nur die Tatsache, daß sie sich nun bereits kannten, sie mochte einfach die Art des blassen Mädchens. Außerdem kam sie nicht umhin, sich einzugestehen, daß sie ihr Aussehen überaus attraktiv fand. Dennoch war sie ein wenig erleichtert, als sie Isabelle eingehender musterte. Mit ihren weizenfarbenen Locken und den dunklen Augen war sie zweifellos schön, gleichzeitig wiesen ihre linkischen Bewegungen, mit denen sie immer wieder ihre Brille zurechtrückte, und ihre offensichtliche Zurückhaltung darauf hin, daß sie sich dessen gar nicht bewußt war. Das machte sie Fantasma auf Anhieb sympathisch.

»So«, riß Frau Vitrial sie aus ihren Gedanken, »jetzt solltet ihr so weit alles haben, außer den Schulbüchern. Die bekommt ihr in der Bibliothek, dazu müßt ihr nur euren Namen angeben, die Bücher sollten schon für euch zusammengestellt sein.«

Emma hob ruckartig den Kopf. »Bibliothek?«, fragte sie neugierig. Emilia mußte sie doch schon ein wenig bewundern. Dafür, daß ihre Nase ständig in einem Buch steckte, bekam sie erstaunlich viel mit.

»Ja, sie ist hier unten, gleich neben der Haupthalle. Sie ist auch in der Karte eingezeichnet, die ich euch vorhin gegeben habe.«

Einen Moment lang überlegte Emma, ob jede Aussage von Frau Vitrial wie ein Vorwurf klang, oder nur wenn sie mit ihr sprach, entschied sich aber eine viel wesentlichere Frage zu stellen: »Aber da gibt es wahrscheinlich nur Schulbücher, oder?«

»Nein. Ihr findet dort zwar auch Bücher zum Unterrichtsstoff, mit denen ihr euer Wissen vertiefen könnt, wenn ihr wollt, daneben gibt es aber auch Bücher aus allen möglichen Genres. Die Schulleitung hat schon vor einiger Zeit beschlossen, daß es besser ist, unseren Schülerinnen in dieser Form eine sinnvolle Beschäftigung anzubieten, als sie unter dem Einfluß von Videospielen zu lassen, die sie mitbringen.«

Emma nickte überrascht. Sie konnte es kaum erwarten, der bibliothek einen Besuch abzustatten, um zu sehen, wie groß ihre Auswahl tatsächlich war. Vielleicht hätte sie sich ihre Reise ein bißchen erleichtern können, wenn sie das vorher gewußt hätte.

»Die Bücher könnt ihr später noch abholen«, fuhr Frau Vitrial fort, »jetzt könnt ihr euch erst mal eure Zimmer ansehen und eure Koffer abstellen. Aber beeilt euch lieber, um 4 Uhr fängt die Ansprache der Direktorin zum neuen Schuljahr in der Aula an.«

»Besteht dabei Anwesenheitspflicht?«, fragte Emilia so unschuldig wie möglich.

»Allerdings.«

»Ah ja.« Das hatte Emilia auch gar nicht anders erwartet. In diesem Moment platzten zwei weitere Mädchen ins Büro, die sich noch schnell zurückmelden wollten, bevor sie auf ihr Zimmer gingen.

»Wie ihr seht, haben wir heute viel zu tun. Am besten, ihr lebt euch schon mal ein«, versuchte Frau Vitrial die Neuen der Klasse 7a abzuwimmeln. »Eure Zimmer sind alle im ersten Stock. Viel Spaß.« Dann wandte sie sich den beiden Neuankömmlingen zu.

Damit war die Begrüßung in ihrem neuen Heim offensichtlich beendet. Emilia nahm ihre Reisetasche wieder auf und ging vor die Tür. Dort wartete sie auf die anderen. Als die etwas verloren aussehend herauskamen, schloß sie sich ihnen an, die ihr inzwischen schon unglaublich vertraut erscheinende Fantasma neben sich. So wie sie gekommen waren, kehrten sie auch wieder zurück in die imposante Halle, doch stiegen sie diesmal die Treppe direkt hinter dem Flur an der Wand hoch. Die Etage, die sie nun betraten, war mit einem vornehm wirkenden roten Teppich ausgelegt und wurde dezent von Wandlampen ausgeleuchtet, was auch notwendig war, da keine Fenster zu sehen waren. Die mußten sich alle innerhalb der Räume befinden.

Emilia warf einen kurzen Blick auf die Karte, während sie hinter den anderen einem Korridor folgte. Sie hielt vor einer Tür, an der mit metallenen Ziffern die Zahl 47 angebracht war. Fantasma war offenbar wieder in ihre eigene Welt abgetaucht, mit verträumten Augen ging sie einfach weiter.

»Hier wohnst du«, merkte Emilia an.

Sich wie erwachend umsehend stoppte Fantasma vor der Tür, die Isabelle bereits aufschloß. »Ich weiß«, behauptete sie mit fester Miene, dann jedoch legte sich ein Schatten über ihr Gesicht. »Naja, dann bis später... wir sehen uns ja bestimmt wieder.«

»Mit Sicherheit. Wir gehen in dieselbe Klasse.«

Sofort erhellten sich Fantasmas Züge wieder. »Richtig. Also bis später, ja?«

»Klar«, sagte Emilia, nickte kurz und setzte ihren Weg fort, während Fantasma nach Isabelle, die höflich vor der Tür auf sie gewartet hatte, in ihr Zimmer ging. Die Nummer 53 befand sich ein ganzes Stück weiter, hinter mehreren Abzweigungen des breiten Gangs. Als Emilia dort ankam, schloß Emma gerade auf.

»Hi«, versuchte sie, ihr Zusammenleben auf einer freundschaftlichen Basis zu beginnen, konnte aber den vorsichtigen, mißtrauischen Unterton ihrer Stimme nicht ganz ablegen.

»Hi«, grüßte Emma zurück. Sie lächelte nicht, wirkte aber auch nicht abweisend. »Ich bin Emma Kerzenmacher.«

Emilia nickte. Das wußte sie ja schon von ihrer Zuteilung im Verwaltungsbüro, trotzdem stellte sie sich ebenfalls knapp vor: »Emilia Grimm.«

Einen Moment lang standen sie schweigend da und musterten sich abschätzend, dann ergriff Emma die Initiative. »Tja, ich schätze, wir sollten mal reingehen...« Sie öffnete die Tür, trat ein und sah sich neugierig um. Das Zimmer war kaum größer als ihres Zuhause und mit den hellen Möbeln aus Sperrholz auch ähnlich eingerichtet. Zu beiden Seiten befand sich jeweils ein Bett, dazu ein Kleiderschrank und ein Schreibtisch. Gegenüber der Tür war ein breites Fenster, geschmückt von einem orangefarbenen Ziervorhang.

»Das ist doch einigermaßen...«, begann Emma, verstummte dann aber und suchte nach dem richtigen Ausdruck, um das Zimmer angemessen zu beschreiben.

Emma trat neben sie. »Gruftig?«, versuchte sie auszuhelfen.

»Äh, ich dachte eigentlich mehr an ›lauschig‹.«

»Lauschig? Du wärst gern Dichterin, oder?«

»Eine Dichterin? Mitnichten!«, sagte Emma, die fand, daß man auf Sarkasmus am besten mit Sarkasmus antwortete. Sie schleppte ihren Koffer weiter ins Zimmer hinein und ließ ihn mit einem bemerkenswert lauten Plumpsen auf dem Boden vor eines der Betten fallen. »Möchtest du lieber das linke oder das rechte Bett?«

»Ähm, das linke, wenn es dir nichts ausmacht«, antwortete sie fragend, denn ausgerechnet vor diesem hatte Emma ihren Koffer abgestellt.

»Kein Problem. Warte, ich nehm meinen Koffer sofort weg.«

»Nicht nötig, ich stell ihn für dich vor den Schrank«, bot Emilia an, doch als sie den Koffer hob, um genau das zu tun, blieb ihr der Atem weg. Die Unselbstständigkeit, die viele ihrer früheren Klassenkammeradinnen vermutlich bewußt gezeigt hatten, um sich bei den Jungs beliebter zu machen, war ihr immer auf die Nerven gegangen. Ihrer Meinung nach sollte man sich so gut es ging selbst zu helfen wissen, doch dieser Koffer war so schwer, daß man ihn fast zu zweit hätte tragen müssen.

Emma lächelte sie entschuldigend und auch ein wenig ertappt an. »Ich hab vielleicht ein bißchen zu viel eingepackt...«

»Dir ist schon klar, daß du nicht den Kleiderschrank selbst, sondern nur seinen Inhalt hättest mitnehmen müssen, oder?«

Emma nahm ihr den Koffer aus der Hand und trug ihn selbst mit zwei Händen zum Schrank hinüber. »Sehr witzig«, versicherte sie Emilia. »Aber wir sind ja auch außerhalb des Unterrichts hier, da müssen wir uns schließlich auch beschäftigen.«

Emilia verstand nicht ganz, was sie meinte. Sie hatte ihr Handy und ihr Notebook dabei, was sollte sie sonst noch brauchen? Doch dann öffnete Emma ihren Koffer. Er quoll förmlich über vor Büchern. Die gesamte sichtbare Fläche wurde von Umschlägen ausgefüllt, in deren Titeln unverhältnismäßig oft Worte wie ›Mord‹, ›Dolch‹ oder ›Leiche‹ vorkamen.

Ein Ausdruck des Erstaunens lähmte Emilias Gesicht. »Hast du auch ein paar Klamotten dabei?«

»Nö«, sagte Emma als hätte sie die Andeutung nicht verstanden, »die werden nachgeschickt.« Sie öffnete eine Hälfte des Schrankes, die sie kurzerhand als ihre in Beschlag nahm und begann ihre Bücher in das oberste Fach einzuräumen. Emilia sah ihr mit verschränkten Armen zu. Tatsächlich, unter der dicken Schicht aus Büchern kamen auch einige Kleidungsstücke zum Vorschein, so flach zusammengefaltet, daß sie möglichst wenig Platz einnahmen. Zwar war der Koffer relativ groß, doch überschlug sie in Anbetracht des begrenzten verbleibenden Stauraums, daß Emma mit Sicherheit mehr Bücher als Hosen dabei hatte.

Nachdem sie alle ihre Bücher liebevoll und, wie Emilia auffiel, nach Autoren sortiert, verstraut hatte, warf Emma einen Blick auf ihre Uhr. »Wir sollten uns lieber auf den Weg in die Aula machen, in zehn Minuten fängt die Rede an.«

Emilia seufzte leise. Es war wohl zu spät, um sowas wie Menstruationsbeschwerden vorzutäuschen. Oder? Sie öffnete den Mund, um einen entsprechenden Versuch zu wagen, doch noch ehe sie einen Ton herausbringen konnte, kam Emma ihr zuvor: »Du hast doch gehört, Teilnahme ist Pflicht, also mach den Mund zu und komm mit.«

Emilia kniff die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen, folgte Emma aber wirklich ohne weitere Widerworte, als sie nach draußen auf den Flur ging. Der Gang war voller Mädchen ihres Alters, die alle in eine Richtung strömten. Selbst wenn sie ihre Karten nicht dabei gehabt hätten, wäre es nicht schwer gewesen, die Aula zu finden, sie mußten einfach nur den anderen hinterhergehen. Wie sich herausstellte war die Aula im Erdgeschoß und vor allem eines: groß. Aber das mußte sie wohl auch sein, wenn sie genug Platz für die gesamte Schülerschaft bieten sollte. Emilia war nie gut im Schätzen gewesen, aber sogar sie erkannte jetzt, daß es doch eine ganze Menge Kinder mehr waren, als sie erwartet hätte, die sich auf die zusammengetragenen Stühle auf dem Parkett vor der Bühne tummelten.

Die hinteren Plätze waren bereits ausnahmslos besetzt, weshalb Emilia und Emma sich zwei freie Sitze ziemlich weit vorne suchen mußten. Wahrscheinlich wollte niemand näher als unbedingt notwendig an der Direktorin sitzen. Während sie warteten, betrachtete Emilia gelangweilt die Spitzen ihrer weißen Ballerinas. Emma hatte schon, kaum daß sie saßen, ein Buch aus ihrer Umhängetasche geholt, die ihr ständiger Begleiter zu sein schien.

Sie brauchten aber gar nicht lange zu gedulden, bis die Lichter über ihnen erloschen. Als das geschah, spürte Emilia das fremde Mädchen neben sich zusammenzucken und erschrocken aufkeuchen. Sie sah die aufwendig zurechtgemachte Blondine überrascht an. Konnte es wirklich sein, daß sie Angst vor der Dunkelheit hatte, oder hatte nur die Plötzlichkeit sie kurz die Beherrschung verlieren lassen? Wie auch immer, Blondie beachtete sie gar nicht, sondern hatte ihren Blick starr auf die Bühne gerichtet.

Emma an ihrer anderen Seite schien davon gar nichts mitbekommen zu haben. Sie seufzte leise, als sie notgedrungen das Buch wieder zuklappte und bedächtig in ihre Tasche steckte. Wenn es eine Sache gab, die sie nicht leiden konnte, dann war es, gezwungen zu sein, mit dem Lesen aufzuhören, bevor sie den ersten Absatz auf der linken Seite eines Buches erreicht hatte. So wußte sie immer, wo sie war. Sie brauchte sich nur die Seitenzahl zu merken und konnte sofort an der Stelle weiterlesen, an der sie aufgehört hatte. Doch jetzt, da die Deckenlampen ausgegangen waren, und nur noch diffuses Leuchten den riesigen Saal zumindest ein wenig erhellte, war es zu dunkel, um zu lesen.

Es blieb ihr also nicht viel übrig als ebenfalls zur Bühne zu sehen, die sich in diesem Moment enthüllte, als sich der dunkelrote Vorhang in der Mitte teilte und zu beiden Seiten in der Dunkelheit der Ecken verschwand. Dekoration war auf ihr kaum vorhanden. Wie so vieles in diesem Internat strahlte sie eine gewisse neutrale Distanziertheit aus, wie es wohl eben der Fall war, wenn man einen Raum für eine Vielzahl von Leuten einrichtete, die naturgemäß alle einen unterschiedlichen Geschmack besaßen. Nur ein paar hochwachsende Farne bewucherten die ansonsten schmucklose Bühnenrückwand, vor der eine kurze Stuhlreihe aufgebaut war. Die Personen auf ihnen waren zweifellos Internatsmitarbeiter - bestimmt der Vizedirektor und hochrangige Lehrer. Der Scheinwerferstrahl beleuchtete eine dunkelhaarige Frau in einem geschmackvollen Kostüm, die weichen aber mit angemessenem Ernst dreinblickenden Gesichtszüge geziert von einer dünnen Brille mit zierlichem Gestell.

»Hallo, ich bin Frau Flimm«, stellte sie sich vor. »Wie die meisten von euch wissen, bin ich schon seit einigen Jahren Lehrerin hier, aber ab jetzt werde ich euch nur noch selten unterrichten können. Seit Frau Ferrias mysteriösem Verschwinden vor ein paar Monaten, wurde ich schon damit betraut, ihre Pflichten als Schulleiterin zu übernehmen, und nun wurde entschieden, daß ich offiziell ihren Posten antreten werde.«

Überall im Saal brandete Beifall auf. Offenbar freute sich die Mehrheit der Schülerinnen, daß Frau Flimm ihre neue Direktorin wurde. Aus reiner Höflichkeit klatschte Emilia mit, war mit ihren Gedanken aber immer noch mit einer ganz speziellen Information aus dieser Rede beschäftigt. Eine verschwundene Schulleiterin? Ob Sinistra irgendetwas damit zu tun hatte?

Frau Flimm wartete, bis der Applaus langsam abbrach. »Ein neues Schuljahr beginnt und damit öffnet sich uns eine besondere Möglichkeit. Wir können die Vergangenheit vollständig hinter uns lassen und mit neuem Mut in die Zukunft blicken.« Sie lächelte gewinnend die zu ihr aufblickenden Gesichter an. »Einige von euch möchten vielleicht die Gelegenheit nutzen, ihre Noten zu verbessern. Aber selbst wenn nicht, werdet ihr bei uns viele Wege finden, eure Zeit sinnvoll zu nutzen. Das wird natürlich besonders die Neuen unter euch interessieren, denn mit einem neuen Schuljahr kommen natürlich auch immer viele neue Schüler. Zum einen haben wir eine Umfangreiche Bibliothek, die keine Wünsche offen lassen sollte, zum anderen besitz jede Klassenstufe ihren eigenen Aufenthaltsraum, in dem ihr eine große Auswahl an Spielen findet - oder, falls ihr das vorzieht, einen Fernseher. Selbstverständlich könnt ihr auch einem unserer zahlreichen Clubs beitreten. Dort könnt ihr euch mit Gleichgesinnten treffen und euch über euer Hobby austauschen. Auch hier sollte für jeden etwas dabei sein. Vom ›Buchclub‹ bis zum ›Club für Fans von Reality-Shows‹ sind alle möglichen Arten vertreten. Obwohl ich hoffe, daß die Mitglieder des letzten Clubs lieber anonym bleiben möchten und sich wenigstens schämen.«

Wieder unterbrach Beifall, diesmal gemischt mit Gelächter, die Rede, allerdings nur Grüppchenweise. Offensichtlich war der Club nicht so klein, wie man meinen sollte. Emilia hoffte zwar inständig, daß die Teilnahme an einem dieser Clubs freiwillig war, klatschte aber kräftig mit. Auf der Liste von Dingen, die sie am meisten verabscheute, waren Reality-Shows ziemlich weit oben.

»Nun ja, das war eigentlich auch schon alles, was ich euch mitteilen wollte«, fuhr Frau Flimm etwas verlegen fort. Wenn es nicht die Tradition verlangt hätte, hätte sie gar keine Ansprache zum Schuljahresbeginn gehalten. »Ich hoffe einfach, ihr fühlt euch alle wohl bei uns. Solltet ihr Fragen oder Probleme haben, könnt ihr jederzeit zu mir kommen oder unser Sekreteriat besuchen. Dort könnt ihr übrigens auch euren eigenen Club-Raum beantragen, falls doch kein passender für euch dabei ist. Dann bleibt mir nur noch zu sagen: Willkommen im Richard Wagner Internat für Mädchen!«

Sie lächelte etwas betreten, als hätte sie gerade die blödeste Floskel aller Zeiten von sich gegeben, aber falls dem so war, schien sich niemand daran zu stören. Während der Vorhang zugezogen wurde, setzte erneuter Applaus ein, deutlich enthusiastischer als zuvor.

Naja, wenigstens war die Ansprache kurz gewesen. Sich streckend stand Emilia auf, so wie Emma und die anderen neben ihr. In dem Gedrängel, das entstand, als alle Schülerinnen versuchten, möglichst gleichzeitig durch dieselbe Tür zu gehen, ging es nur sehr langsam voran. Vor ihr war das Mädchen, das sich so erschrocken hatte, als die Lichter ausgingen. Jetzt, da die Beleuchtung wieder hell erstrahlte, wirkte sie ganz anders. Vielleicht versuchte sie, mit einem etwas erhabenen Getue ihr voriges peinliches Benehmen zu überdecken, auf jeden Fall war ihr Gang nun sicher und fest, als sie hocherhobenen Hauptes Richtung Ausgang schritt.

Plötzlich tauchte aus der Menge ein schwarzhaariges Mädchen auf neben ihr auf. Nur kurz warf sie Emilia einen undurchschaubaren Blick aus kühlen Augen zu, die die Farbe von Gewitterwolken hatten, dann wandte sie sich Blondie zu und flüsterte ihr etwas ins Ohr. In dem allgemeinen Gemurmel um sie herum konnte Emilia nicht einmal einen einzigen Laut des Wisperns vernehmen und noch bevor sie ihr Gehör anstrengen konnte, war es auch schon wieder vorbei. Die ganz in Schwarz gekleidete Unbekannte verschwand ebenso unerwartet, wie sie gekommen war, kehrte zurück zu einem rothaarigen Mädchen, das mit verschränkten Armen auf sie wartete.

Einen Moment lang blickte Blondie über die Schulter zu Emilia zurück, mit einem Ausdruck, der alles und nichts bedeuten konnte. Möglicherweise wollte sie sich nur vergewissern, daß Emilia nichts von der flüchtigen Unterhaltung mitbekommen hatte. Falls es wirklich nur das war, konnte sie sich beruhigt wieder umdrehen. Emilias ratloses Gesicht hatte mit Sicherheit etwas Schafähnliches.

»Schlaf nicht ein, es geht weiter«, sagte Emma hinter ihr. Emilias Blick klärte sich und sie bemerkte erst jetzt, daß Emma Recht hatte. Während sie noch Blondies Hinterkopf angestarrt hatte, war die bereits weitergegangen, so daß sich in der engen Lücke zwischen den Stuhlreihen alles hinter Emilia staute. Schnell überwand sie ihre Lethargie und setzte sich wieder in Bewegung.

Erleichtert atmete sie auf, als sie endlich aus der Tür war und sich die Menschenmenge lichtete. Von hier aus führte der Korridor in zwei Richtungen. Sie war von links gekommen, aber rechts von sich entdeckte sie Fantasma, die sie zu sich winkte. Sie wandte sich Emma zu, die neben ihr ging.

»Ich komm später nach, ja? Das Mädchen da hinten, das ich im Bus kennengelernt habe, will anscheinend was von mir.«

Emma nickte. »Fantasma.«

»Oh, du erinnerst dich an sie?« Emilia musterte sie eindringlich. War das ein Hauch Röte auf ihren Wangen?

»Ich hab ein gutes Namensgedächtnis«, sagte Emma schulterzuckend.

»Okay, dann sehen wir uns später.«

»Klar, ich wollte sowieso noch in die Bibliothek.«

Emilia hob einen Mundwinkel zu einem sarkastischen Grinsen. »Wieso? Hast du nicht schon genug Bücher dabei?«

Emma blieb völlig unbeeindruckt. »Ich hab jedenfalls nicht meine Schulbücher dabei. Die müssen wir noch abholen, wenn du’s nicht vergessen hast. Morgen ist unser erster Schultag, dann ist es zu spät.«

Emilia hatte kein Problem damit, etwas bis zum letzten Augenblick aufzuschieben. »Keine Sorge, hab ich nicht vergessen. Also bis dann!«, rief sie Emma zu, bevor sie in die andere Richtung davontrabte.

»Hey«, freute Fantasma sich, sie zu sehen, als sie noch einige Schritte entfernt war. »Na, wie ist dein Zimmer?«

Emilia überlegte kurz. »Meine Mitbewohnerin ist der Meinung, es sei ›lauschig‹. Ich habe den Begriff ›gruftig‹ vorgeschlagen.«

»Gruftig? Ist das gut oder schlecht?«

»Kommt drauf an.«

»Worauf?«

»Ob du in einer Gruft wohnen möchtest.«

Fantasma runzelte die Stirn. Sie kannte Emilia erst seit wenigen Stunden, aber sie wußte schon jetzt, daß es nicht immer ganz einfach sein würde zu sagen, ob sie gerade scherzte oder nicht. »Okay. Und wie ist deine Mitbewohnerin so?«

»Sie hat das Wort lauschig benutzt«, meinte Emilia, als ob das bereits alles über sie aussagen würde. »Ich schätze, sie will Dichterin oder sowas werden, obwohl sie das abstreitet. Aber ansonsten ist sie ganz in Ordnung. Und wie läuft’s mit deiner?«

»Ganz gut eigentlich. Sie heißt Isabelle, was ich aber erst rausgefunden habe, als ich sie gefragt habe. Sie spricht nicht viel, ist aber ganz nett. Aber du wirst nicht glauben, was sie mitgebracht hat!«

»Etwa auch einen Koffer voller Bücher?«

Fantasma guckte erstaunt. Das war wohl nicht der richtige Zeitpunkt, um Emilia zu erzählen, daß sie eigentlich sehr gerne las. »Ja... äh, nein. Also nicht ganz. Sie hat auf jeden Fall ein paar Bücher dabei, die ganz schön kompliziert aussehen. Ich meine Schulbücher oder sowas! Aber das meinte ich gar nicht. Sie hat ein Mikroskop dabei! Ich hab gefragt, was sie damit will, und sie hat gesagt: ›Man weiß nie, wann man mal eins braucht‹! Aber es ist wahrscheinlich gar nicht schlecht, eine Streberin als Mitbewohnerin zu haben. Dann kann ich wenigstens die Hausaufgaben von ihr abschreiben.«

»Und wenn sie dich nicht abschreiben läßt?«

»Sie muß es ja nicht unbedingt wissen.« Fantasma lachte kurz auf. »Hey, willst du noch mit zu mir kommen? Dann kannst du sie ja selbst kennenlernen.«

»Klar, warum nicht.«

»Cool, dann komm mit!« Fantasma wollte bereits davonstürmen, Emilia jedoch rührte sich nicht vom Fleck.

»Warte mal, müssen wir nicht hier lang?« Sie deutete in die Richtung, aus der sie zuvor zusammen mit Emma gekommen war.

»Hm, also wir sind jedenfalls hierher gekommen.«

»Echt?«

»Klar. Dann gibt es wohl mehrere Wege.«

Das konnte natürlich durchaus sein. Das Internat war zweifellos so groß, daß man Tage damit verbringen konnte, sein Inneres zu erforschen. Diese ganzen Gänge konnten überall hinführen.

~+~

»Okay, wir haben uns verlaufen«, stellte Fantasma sachlich fest.

»Was?!«, fragte Emilia nicht ganz so sachlich nach. »Vorhin hast du doch noch behauptet, du wüßtest ganz genau, wo wir lang müssen!« Inzwischen hatte Fantasma sie so kreuz und quer durch zahllose Flure des hinteren Teils der Schule geschleift, die alle gleich aussahen, daß sogar sie selbst völlig die Orientierung verloren hatte.

»Ja, aber dann sind wir um diese Ecke gebogen und hier gelandet!« Fantasma breitete die Arme aus. »Wo auch immer das sein mag!«

Emilia seufzte. Das herauszufinden war doch wohl ihr geringstes Problem. Sie trat zu der Tür, die ihr am nächsten war, und las ihre Aufschrift: ›Physik-Club‹. Ihre Karte trug sie immer noch bei sich, sie mußte sie nur hervorholen und nachsehen, wo genau sich der Physik-Club befand und schon könnten sie sich auf den Weg zurück machen. Doch sie ließ die Karte, wo sie war. Fantasma hatte sie bestimmt schon eine halbe Stunde lang durch die Gänge gescheucht - und wie Emilia insgeheim vermutete immer wieder im Kreis. Sie brauchte jetzt einfach mal eine Pause.

»Oh Mann, ich bin total fertig!«, stöhnte auch Fantasma.

Emilia drückte die Klinke zum Physik-Club hinunter, der wider Erwarten tatsächlich unverschlossen war. »Willkommen im Club«, sagte sie, als die Tür aufschwang.

»Was machst du denn da?«, fragte Fantasma erschrocken.

»Ich organisiere uns einen Platz zum Ausruhen. Du hast doch eben selbst gesagt, daß du total fertig bist.«

»Ja, aber du kannst doch hier nicht einfach reinspazieren! Was ist das überhaupt für ein Zimmer?«

Emilia fuhr demonstrativ mit dem Finger über die Buchstaben an der Tür. »Der Physik-Club«, betonte sie langsam. »Da gibt es auf jeden Fall Stühle und ich setz mich hier garantiert nicht auf den Boden!«, sagte sie mit einer Geste auf ihr strahlend weißes Kleid. Natürlich war der Boden hier makellos sauber, es ging Emilia viel mehr darum, daß man sich in einem Kleid einfach nicht ebenerdig hinsetzen konnte, ohne sich zu entblößen. Sie betrat den kleinen Raum, dann drehte sie sich noch einmal zu Fantasma um. »Kommst du?«

»Ja, ja, schon gut.« Fantasma sah sich um, ob auch wirklich gerade kein Lehrer in der Nähe war, bevor sie hinter Emilia herhuschte und schnell die Tür schloß.

Sitzmöglichkeiten gab es hier jedenfalls genug. Der Raum war zwar nicht groß, aber voller Stühle, die in einem Halbkreis um eine rollbare Tafel angeordnet waren. An den Wänden hingen verschiedenste Schaubilder, blieben von Emilia aber unbeachtet, die sich einfach auf einen der vielen Stühle fallenließ. Der war erstaunlich bequem, wie sie feststellte, viel bequemer als die zu kleinen, zerkratzten Holzgestelle an ihrer alten Schule. Sie fragte sich, ob hier jede Klasse diesen Komfort geboten bekam oder nur die Streber-Clubs.

Fantasma ließ währenddessen die Tür nicht aus den Augen. »Und was sollen wir machen, wenn der Physik-Club plötzlich zurückkommt und uns hier entdeckt?«

»Das wäre natürlich ein Problem«, gab Emilia zu, »Streberinnen sind ja bekannt für ihr schlechtes Benehmen. Wir könnten behaupten, wir wären neu hier und hätten uns so sehr verlaufen, daß wir uns nur kurz hier ausruhen wollen, aber das wird uns wohl kaum jemand abnehmen«, bemerkte sie mit einem vielsagenden Seitenblick auf Fantasma. »Deshalb schlage ich einfach vor, wir sagen, wir würden uns dafür interessieren, ihrem Club beizutreten.«

»Wir? Guck uns doch an, das glauben die uns nie! Wir sehen nicht gerade wie die typischen Physik-Interessierten aus, oder? Die denken doch, wir wollen was klauen oder so!«

»Naja, wenn du dich dann besser fühlst, kannst du natürlich auch abschließen.« Emilia deutete auf die Tür. »Schlüssel steckt.«

Fantasma zögerte. Den Raum zu verschliessen war auch nicht gerade viel unauffälliger, aber wahrscheinlich immer noch besser, als von einer Horde aufgebrachter Streberinnen in ihrem Club-Raum erwischt zu werden. Schnell schloß sie ab und atmete erleichtert auf.

»Fühlst du dich jetzt besser?«, fragte Emilia sie.

»Ähm... ja.« Nervös war sie eigentlich immer noch, aber die Tatsache, daß nun wenigstens niemand mehr ohne weiteres ins Zimmer platzen konnte, beruhigte sie doch ein wenig.

»Gut.« Jetzt, als Emilia zurückgelehnt in dem gemütlichen Stuhl saß, ohne jedoch ihre aufrechte Haltung zu verlieren, begann ihr Unterbewußtsein die Ereignisse dieses langen Tages zu verarbeiten. Eine Frage, auf die Emilia einfach keine Lösung wußte, wurde dabei immer wieder an die Oberfläche ihres Verstandes gespült. Sie beschloß, diese Frage Fantasma zu stellen, war sie doch die einzige, die ihr darauf eine Antwort liefern konnte. »Warum hast du dich im Bus eigentlich neben mich gesetzt?«, fragte sie, ihren Kopf der Tafel zugewandt, ihren aufmerksamen Blick aber auf Fantasma gerichtet.

Die erstarrte. Was sollte sie denn darauf antworten? Naja, am besten die Wahrheit, vermutete sie. Leise seufzend ging sie zu Emilia hinüber und setzte sich auf den Stuhl neben sie. »Ich war eben neugierig«, begann sie mit dem Offensichtlichsten. Selbst jetzt noch, nachdem sie das blasse Mädchen mit den verschiedenfarbigen Augen näher kennengelernt hatte und sich ziemlich sicher war, daß sie kein Geist war, konnte sie sich ihrer faszinierenden, unheimlichen Aura kaum entziehen. Beinahe hätte sie laut aufgelacht, als ihr dieser Gedanke kam. Schließlich war sie selbst eine Halbdämonin, wie konnte sie da von anderen behaupten, sie wären unheimlich? Außerdem war sie sich völlig bewußt, daß es nicht nur ihre Neugier gewesen war, nein, da war ja auch noch diese andere Sache. Aber sie konnte Emilia wohl kaum erzählen, wie wunderschön sie ihr auffälliges Äußeres fand.

»Du sahst eben interessant und... süß aus«, versuchte sie, ihre Gefühle etwas subtiler in Worte zu fassen. Sie wußte schließlich nicht, wie Emilia reagieren würde, wenn sie erfuhr, daß Fantasma auf dem besten Weg war, sich in sie zu verlieben. Bisher hatte sie noch niemandem anvertraut, daß sie auf Mädchen stand. Auch wenn sich die Gesellschaft wahrscheinlich auf dem Weg zur Besserung befand, hin zur Akzeptanz, gab es wohl immer noch Vorbehalte gegenüber Lesben. Noch schlimmer war aber wohl, daß sie gar nicht im eigentlichen Sinne lesbisch war, immerhin hatte sie auch einen Penis. Das konnte sie Emilia natürlich erst recht nicht erzählen. Wie würde sie erst reagieren, wenn sie das herausfand?

»Süß?!«, entfuhr es Emilia. Sie konnte sich nicht daran erinnern, schon einmal so bezeichnet worden zu sein. In Bezug auf sich hatte sie schon viele Bemerkungen gehört, aber diese war ihr neu. War das eine Art Sarkasmus, die sie nicht verstand? Durch die farblosen Strähnen ihres Haars hindurch musterte sie Fantasma kritisch, erkannte in ihren dunkel strahlenden Augen aber einzig unverstellte Ehrlichkeit. Falls sie das unglaublicherweise wirklich ernst meinen sollte, stellte sich allerdings sofort die nächste Frage: »Wie meinst du das?«

Fantasma lächelte schüchtern. »So wie ich es sage. Du bist eben hübsch.« Damit war sie vielleicht weitergegangen, als sie sollte, überlegte sie. Aber wenn sie nie den ersten Schritt wagte, würden sich ihre Träume auch nicht von allein verwirklichen. Trotzdem beeilte sie sich jetzt fortzufahren, bevor Emilia weiter darauf eingehen konnte. »Also, was ist? Woll’n wir wieder?« In einer auffordernden Geste legte sie Emilia eine Hand auf den Oberschenkel, erstarrte aber, sobald sie das getan hatte. Das lag weniger an der Tatsache, daß ihre Hand höher gerutscht war, als sie beabsichtigt hatte, sondern viel mehr daran, was sie dort fühlte. Ihr kleiner Finger berührte etwas unter dem weißen Stoff des Kleides, irgendetwas Weiches, das in ihrem Slip verborgen sein mußte. Es war aber eindeutig nicht ihre Weiblichkeit, dafür war es zu weit von ihrem Unterleib entfernt. Langsam ließ sie ihren Finger über den versteckten Gegenstand gleiten. Die Art, wie er sich anfühlte, kam ihr verdächtig bekannt vor.

»Was... was ist das?«, fragte sie, das Lächeln in ihrem Gesicht festgefroren, auch wenn es jetzt ein wenig dümmlich wirkte.

»Ähm... mein Handy?« Selbst wenn es nicht außergewöhnlich gewesen wäre, sein Handy in der Unterhose zu tragen, hätte sich Emilias fragender Ton höchst unglaubwürdig angehört, fand Fantasma.

»Dein Handy ist also weich und...« Sie tastete unbeirrt weiter. »... kann die Größe verändern?«

Emilias Wangen leuchteten in der Blässe ihres Gesichts überdeutlich rot auf. »Das liegt an der Reibung.«

Das konnte Fantasma problemlos glauben, obwohl ihr die physikalische Anspielung in der Ausrede völlig entging. »Genau das meine ich ja!«

»Du verstehst das falsch! Ich meinte... Ach, schon gut. Wir sollten wirklich gehen, findest du nicht?« Emilia stand auf, wobei sie verzweifelt den Impuls niederkämpfte, die hände vor den Schritt zu legen, was ihre bröckelnde Glaubwürdigkeit zweifellos endgültig zerstört hätte.

»Warte mal«, sagte Fantasma sanft, ihre Stimme beinahe ein Flüstern, obwohl niemand in der Nähe war, der sie hätte belauschen können. »Du bist eine Halbdämonin, oder?«

Die Röte aus Emilias Wangen verschwand, tasächlich wurde sie sogar noch blasser als sonst. »Wa... was...?«

»Keine Angst, ich bin genau wie du«, behauptete Fantasma, obwohl die Beweislage dafür bisher noch recht dürftig war. Sie öffnete den Verschluß ihrer enganliegenden Jeans und ließ sie zu Boden gleiten. Als sie ihren weißen Slip ebenfalls herabzog, kamen darunter ihre Geschlechtsteile zum Vorschein, die sanfte Einkerbung ihrer Scheide ebenso wie der direkt darüberliegende Penis. »Siehst du?«

Natürlich wußte Emilia, was Fantasma meinte. Sie beide waren offensichtlich Hermaphroditen, trotzdem schüttelte sie langsam den Kopf. Gleich waren sie nun wirklich nicht, dazu hatte Fantasma zu viel Glück gehabt. Zu ihrer orientalisch anmutenden Schönheit, die die Natur ihr geschenkt hatte, besaß sie auch noch einen Penis, der so durch und durch menschlich war wie das Lächeln in ihrem Gesicht.

»Moment mal«, stutzte Fantasma, »soll das etwa heißen, du bist gar keine...?« Hatte sie gerade den größten Fehler ihres Lebens begangen und ihr Geheimnis vor der falschen Person entblößt? Und das auch noch wortwörtlich! Wäre sie angesichts ihres Schocks in der Lage gewesen, sich zu bewegen, hätte sie schnell ihre Hose wieder hochgezogen, obwohl das jetzt auch nichts mehr gebracht hätte.

»Doch«, gab Emilia leise zu. Fantasmas Bestürzung war unübersehbar, es gab keinen Grund, sie in dem Glauben zu lassen, eine Dummheit gemacht zu haben, selbst wenn Emilia es übers Herz gebracht hätte. Immerhin hatte Fantasma Recht, sie waren nun einmal beide Halbdämoninnen.

Fantasma atmete sichtlich erleichtert auf, entspannte sich aber immer noch nicht ganz. »Willst du mir denn nicht auch deinen zeigen?«

»Ähm, nein«, sagte Emilia fest. Auch wenn sie Fantasma ihr wahres Wesen schon offenbart hatte, nachdem sie es selbst herausgefunden hatte, konnte sie ihr ihre Andersartigkeit nicht auch noch präsentieren, dazu war sie einfach zu abnorm. Sie hatte nicht die geringste Ahnung, weshalb Fantasma einen so gewöhnlichen Schwanz hatte, so daß sie ungeachtet seines Vorhandenseins eine fast prinzessinnenhafte Anmut ausstrahlte. Emilia selbst war diese Fügung nicht beschieden. Wahrscheinlich war das ihren monströsen Genen geschuldet, denn trotz ihres hinreissenden Aussehens war Sinistra zweifellos ein Monster, und sie wußte nicht genau, ob ihre menschliche Mutter viel besser war.

Fantasma zog die Stirn in Falten. Erkannte Emilia denn nicht, wie perfekt ihre schicksalhafte Begegnung war? Solange sie sich zurückerinnern konnte, hatte sie sich verstecken müssen, war nie schwimmen gewesen, hatte sich vom Sportunterricht befreien lassen, damit sie hinterher nicht duschen mußte, und vor allem hatte sie nie jemandem ihre Liebe gestehen können aus Angst, daß ihr Geheimnis entdeckt würde. Nie hatte sie auch nur zu träumen gewagt, auf jemanden zu treffen, dem es genauso erging, doch nun hatte sie Emilia kennengelernt und jetzt vertraute sie ihr nicht einmal genug, um ihr ihren Schwanz zu zeigen. Dabei war Vertrauen doch das Wichtigste in einer Beziehung, egal welcher Art, und sie würden eine Beziehung zueinander aufbauen, sei es nun Freundschaft oder eine Liebesbeziehung. Dafür würde Fantasma schon sorgen, ob Emilia einverstanden war oder nicht! Aber dazu mußte sie erst einmal ihr Vertrauen gewinnen und so wie es aussah, konnte sie das am besten, indem sie bewies, daß sie keine Angst haben mußte, ihr ihren Penis zu zeigen.

Die Hände zu einer beruhigenden Geste erhoben, kam sie auf Emilia zu. »Du brauchst doch keine Angst vor mir zu haben«, sagte sie in einer betont freundlichen Stimme.

Emilia lächelte halb sarkastisch, halb nachsichtig. Offenbar verwechselte Fantasma sie mit einer streunenden Katze. Vielleicht war es nur der Unglaube, daß jemand versuchte, sich ihr wie einem entlaufenen Tier zu nähern, aber es schien zu wirken. Sie blieb wie ersteinert stehen, als Fantasma den Saum ihres Kleids ergriff und sanft anhob. Im darunterliegenden weißen Höschen zeichneten sich bereits die länglichen Konturen eines Schwanzes ab, wenn auch seltsam glatt wirkend, aber das stellte Fantasma noch lange nicht zufrieden. Doch als sie ihren Finger unter den Slip hakte, erwachte Emilia endlich wieder zum Leben.

»Nicht«, hauchte sie beinahe kraftlos und hielt den Bund ihres Höschens mit einer Hand fest.

»Ich will ihn mir doch nur kurz ansehen, okay?«, sagte Fantasma Emilia fest in die Augen sehend ebenso beruhigend wie zuvor und verstärkte den Zug ihres Fingers. Der Stoff entglitt Emilias schwach gewordenem Griff und streifte an ihren Beinen hinab. »Woah, was ist denn das?«, konnte Fantasma sich nicht zurückhalten auszurufen.

Emilia bemerkte, daß ihre Wangen unwillkürlich zu glühen begannen. Nun legte sie doch die Hände vor den Schritt, sie brauchte ja nicht mehr zu fürchten, sich zu verraten. Das hatte sie bereits getan, und wie es aussah mit fatalen Folgen. »Siehst du, ich hätte ihn dir nicht zeigen sollen«, sagte sie mehr als Vorwurf sich selbst gegenüber denn an Fantasma gerichtet.

»Ach Quatsch«, hatte Fantasma sich schnell wieder gefangen, obwohl sie ihren Blick immer noch nicht von Emilias Unterleib lösen konnte. Ihr Penis schien noch völlig schlaff zu sein, dennoch hing seine Spitze unter ihren verhüllenden Fingern hervor. Es war keine Eichel in dem Sinne wie Fantasma es bisher verstanden hatte. Natürlich war das abgesehen von ihrem eigenen auch der erste echte Schwanz den sie sah, aber immerhin hatte sie schon ein paar Videos gesehen. Sie fühlte sich zwar immer ein bißchen schuldig, nachdem sie sich welche im Internet angeschaut hatte, konnte den inneren Drang aber manchmal einfach nicht unterdrücken. »Ich war nur ein bißchen überrascht«, beendete Fantasma ihre Verteidigung.

»Aber ein Monster bin ich trotzdem«, stellte Emilia mit niedergeschlagenen Augen fest.

»Ach was, höchstens ein Freak, aber dann bin ich auch einer. Obwohl dein Ding schon ziemlich monströs ist. Ich meine, der ist ja riesig!«

Emilia bevorzugte es, weiter den Boden anzustarren als Fantasma in die Augen zu sehen. Ihr war schmerzlich bewußt, daß sich ihr Penis deutlich von anderen unterschied, auch bezüglich der Größe. Das war einer der Gründe, weshalb Sinistra stolz auf sie war und sie selbst sich verabscheute. »Vielleicht ist deiner einfach nur besonders klein.« Eigentlich wollte sie Fantasma damit nur von sich ablenken, doch als sie den Blick hob, um auf ihren Intimbereich zu weisen, fiel ihr auf, daß das stimmte.

»Gar nicht wahr!«, meinte Fantasma. Damit hatte Emilia einen wunden Punkt bei ihr getroffen. In den Videos, die sie gesehen hatte, waren die Schwänze wesentlich größer als ihr eigener, was sie befürchten ließ, in dieser Hinsicht tatsächlich etwas klein geraten zu sein. Dabei war ihr Penis im steifen Zustand etwa so lang wie ihre Handfläche. Sie hielt das für eine angemessene Größe. Wie groß sollte sowas schon werden? Und vielleicht wuchs sie ja noch. Sie stampfte ärgerlich mit dem Fuß auf, was ihr Gehänge aufreizend hin und her wackeln ließ.

Erneut fühlte Emilia Wärme in ihre Wangen steigen, doch war es diesmal nicht die Scham über ihre Andersartigkeit. »Schon gut, war nicht so gemeint.«

»Das kommt dir bestimmt nur so vor, weil deiner so gigantisch ist! Was machst du eigentlich, wenn du mal ungewollt einen Ständer bekommst, zum Beispiel in der Schule?«

»Deshalb trage ich immer ein weites Kleid und enge Slips, damit man es nicht sieht. Und dann denke ich einfach an Mathe und hoffe das Beste.«

»Aber im Moment denkst du nicht an Mathe, oder?«

»Wieso?«

Lächelnd deutete Fantasma auf Emilias Penis, der sich zuckend enzuschwellen begann. »Oder gefalle ich dir etwa?« Angesichts Emilias Reaktion, die hastig den Blick von ihrer Scham wandte und stattdessen verschämt das Schaubild eines Sonnenkerns an der Wand studierte, hatte sie damit unvermutet ins Schwarze getroffen. Ihr Grinsen wurde breiter. Also fühlte Emilia doch wie sie, auch sie sehnte sich nach jemandem, der so war wie sie, jemandem der sie verstand, vor dem sie sich nicht verstecken oder verstellen mußte. Jetzt mußte Fantasma sie nur noch davon überzeugen, daß sie füreinander geschaffen waren, immerhin fühlte sie sich nicht davon abgestossen, daß sie einen Schwanz hatte, so außergewöhnlich der auch war. Sie stutzte einen Moment. Vielleicht sollte sie genau das Emilia deutlich machen.

Langsam ging sie in die Hocke, bis ihr Gesicht auf einer Höhe mit dem notdürftig von Händen verdeckten Unterleib war. Zärtlich nahm sie eine dieser Hände in die eigene und zog sie zur Seite. Nachdem sie die andere ebenso entfernt hatte, hatte sie endlich freie Sicht auf die beiden Geschlechtsteile des hermaphroditischen Mädchens. Soweit sie es beurteilen konnte, unterschied sich die Scheide nicht von ihrer eigenen, mit dem darüberliegenden Penis sah es allerdings ganz anders aus. Im Gegensatz zu ihrem, der dieselbe Farbe wie der Rest ihres Körpers besaß, nur vielleicht etwas dunkler, war Emilias fast grün mit einer Spur Lila. Das galt für die gesamte schon im schlaffen Zustand beeindruckende Länge, nicht einmal die Eichel wies eine andere Färbung auf. Aber eine Eichel war sowieso nicht wirklich zu erkennen. Viel mehr spitzte sich der Penis von einer breiten Basis aus immer weiter zu, bis zu einer eng zulaufenden Kuppe, in der sich eine kleine Öffnung befand.

Sie blickte überprüfend zu Emilia auf, die sie staunend mit offenem Mund ansah, obwohl sie bisher noch gar nichts gemacht hatte. Als sie sich vergewissert hatte, daß sie sich auf dem richtigen Weg befand, streckte sie eine Hand aus und schloß sie um den herabhängenden Schwanz. Zu ihrer Überraschung fühlte er sich seltsam glitschig an. Er war zwar nicht wirklich nass, aber so weich, daß ihre Hand mühelos an ihm entlangfuhr. Fasziniert bewegte sie ihre Faust über die glatte, glänzende Haut, während sie beobachtete, wie sich der Schwanz mit jedem Pulsschlag, der ihn erbeben ließ, weiter verdickte. Auf irgendeine merkwürdige Weise war sie stolz auf sich, für diese Erektion verantwortlich zu sein. Allerdings wurde ihr Stolz fast noch von einem übermächtigen Gefühl der Aufregung überlagert.

Diese ganze unanständige Situation war so neu für sie, dennoch fühlte es sich einfach richtig an. Nie zuvor hatte sie etwas ähnliches empfunden wie diese erregende Mischung aus Neugier, unbändiger Nervosität und einem Hauch schlechten Gewissens. Nicht nur, daß sie einem Mädchen, das sie gerade erst kennengelernt hatte, einen runterholte, war sie auch noch ein Hermaphrodit mit einem Schwanz, der im wahrsten Sinne des Wortes dämonisch war. Aber gerade das war ja auch der Grund, warum sie sich zu Emilia noch mehr hingezogen fühlte als sowieso schon. Daß sie ebenfalls einen Penis hatte, machte sie in ihren Augen noch attraktiver, daß er so völlig anders war als ihrer, störte sie nicht. Vielleicht machte sie dieser Umstand sogar noch mehr an, jedenfalls spürte sie, als sie über die Fremdartigkeit des Schwanzes in ihrer Hand nachdachte, wie sich der zwischen ihren Beinen versteifte.

Innerhalb so kurzer Zeit, wie Fantasma es nie zuvor erlebt hatte, war er zu voller Größe herangewachsen, ohne daß sie sich auch nur berührt hätte. Auch jetzt faßte sie sich nicht an. Ohne sich weiter um ihn zu kümmern ließ sie ihren steifen Schwanz zwischen ihren Beinen hervorstehen, während sie den von Emilia hingebungsvoll wichste. Ihre Handbewegungen waren durch ihre eigene Erregung angestachelt schneller geworden, in fiebrigen hastigen Bahnen schoß ihre Faust an dem seltsam geformten Penis des Mädchens entlang. Unzweifelhaft war er jetzt ganz erigiert, zumindest hatte er seine ohnehin überragende Länge bestimmt verdreifacht und war so dick geworden, daß sich Fantasmas Daumen und Finger nicht mehr berührten, dennoch blieb er erstaunlich weich. Er hing auch weiterhin einen breiten Bogen beschreibend herab, schien sich aber fast wie von selbst zu bewegen, als sie ihn zügellos masturbierte.

Der Anblick des wild zuckenden Schwanzes nahm sie so sehr gefangen, daß Fantasma nicht ihren Blick von ihm wenden konnte. Deshalb entging ihr auch nicht der Tropfen farbloser Flüssigkeit, der zäh aus dem kleinen Loch an seiner Spitze hervorsickerte und in einem silbrigen Faden zu Boden fiel. Ohne ihre Aufgabe zu unterbrechen stutzte Fantasma. Irgendwie hatte sie bei all dieser dämonischen Extravaganz gar nicht mehr mit einer so normalen körperlichen Reaktion gerechnet. Ihre Mutter hatte ihr nie viel über ihre Abstammung erzählt. Daß die Dämonen bösartig waren und sie sich vor ihnen in acht nehmen mußte, war entweder alles, was sie über sie wußte, oder zumindest alles, was sie für erwähnenswert erachtete. Fantasma hatte keinen Grund, an dieser Einschätzung zu zweifeln, über Dämonen im allgemeinen hatte sie nie viel Gutes gehört. Nicht einmal, daß es noch mehr Wesen wie sie selbst gab, hatte sie bisher mit Sicherheit gewußt; Wesen, die zwischen diesen beiden Welten standen. Umso begieriger war sie nun, nicht nur Emilia näher kennenzulernen, sondern auch deren Körper zu erforschen.

Sie wußte sogar schon, womit sie beginnen wollte. Als sich ein zweiter Tropfen Vorsamens von der Schwanzspitze abseilte, kam ihr der Gedanke, wie der wohl schmeckte. Diese Frage hatte sie sich schon einige Male gestellt, wenn sie, nachdem sie sich selbst befriedigt hatte, ihre spermaverklebten Finger betrachtet hatte. Allerdings hatte sie dann doch immer Hemmungen gehabt, es in Erfahrung zu bringen. Doch jetzt, als dieses unfaßbar begehrenswerte Mädchen ihr die Antwort buchstäblich unter die Nase hielt, fand sie, die Zeit war gekommen, es endlich herauszufinden. Ohne sich viele Gedanken darum zu machen beugte sie sich kurzerhand vor und ließ die feuchte Schwanzspitze zwischen ihre Lippen gleiten.

Erschrocken keuchte Emilia auf und zog sich unwillkürlich zurück, einen Ausdruck des Entsetzens im Gesicht. »Was machst du denn da?«, fragte sie ungläubig.

»Ich, äh... ich weiß nicht... Ich schätze, ich wollte dir einen blasen.«

»Was? Wieso?«

»Hm, naja«, machte Fantasma schulterzuckend, als erkläre sich das doch völlig von selbst, »ich war eben neugierig. Ich hab die Tropfen an deinem Ding gesehen und... ich hab mich schon länger gefragt, wie die wohl schmecken... und so.«

Allmählich überwand Emilias Gesicht das Stadium der Verwunderung und nahm nun wieder seinen üblichen ernsten Ausdruck an. »Dir ist aber schon klar, daß du mich nicht brauchst, um das rauszubekommen, oder?« Sie machte eine angedeutete Handbewegung in Richtung Fantasmas Schwanz, der verführerisch pulsierend steil in die Luft ragte. Sie vermied es, ihn allzu auffällig anzustarren.

»Na klar!«, veteidigte Fantasma die Funktionstüchtigkeit ihrer geistigen Fähigkeiten. »Aber... ich hielt es einfach nicht für richtig, mein eigenes Sperma zu probieren...«

»Du dachtest, es wäre richtiger, mein Sperma zu probieren als dein eigenes?«, fragte Emilia verständnislos.

»Ähm, irgendwie schon...«

»Hast du dir denn noch nie selbst ins Gesicht gespritzt?«

»Nein«, sagte Fantasma verwundert. Über diese Möglichkeit hatte sie bisher noch nicht nachgedacht. »Du etwa?« Ihre etwas befremdete Miene wandelte sich langsam in eine der freudigen Schwärmerei, als sie sich vorstellte, wie Emilia onanierend im Bett lag, ihren Mund geöffnet in Erwartung der Spermafontäne, die sie gleich abfeuern würde. Abwesend grinsend und mit geröteten Wangen blickte Fantasma in die Ferne, als vor ihrem inneren Auge genau das geschah: Ausgelöst durch einen organischen Vorgang, den Fantasma noch nicht ganz verstand, strömte der Samen aus Emilias langem Schwanz, ihren gesamten Körper überschwemmend, floß ihr auf Bauch, Brust und Gesicht. Leise kichernd hielt Fantasma sich eine Hand vor den Mund.

Emilia beschloß, nicht näher auf die Frage einzugehen. Sie wollte Fantasma nicht anlügen, sie aber auch nicht mit einem derartigen Geständnis verschrecken. Sie würde sich noch früh genug von ihr abwenden, sie mußte das nicht gleich noch vor dem ersten Schultag provozieren, obwohl Emilia ihr deutlich am Gesicht ablesen konnte, was sie gerade dachte. Dabei hatte sie ihre Wissbegierde bislang für ziemlich normal gehalten, zumindest hatte sie gehofft, daß jeder mal so eine Phase durchmachte, doch Fantasmas überraschte Reaktion hatte sie eines Besseren belehrt. Offensichtlich war sie auch in dieser Hinsicht widernatürlich.

»Aber du kannst mir doch nicht einfach einen blasen!«, fand sie stattdessen zum ursprünglichen Thema zurück.

»Wieso nicht?«, fragte Fantasma verwirrt. Irgendwie hatte sie angenommen, daß Emilia sich darüber freuen würde. Das war doch schließlich sowas wie ein Kompliment. Sie mochte Emilia mehr als nur als gute Freundin, und das wollte sie ihr zeigen.

»Wieso nicht?! Sieh dir doch nur mal meinen Pimmel an!« Emilia deutete auf ihren Unterleib, wo ihr grünlich-lilafarbener, merkwürdig geformter Schwanz sich zuckend in wellenartigen Linien bewegte. »Oder willst du etwa so eine Ausgeburt der Natur in deinem Mund haben?!«

»Nein. Ich will dich in meinem Mund haben.«

Emilia hatte bereits zu einer Antwort angesetzt, doch blieb ihr der Mund einfach tonlos offenstehen, als sich ihr der Sinn von Fantasmas Worten endlich erschloß. »Aber... aber ich bin doch...«

»... wunderschön«, beendete Fantasma den von Emilia begonnen Satz.

Sachte aber mit Nachdruck schüttelte Emilia den Kopf. »Nein, das stimmt nicht«, sagte sie, ein leises Bedauern in der Stimme.

»Doch, das bist du, und ich kann es dir beweisen!«, antwortete Fantasma entschlossen. Sie fand es traurig, daß Emilia ihre eigene Schönheit nicht erkannte, aber vielleicht konnte sie ihr dabei helfen, das doch noch zu schaffen. Nur weil ihre Augen unterschiedliche Farben hatten und Haut und Haare auffällig hell waren, machte sie das doch nicht weniger begehrenswert. Zugegeben, ihr Schwanz war schon reichlich obskur, aber für Fantasma wurde sie so ohnehin nur noch interessanter.

Ohne auf Emilias fassungslosen Blick zu achten, beugte Fantasma sich erneut vor und griff nach deren Penis. Er bewegte sich immer noch schlangenartig in der Luft, wie von eigenem Willen gesteuert, doch als sie ihn in der Mitte umschloß, beschränkte er sich darauf, hinter ihrer Faust nur noch die Spitze auf und ab zucken zu lassen. Als sie versuchte, ihn in sich aufzunehmen, streifte er durch seine heftigen Konvulsionen erst ihre Wange, wo er eine glänzende Spur seines Vorsamens hinterließ, bevor er in ihren Mund drang. Es kam ihr seltsam vor, plötzlich Emilias Schwanz in sich zu spüren, immerhin kannten sie sich kaum, dennoch fühlte Fantasma sich wohl dabei. Es war schließlich ihre eigene Entscheidung, und selbst wenn sie nur aus geilheit heraus getroffen worden wäre, machte es sie ihrer Meinung nach immer noch nicht moralisch verwerflich. Unanständig jedoch zweifellos, dessen war sie sich bewußt. Ihre Mutter hatte sehr darauf geachtet, ihr die richtigen Werte zu vermitteln und würde es sicher nicht als angemessen erachten, Emilia auf diese Weise ihre Zuneigung zu demonstrieren.

Trotz ihrer Gedanken über die Richtigkeit ihres Handelns drohte das überragende Gefühl unendlicher Lust sie beinahe zu überwältigen. Abgesehen von ihrem Versuch kurz zuvor, Emilias Geschlecht in sich gleiten zu lassen, war es ja auch das erste Mal für sie, einen Schwanz in einer ihrer Körperöffnungen zu spüren, aber dabei hatte Emilia sich ihr so schnell entzogen, daß es unter die 5-Sekunden-Regel fiel. Dieses kaum vorstellbare Erlebnis war so kurz gewesen, daß sie gar keine Gelegenheit gehabt hatte, es auf sich wirken zu lassen. Vor dem heutigen Tag hatte sie andere Geschlechtsteile als ihre eigenen auch nur in den wenigen entsprechenden Videos gesehen, und das auch nur wenn Neugier und Erregung größer wurden als ihr schlechtes Gewissen. Doch nun erfuhr sie aus erster Hand, was sie sich vorher nur dabei vorstellen konnte. Sie spürte seine angenehme Wärme und die weiche Haut in ihrem Mund, nahm den leichten unmerklichen Geruch wahr, den er verströmte, kostete den süßlichen Geschmack seines Fleisches und den unscheinbaren der Wollusttropfen, die mit ihrem Speichel vermisch ihren Hals herabrannen.

Noch aufreizender waren höchstens die Empfindungen, mit denen sie in all ihren Träumen bisher nie gerechnet hatte. Am bemerkenswertesten waren dabei wohl die sonderbaren Bewegungen, die der Penis in ihrem Mund vollführte. Sein schlängelndes Umhertasten hatte nicht aufgehört, nachdem er jetzt in ihr steckte, im Gegenteil schien es sogar nach und nach zuzunehmen. Es war nicht so kräftig, daß es ihr auf und ab gleiten an seiner Länge beeinträchtigt hätte, war aber doch spürbar. Viel mehr schmiegte er sich an sie, umspielte ihre Zunge, wie ihre Zunge ihn umspielte. Es hatte etwas Liebevolles, wie er sich sanft in sie drängte, während sie an ihm lutschte und windend ihr Inneres erforschte. Begeistert rieb er an ihren Wangen entlang, strich vorsichtig über ihre Mundhöhle und hinterließ überall die klebrigen Spuren seiner Lust.

Unwillkürlich fragte Fantasma sich, wieso Emilia so einen aufregend fremdartigen Schwanz hatte, und wieso sie beide so unterschiedlich waren, obwohl sie doch beide Halbdämoninnen waren. Während sie ihren Kopf weiter vor und zurück schob, sah sie nachdenklich zu Emilias Gesicht auf, um in ihm eine Antwort auf diese Frage zu entdecken, doch sie blickte nur genauso ratlos zurück. Tatsächlich war sie immer noch so geschockt wie vom ersten Augenblick an, seit Fantasma ihrer beider Geheimnisse enthüllt hatte, auch wenn sich mehr und mehr Begierde in das Chaos ihrer durcheinanderwirbelnden Gefühle schlich. Sie konnte einfach nicht glauben, wie selbstverständlich Fantasma ihren absonderlichen Penis leckte. Obwohl sie selbst ihn seit ihrer Geburt gewohnt war, empfand sie ihn nach wie vor als Last. Wie mußte er da erst auf Fantasma wirken? Sie mußte ihn doch abscheulich finden und sich vor ihm ekeln.

Erstaunlicherweise lag nichts davon in ihrem Blick, als sie ohne zu blinzeln zu ihr aufschaute. Eigentlich konnte sie ihm kaum standhalten, so unangenehm war Emilia ihr Schwanz, aber der Anblick war einfach zu berauschend, als das sie sich hätte abwenden können. Mühelos glitten Fantasmas Lippen über ihre reptilienhaft aussehende Haut dort unten, die Spitze stets verborgen in ihrem Mund. Sogar die widernatürlichen Bewegungen, die ihren Penis erfaßt hatten, konnte sie deutlich erkennen. Diese Eigenschaft an ihm war ihr besonders peinlich. Sie konnte sein Schlängeln zwar lenken, aber nicht unterbinden. Sobald sie sexuelle Erregung empfand, fing er unweigerlich damit an, und es wurde immer schlimmer, je näher sie ihrem Höhepunkt kam.

Doch nicht einmal das schien Fantasma etwas auszumachen. Noch immer sah sie ohne einen Ausdruck der Verachtung zu ihr empor. Emilia konnte es einfach nicht fassen. Während sie weiterhin beobachtete, wie das hübsche schwarzhaarige Mädchen an der Spitze ihre Schwanzes saugte und die Lust in ihr immer weitere Kreise zog, reifte ein Entschluß in ihr heran. Vorsichtig, um sich Fantasma nicht zu entziehen, ging sie in die Knie. Ihre neugefundene Freundin sah sie verwundert an, entließ aber nicht den Penis aus ihrem Mund, um eine Frage zu stellen. Sanft drückte Emilia ihre Schulter hinunter, um ihr zu bedeuten, daß sie sich hinlegen sollte, während sie selbst sich ebenfalls auf einer Seite niederließ. Als sie schließlich verkehrtherum nebeneinander lagen, den Kopf zwischen den Beinen der jeweils anderen, erkannte Fantasma, was Emilia vorhatte. Bewundernd senkte sie den Blick, sah aber nichts als ihre noch immer bekleideten Oberkörper, die sich nun enger aneinanderschmiegten. Dafür spürte sie mit einem plötzlichen Zusammenzucken, wie sich weiche Lippen um ihren Ständer legten.

Automatisch schloß Emilia die Augen, als sie Fantasmas Penis in ihren Mund einließ. Auch für sie war dieses Gefühl völlig neu. Ihr Wissen über Sexualität hatte sich bisher auf das beschränkt, was sie in der Schule und den Gesprächen mit ihrer dämonischen Mutter erfahren hatte. Aber das war alles bloße Theorie gewesen. Zwar hatte Sinistra ihr einmal ihren Schwanz gezeigt, weil Emilia hatte wissen wollen, ob er sich von ihrem unterschied, als sie eines Tages mit Tränen in den Augen nach Hause gekommen war, nachdem sie im Biologieunterricht erfahren hatte, daß ihrer jedenfalls keinem menschlichen glich, doch berührt hatte sie ihn nicht, nur mit offenem Mund angestarrt. Diese Unterhaltungen waren sehr wichtig für sie, nicht nur weil sie mit sonst niemandem so offen sprechen konnte, sondern vor allem weil es die einzigen Momente in ihrem Leben waren, in denen sie sich so akzeptiert fühlte, wie sie war. Irgendwie wußte sie, daß ihre richtige Mutter sie ebenfalls liebte, aber diese Akzeptanz hatte sie ihr nie vermitteln können.

Unmerklich schüttelte Emilia den Kopf. Sie wollte jetzt nicht an ihr verkorkstes Leben oder das ambivalente Verhältnis zu ihren Eltern denken. Zu schön waren die zitternden Wellen der Ekstase, die in diesem Augenblick durch ihren Körper jagten, als daß sie ihn sich dadurch verderben lassen wollte. Sie wußte nicht genau, wieso, aber dieses Erlebnis bedeutete ihr mehr als nur die bloße Befriedigung ihrer Triebe. Das war auch der Grund dafür, warum sie sich bei Fantasma unbedingt auf diese Weise hatte revanchieren wollen. Es kam nur sehr selten vor, daß sie sich in der Gegenwart anderer überhaupt wohlfühlte, doch Fantasma hatte sie jetzt bereits ins Herz geschlossen. Ihrer netten, unbekümmerten Art konnte man auch nur schwer widerstehen.

Also schob Emilia diese störenden Gedanken erst einmal beiseite und konzentrierte sich darauf, diese wunderbaren Gefühle zurüchzugeben, die ihr geschenkt wurden. Diesem Ziel stand jetzt nur noch die Tatsache im Wege, daß sie eigentlich nicht wirklich wußte, wie sie das tun sollte. Daß die Möglichkeit bestand, jemandem mit dem Mund zu befriedigen, war ihr selbstverständlich schon klar gewesen, bevor Fantasma sie so eindrucksvoll unter Beweis gestellt hatte. Das war etwas, das man unweigerlich aufschnappte, wenn man zur Schule ging. Allerdings hatte sie nie wirklich darüber nachgedacht, wie genau es weiterging, nachdem man das Teil im Mund hatte. Das Naheliegendste erschien ihr, ihn zunächst so tief wie möglich in sich aufzunehmen, aber das war auch so schon fast der Fall. Trotzdem ließ sie auch noch das letzte Stück in sich gleiten, bis ihre Lippen an Fantasmas Unterleib stiessen. Das schien aber auch nicht sonderlich viel zu bringen. Obwohl der Penis offensichtlich völlig steif war, schlüpfte er ohne Widerstand in sie.

Einen Moment lang hielt sie so still, den Schwanz ihrer Freundin vollkommen in sie versunken, und achtete darauf, was diese mit ihrem anstellte. Schnell fiel ihr auf, daß Fantasma ihren Kopf vor und zurück nicken ließ, während sie hingebungsvoll an ihr saugte. Emilia beschloß, es ihr gleichzutun. Sanft preßte sie ihre Zunge an die Unterseite des Schafts, als sie langsam ihren Kopf zurüchzog. Sofort wurde sie mit einem gedämpften Stöhnen belohnt, das Fantasma undeutlich durch den mit einem Penis geknebelten Mund ausstieß. Diese wohl ehrlichste Bezeugung ihres Wohlgefallens ließ Emilias Herz aufgehen. Es freute sie ungemein, für die Erregung verantwortlich zu sein, die Fantasma offenbar erfaßt hatte. Durch diese Vorstellung befeuert begann sie, ihre Lippen immer zügelloser über den ihr entgegengestreckten Schwanz zu führen. Obwohl sie dabei aufpassen mußte, daß er nicht aus ihr herausschlüpfte, fand sie bald einen Rhythmus, der sie beide lustvoll erschaudern ließ.

Leider nur allzu bald spürte Fantasma, wie sich etwas in ihrem Unterleib zusammenbraute. Sie bedauerte es zutiefst, aber sie wußte, daß sie sich nicht mehr lange würde zurückhalten können. Insgeheim hatte sie irgendwie gehofft, dieser intime Moment würde niemals enden, obwohl das natürlich unmöglich war. Zu erbarmungslos türmten sich die sinnlichen Wahrnehmungen in ihr auf. Ununterdrückbare Erregung hatte sie bereits gepackt, als sie Emilias unbeschreiblichen Penis zum ersten Mal erblickt hatte und hatte sich seitdem immer weiter gesteigert, bis sie es kaum noch aushalten konnte. Als Emilia dann auch noch angefangen hatte, sie ebenfalls zu beglücken, wäre sie beinahe augenblicklich gekommen, so sehr hatte ihr zitternder, aufgegeilter Körper sich offenbar nach einer zärtlichen Berührung gesehnt, ohne daß sie selbst es bemerkt hatte. Einmal erweckt ließ sich ihr Verlangen nicht einfach wieder abstellen, so daß es immer schwerer für sie wurde, sich zu zügeln. Als Emilia einmal mehr mit der Zunge ihre Eichel umkreiste, wurde es schließlich zu viel für sie. Ohne daß sie es hätte verhindern können zuckte ihr Becken vor und leises Stöhnen entrang sich ihr, während sie ihre Ladung in den ihren Penis umschliessenden Mund verschoß.

Emilia erschrak zunächst, als Fantasmas Penis sich unvermutet tiefer in sie drängte. Obwohl er bei weitem nicht so groß war wie ihr eigener, stieß er doch bis ans Ende ihres Mundes, wo er sich fest gegen ihren Zungenansatz preßte. So in ihr versunken spritzte Fantasma ab. Mit ihren vor Lust gesteigerten Sinnen konnte Emilia überdeutlich spüren, wie das heiße Sperma in sie strömte und an ihren Gaumen klatschte. Insgeheim war sie froh darüber, daß das erste Mal, wie sie erlebte, wie jemand anderer kam, in ihrem Mund stattfand. So war die Begegnung mit dem Samen doch bestimmt intensiver, als wenn Fantasma sich in ihrer Scheide erleichtert hätte, wo sie eigentlich nur am Rande mit ihm zu tun gehabt hätte. Doch auf diese Weise fühlte sie es unmittelbar Schub für Schub in sie fließen, bis es sie fast vollständig überflutet hatte. Ihre Zunge schwamm förmlich in dem milchigen Zeug, bis sie es schließlich angestrengt hinunterschluckte.

Diese Erfahrung brachte auch sie selbst zum Höhepunkt. Mit aller Macht versuchte sie so gut es ging ihren ekstatischen Schwanz im Zaum zu halten, konnte seinen wilden Zuckungen aber nicht vermeiden. Fantasma störte es jedoch sowieso nicht. Einerseits war sie immer noch von ihrer eigenen grenzenlosen Befriedigung umnebelt, aber vor allem machten die hemmungslosen Beweungen sie sogar noch mehr an, mit denen der sonderbare Penis Unmengen seines Schleims in sie pumpte. Ungestüm tastete die Spitze in ihrem Mund umher, während das Sperma unaufhaltsam aus ihr hervorsprudelte. Fantasma hatte sich selbst oft genug dabei beobachtet, um zu wissen, daß ihr Saft sich in mehreren dicken Spritzern Bahn brach. Bei Emilia jedoch schien es anders zu sein, aus ihr floß es ununterbrochen in an- und abschwellenden Strömen. Schon bald war ihr Mund voll von dem Ejakulat des Mädchens, so daß es ihr von den bebenden Lippen troff, obwohl sie sie nach wie vor geschlossen hielt.

Erst jetzt fiel ihr auf, daß sie ihr Vorhaben, es zu kosten, völlig vergessen hatte. Von unbändiger Neugier ergriffen schluckte sie schnell mehrmals, um alles der wabernden dicklichen Flüssigkeit hinunterzubekommen. Während sie sich zäh ihren Hals herabwälzte, breitete sich der Geschmack in ihr aus. Fantasma fand ihn seltsam aber süß, wie eigentlich alles an Emilia. Er war stark un markant, aber nicht unangenehm, auf jeden Fall hatte sie gegen weitere Kostproben dieser Art nichts einzuwenden, sie freute sich sogar darauf. Nach und nach verebbtensowohl das Drängen von Emilias Schwanz in ihren Mund als auch der dicke Strahl seines Samens. Sie mußte noch ein paar Mal schlucken, um den Rest zu entfernen, der inzwischen nachgelaufen war, dann entließ sie den Penis aus ihrem Mund.

Keuchend lagen beide Mädchen eine Zeitlang still nebeneinander, den Blick zur Decke gerichtet. »Ist das nicht komisch?«, fragte Fantasma schließlich, als sich ihr Atem allmählich wieder beruhigte.

»Was?«

»Na, daß wir uns gegenseitig einen geblasen haben, obwohl wir uns noch nicht einmal geküßt haben.« Dieser Gedanke hatte sich hartnäckig in Fantasmas Hirn festgesetzt. Sie wußte, daß ihre Tat sie für die meisten als Flittchen abstempeln würde. Wahrscheinlich suchte sie bei Emilia einfach nur eine Bestätigung, daß sie nicht falsch gehandelt hatte.

»Klar ist das komisch! Aber du hast ja damit angefangen!«

»Ich weiß. Trotzdem...«, seufzte Fantasma und brach ab.

Unauffällig blinzelte Emilia zu ihr hinüber. »Hast du denn überhaupt schon mal jemanden geküßt?«

»Nein. Und du?«

»Auch nicht.«

Erneut senkte sich Stille über den Raum. Nervös strich sich Fantasma eine Strähne ihres dunklen Haars aus dem Gesicht, die sich an ihrem spermaverschmierten Mund verfangen hatte. eigentlich hatte sie gehofft, Emilia würde die Initiative ergreifen, doch die blieb stumm. »Naja«, merkte sie vorsichtig an, »es spricht ja auch nichts dagegen, wenn wir uns jetzt küssen würden, oder?«

Nun sah Emilia sie doch ganz offen an, einen erstaunten Ausdruck im Gesicht. »Meinst du das ernst?«

Fantasma zuckte mit den Schultern. »Klar, warum nicht? Weißt du...«, fuhr sie mit schüchternem Lächeln fort, »ich würde dich gerne küssen...«

Nachdenklich setzte Emilia sich auf und musterte Fantasma, die sie erwartungsvoll ansah. Eigentlich hatte sie Recht. Warum nicht? Immerhin hatten sie sich gerade gegenseitig einen geblasen, wie sollte ein harmloser Kuß es da noch schlimmer machen? Vielleicht würde es die ganze verworrene Sache im Nachhinein sogar rechtfertigen und selbst wenn nicht, mußte sie sich eingestehen, daß sie sie ebenfalls gerne küssen würde. Auch wenn ihre Bekanntschaft noch nicht lange her war, genoß sie ihre Gesellschaft mehr als sie es von anderen gewohnt war.

»Okay«, sagte sie leise, »aber wie soll das denn gehen?«

Fantasma sah sie an, als hätte sie gerade gefragt, wie man atmet.

»Nein, nein!«, erklärte Emilia schnell. »Ich meine, wie sollen wir es denn machen?«

»Mit dem Mund?«, schlug Fantasma vor, die keine Ahnung hatte, worau Emilia hinauswollte.

»Verarschen kann ich mich alleine«, zischte Emilia, dann jedoch wurde ihre Stimme schlagartig wieder sanfter, als die Unsicherheit wegen ihres bevorstehenden ersten Kusses zurückkehrte. Es war sonst nicht ihre Art, Schwäche zu zeigen, aber irgendwie ließ diese ungewohnt emotionale Situation ihre Stärke dahinscheiden. »Ich meine, sollen wir uns hinstellen, oder wollen wir das hier auf dem Boden machen...?« Es gab noch weitaus mehr Fragen, die in ihrem Kopf herumschwirrten, zum Beispiel ob sie die Augen schließen sollte und was ihre Hände dabei tun sollten, doch sie beschloß, daß diese eine Antwort zu finden für den Anfang schwer genug war.

»Ähm, hinstellen klingt gut«, sagte Fantasma und erhob sich. Unruhig inmitten des Stuhlkreises stehend sah sie Emilia an, die nun ebenfalls aufstand. Flüchtig blickten sie sich nervös in die Augen, dann trafen sich ihre Lippen endlich zu einem ersten innigen Kuß. Es war einfacher, als Emilia es sich vorgestellt hatte. Ihre Augen schloßen sich automatisch, kurz bevor sich ihre Lippen berührten und wie von selbst legten ihre Hände sich um Fantasmas Hüfte. Unerwartet tief versank sie im Genuß, den dieser leidenschaftliche, wenn auch noch etwas zaghafte Kuß ihr schenkte. Das Gefühl ihrer sich lösenden und wieder aufeinanderpressenden Lippen nahm sie so sehr gefangen, daß sie zunächst gar nicht bemerkte, wie ihr Penis zum Leben erwachte. Erneut setzten seine schwer kontrollierbaren Zuckungen ein, die ihn gegen Fantasmas Unterleib schnellen ließen. Erst als so ihre Schwänze sanft aufeinandertrafen, wurde sie unangenehm auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wieder einmal hatte ihr aufgegeilter Penis sich selbstständig gemacht und sie so in eine ausweglos peinliche Lage gebracht. Sie wartete darauf, daß Fantasma sie empört von sich stossen würde, doch das geschah nicht. Vorsichtig wagte Emilia sich, ein Lid zu heben, und sie darunter hervor anzublinzeln. Ihre Augen waren ebenfalls geschlossen, ein Ausdruck verträumter Entzückung im Gesicht. Entweder sie hatte den Eingriff in ihre Intimssphäre noch gar nicht bemerkt, oder es gefiel ihr unerklärlicherweise.

Da sie ihren Schwanz sowieso nicht aufhalten konnte, entschied Emilia sich, ihn wenigstens zu beeinflussen. Es war das geringste, was sie tun konnte, und sicherlich nicht genug, um Fantasma vor dem Ausflippen zu bewahren, falls es sie wirklich anekeln würde, aber immerhin war es ein Anfang. Sanft ließ sie ihn sich um Fantasmas Penis schlingen und umwickelte ihn so. Als sie ihn dann zärtlich auf und ab bewegte, war es als würde sie ihr einen runterholen. Mit seiner monströsen Länge und Flexibilität funktionierte das erstaunlich gut. Bald hauchte Fantasma ihr lustvolle Seufzer in den noch immer durch einen Kuß verbundenen Mund. Langsam entsapnnte Emilia sich. Anscheinend hatte Fantasma nichts dagegen, daß ihr unmenslicher Schwanz den ihren berührte. Doch sobald sie sich nicht mehr so sehr auf ihn konzentrierte, entwickelte er wieder seinen eigenen Willen und ließ seine Spitze stetig vorwärts wandern. Tastend wand sie sich weiter an der sich versteifenden Stange entlang, bis sie den Schritt des Mädchens erreichte. Von der Unterseite des Penis aus, wo sie kitzelnd auf Fantasmas Torso stieß, war es nur noch ein winziges Stück bis zur Wärme ihres Lochs. Von beiden unbemerkt brachte Emilias Schwanz auch noch diese letzte Distanz hinter sich und preßte seine Spitze hinein.

Sofort unterbrach Emilia den Kuß und taumelte erschrocken einen Schritt zurück, als sie realisierte, wo sich ihr Penis gerade befand. Widerwillig glitt seine Spitze wieder zwischen Fantasmas Schamlippen hervor, die er im Begriff gewesen war zu teilen. »Oh, Entschuldigung, das... das wollte ich nicht.«

Wie aus einem Traum erwchend blinzelte Fantasma sie an. »Schon gut, es... fühlte sich gut an.«

Emilia blieb stumm. Sie wußte einfach nicht, was sie darauf antworten sollte. Sollte sie Fantasma daran erinnern, daß sie ja wohl mit Sicherheit noch Jungfrau war, und sie ihr fast diesen Status genommen hätte, oder hätte sie darauf hinweisen sollen, daß ein Penis wie ihrer sich wohl kaum gut anfühlen konnte? Fantasma jedoch nahm ihr die Entscheidung ab. Sie drängte zurück in Emilias Arme und versiegelte ihren Mund mit einem Kuß. Worte waren jetzt nicht nötig, fand sie. Alles, was sie wollte, war, wieder die Geborgenheit in ihrer Umarmung zu spüren und die Lippen auf ihren. Es störte sie auch nicht, daß Emilias Schwanz an ihren gedrückt wurde, im Gegenteil. Es war wirklich wundervoll gewesen, als sein Kopf so gerade eben zwischen ihre Labien geschlüpft war. Eigentlich hatte sie nie etwas Schöneres erlebt. Zwar war es auch jedesmal herrlich, wenn sie einen ihrer Finger durch ihren Schlitz fahren ließ, doch als sich die so unglaublich samtene Schwanzspitze gefühlvoll in sie geschoben hatte, war einfach nur unbeschreiblich gewesen. So hielt sie auch in freudiger Erwartung still, als Emilias Penis nun langsam an ihrem Oberschenkel nach oben wanderte. Erneut schlich er sich in Richtung ihrer Spalte, doch diesmal tat keine von beiden etwas, um ihn aufzuhalten.

Auch Emilia merkte, wie sich ihr Ding dorthin stahl, fühlte sich aber nicht in der Lage, sich wieder aus Fantasmas Armen zu lösen. Sie war von ihrer Reaktion noch immer zu entgeister, um sich überhaupt bewegen zu können, außerdem erhellte diese Nähe ihr dunkles Herz viel zu sehr, als daß sie sie hätte aufgeben können. Sie konnte nur den Atem anhalten und gespannt verfolgen, wie ihr Schwanz sich an Fantasmas Öffnung in Position brachte. Mit einem Mal drückte er zu und drang tief in den seidigen Kanal ein. Fantasma keuchte erschrocken auf, als sie so plötzlich ausgefüllt wurde und unterbrach ihren Kuß. Sie bestürzt ansehend erkannte Emilia den Schmerz der Entjungferung in ihren Augen.

Beschämt wollte sie sich von ihr reißen, sich anziehen und fortgehen, am besten gleich in ein anderes Land, doch hielt Fantasma sie zurück. Der kurze, stechende Schmerz, der in ihr aufgeblitzt war, war bereits verklungen. Sanft schüttelte sie den Kopf und zog Emilia enger an sich, während der biegsame Penis in ihr sich stetig vor und zurück schob. Obwohl ihrer beider Brüste noch immer bekleidet waren, spürte Fantasma die winzigen Erhebungen des anderen Mädchens durch den Stoff ihres Kleids hindurch. Liebevoll sah sie ihr in die Augen und senkte sich ihrem Gesicht zu, bis sie wieder zu einem Kuß zusammenfanden, doch tat sie diesmal etwas, mit dem Emilia nicht gerechnet hatte. Sie öffnete ihren Mund und ließ ihre Zunge in ihren gleiten.

Erst war Emilia so überrascht, daß sie es nur still hinnahm, aber als die Zunge begann, neugierig ihren Mund zu erforschen, steckte sie ihr die eigene entgegen. Sofort nachdem sie sich das erste Mal zart berührt hatten, schmiegte Fantasmas Zunge sich druckvoll an ihre. Emilias Beine knickten vor Lust fast ein, so sehr erregte dieses Gefühl sie. Dabei waren ihre Hüften sogar ein wenig voneinander entfernt. Obwohl die oberen Hälften ihrer Körper lückenlos zusammenlagen, klafften die unteren etwas auseinander, verbunden nur durch Emilias Schwanz, der sich schlängelnd in Fantasmas feuchter Weiblichkeit umherwand. Fantasmas Penis wurde dabei gegen ihre Scham gedrückt und selbst diese kaum merkliche, sanfte Berührung ließ Emilia erneut zusammenzucken. Unwillkürlich beugte sie sich leicht vornüber, als sich ihr Magen verkrampfte, und das Stehen fiel ihr immer schwerer.

Letztendlich hielt sie nicht länger durch. Ihre Knie gaben nach und sie sank langsam zu Boden, Fantasma mit sich ziehend, noch immer vereint in einer unlösbar scheinenden Umarmung. Einen Moment setzten sie ihren Kuß kniend fort, sich weiterhin gegenseitig beglückend, dann drückte Emilia ihre Gespielin vorsichtig and en schultern hinunter, legte sie auf den Rücken und sich selbst flach auf sie. Ohne ihre Lippen voneinander zu trennen begann Emilia sich auf Fantasma zu bewegen. Gleichmäßig scho sie sich auf ihr vor und zurück, so daß sie sanft übereinanderrieben. Eigentlich war das gar nicht nötig, ihr Schwanz stieß von allein in die ihn umhüllende Scheide, aber sie konnte sich jetzt nicht mehr zurückhalten. Alles in ihr schrie danach, sich dem süßen Mädchen unter ihr entgegenzudrängen, und sie hatte nicht mehr die Kraft, sich dieser inneren Stimme zu widersetzen.

Außerdem intensivierte es dieses Erlebnis noch, wie sie feststellte. Auf diese Weise über Fantasmas Brust fahrend strichen ihre eigenen Nippel beständig über die seidige Haut des Mädchens. Dieses kitzelnde Streifen wie von fein gewebtem Stoff, der an ihr herabfiel, ließ sie selig erschaudern. Wärme begann ihren Bauch zu füllen und breitete sich von dort bis in die entlegensten Winkel ihres Körpers aus.

Fantasma hatte ein ganz ähnliches Gefühl. Emilias Hitze und Nähe auf sich liegen zu spüren, während der Schwanz in ihr sich verlangend tief in sie schob, war einfach nur himmlisch. Hätte nicht schon ihr erster, noch unschuldiger Kuß sie so sehr angemacht, daß sich ihr Penis versteift hatte, wäre es spätestens jetzt der Fall gewesen. Doch so lag er bereits steinhart zwischen ihnen eingeklemmt, mitten im Zentrum von Emilias aufreizenden Bewegungen. Eng an sie beide gedrückt pochte er wie wild, während Emilias Bauch unablässig sanft über ihn hinwegglitt, ihn immer fester an sie pressend. Gefangen in diesem überwältigenden Kontakt wuchs die Lust in ihr mehr und mehr, bis es kaum noch auszuhalten war.

Doch irgendwann hob Emilia ihren Oberkörper wieder an. Ihr Atem war immer heftiger geworden und flach auf Fantasma liegend war es ihr schwergefallen, genügend Luft zu bekommen. Als sie sich kniend aufrichtete, stöhnte sie erleichtert auf. Ihr Schwanz fuhr noch immer von selbst in Fantasma ein und aus, das hielt Emilia jedoch nicht davon ab, mit ihren eigenen leidenschaftlichen Bewegungen fortzufahren. Mahlend führte sie ihre Hüfte an Fantasmas Gesäß auf und ab, so daß ihre Scheide über die untere Schamgegend des Mädchens strich. Obwohl sie jetzt wieder befreit Luft holen konnte, ging ihr Atem immer hektischer und ruckartiger.

Fantasma war ein wenig enttäuscht. Zwar war das Gefühl von Emilias in sie stossenden Penis, während deren zweites Geschlecht seine Feuchtigkeit an ihrer Kehrseite verteilte, genug um sie weiterhin lustvoll erbeben zu lassen, trotzdem fehlte ihr die zusätzliche Stimulanz an ihrem steifen Schwanz ein bißchen. Nachdem Emilia sich von ihr erhoben hatte, ragte er nun steil von ihrem Unterleib empor, förmlich nach Zuwendung bettelnd. Einen Moment lang betrachtete sie ihn, wie er in der kühlen Luft hin und her schwang, dann ergriff sie ihn. Die Augen geschlossen masturbierte sie fieberhaft, während sie gleichzeitig das Schlängeln des seltsamen Schwanzes in sich genoß.

Entzückt betrachtete Emilia die onanierende, kindliche Hermaphroditin vor sich. Ihr nachtschwarzes, langes Haar lag ausgebreitet um ihren Kopf herum auf dem Fußboden, die geschlossenen Augen in dem sanftmütigen Gesicht vervollständigten das Bild unschuldiger Schönheit. Ihren Unterkörper weiterhin Fantasmas entgegenwerfend ließ Emilia den Blick tiefer wandern. Während der Schwanz in ihr immer ungestümer in sie drang, hielt Fantasma ihren eigenen zwischen Daumen und zwei Fingern, die ihn rasend wichsten. Bei diesem wunderbaren Anblick blieb Emilias Blick hängen. Staunend beobachtete sie, wie Fantasma sich selbst befriedigte, während sich ihr eigener Penis in sie bohrte. So angetan von dieser Darstellung höchster Lust dauerte es nicht lang, bis ein Ziehen in ihren innerhalb des Körpers liegenden Hoden sie auf ihren bevorstehenden Orgasmus hinwies. Mit letzter Kraft, bevor ihr Höhepunkt jede weitere Anstrengung verhindern würde, verstärkte sie ihr Reiben an Fantasmas Scham, dann warf sie den Kopf in den Nacken.

Als die sonderbaren Bewegungen Emilias Schwanzes in ihr so hemmungslos wurden wie noch nie, spürte Fantasma plötzlich, wie er anfing zu spritzen. Wie schon zuvor in ihrem Mund strömte das Sperma ununterbrochen aus ihm hervor, und verteilte sich durch seine zügellosen Zuckungen in jeden Winkel ihrer Körperöffnung. Wuchtig fühlte Fantasma es in sich schießen, wo es zäh ihre Scheidenwände bedeckte. Immer mehr Samen sammelte sich in ihr, bis ihr Loch schließlich vollständig gefüllt war und es begann, aus ihr hervorzutröpfeln.

In diesem Moment konnte auch Fantsama sich nicht länger zusammenreißen. Als das Sperma aus ihrer Scheide rann und dort von Emilias mahlenden Hüften über den gesamten Intimbereich beider Mädchen verschmiert wurde, kam es auch ihr. In einem mächtigen Strahl sprudelte der Samen aus ihr heraus. Obwohl Emilia es auf sich zukommen sah, zuckte sie zusammen, als der erste Spritzer auf ihre Wange klatschte. In Anbetracht der nicht wirklich beeindruckenden Größe von Fantasmas Penis hatte sie nicht gedacht, daß das Sperma so hoch geschleudert werden würde. Selbst die beiden nachfolgenden Teile ihres Ejakulats trafen noch ihr Gesicht, erst danach schwächte der Druck ab und der Samen besudelte ihr Hals, Brüste und Bauch. Überrascht spürte sie die warme Nässe an sich kleben und kitzelnd hinablaufen.

Als zuletzt nur noch einzelne Tropfen aus Fantasmas Schwanzspitze hervorquollen, löste Emilia sich von ihr. Mit einem feuchten Geräusch glitt ihr erschlaffender Schwanz aus der Scheide ihrer neuen Mitschülerin, gefolgt von weiterer austretender Samenflüssigkeit. Erschöpft aber glücklich ließ sie sich neben ihr auf den Boden sinken. Lang ausgestreckt lagen beide spermabefleckten Mädchen eine Weile schweigend nebeneinander, die Stille nur unterbrochen von ihrem heftig gehenden Atem.

»Weißt du, was ich mir gerade überlegt habe?«, fragte Fantasma letztendlich leise, den Blick an die gegenüberliegende Wand gerichtet, die von den Schaubildern des Physik-Clubs übersät war.

In der Lache, die ihre herabfließenden Säfte allmählich unter ihr bildeten, drehte Emilia sich zu ihr um. »Daß wir noch dringend unsere Spuren verwischen sollten, bevor wir so schnell wie möglich von hier verschwinden?«

»Äh, nein. Aber gute Idee. Aber ich dachte, wir sollten unseren eigenen Club gründen.«

»Was? Etwa so einen Schul-Club? Wir beide? Wieso?«

»Naja, immerhin sind wir beide anders als die anderen Schüler hier. Wir haben beide einen Schwanz und sind wohl auch sonst nicht unbedingt... normal. Ich finde, da sollten wir einfach zusammenhalten.«

»Und deswegen willst du einen Club gründen? Wozu das?«

»Weißt du, die Leute halten mich oft für eine Träumerin...«

»Ach ja? Wieso nur?«

»Naja, jedenfalls bin ich der Meinung, daß das doch gar nicht so schlimm ist, trotzdem werde ich dafür manchmal benachteiligt. Unser Club sollte es sich zur Aufgabe machen, solche Ungerechtigkeiten zu bekämpfen. Wir sollten für mehr Toleranz einstehen und den Leuten zeigen, daß es nicht schlimm ist, anders zu sein. Gemeinsam sind wir stärker! Vielleicht müssen wir uns dann eines Tages nicht mehr verstecken, nur weil wir anders sind... und Halbdämonen.«

Emilia nickte vorbehalten. All ihr Haß galt den Rechten, besonders denen, die gar nicht merkten, daß sie rechts waren, weil sie ja nichts gegen Ausländer hatten, aber trotzdem munter jeden Andersdenkenden unterdrückten. Wenn die Welt irgendetwas nötig hatte, dann war es eine grundlegende Veränderung. Allerdings konnte sie sich nicht vorstellen, daß ein paar dreizehnjährige Schülerinnen dabei besonders hilfreich sein sollten.

»Ich glaube nicht, daß ein Schul-Club die Welt verändern kann«, äußerte sie ihre Bedenken.

»Die Welt vielleicht nicht, aber vielleicht wenigstens sie Schule.« Die Welt würde später noch folgen, fand Fantasma.

»Aha. Und wie willst du den Club nennen? Den Freak-Club, oder wie?«

»Hey, das klingt gar nicht so schlecht...«

Emilia seufzte innerlich auf. Hätte sie doch bloß ›Club der Halbdämoninnen‹ vorgeschlagen, oder irgendetwas, das wenigstens ein bißchen cooler war. Aber Fantasma war in ihrer Begeisterung schon nicht mehr zu bremsen.

»Ja, Freak-Club, das ist richtig gut! So, einen Namen haben wir schon, jetzt brauchen wir nur noch einen Club-Raum zu beantragen.«

»Warte mal, warte mal! Du willst also zu den Schulsekretärinnen gehen, und ihnen mitteilen, daß du einen Freak-Club gründen willst, der zum Ziel hat, Halbdämonen und andere Außenseiter besser akzeptiert werden zu lassen?«

»Ähm... vielleicht sollte es besser sowas wie ein Geheim-Club sein.«

»Ja, gute Idee«, sprach Emilia ein Lob aus, das nur zur Hälfte sarkastisch gemeint war.

»Gut, nachdem das jetzt geklärt ist, erkläre ich die erste offizielle Sitzung des Freak-Clubs für beendet.« Lächelnd stand Fantasma auf. »Komm, wir wollten ja noch zu mir gehen.«

Emilia erhob sich ebenfalls, blieb aber stehen. »Warte, wir wollten doch noch unsere Spuren verwischen, schon vergessen?«

»Natürlich nicht!«, wehrte Fantasma ab, dann blickte sie sich suchend in dem kleinen Raum um. »Ähm... womit denn?«

Jetzt sah sich auch Emilia um, hielt aber vergeblich Ausschau nach Lappen oder Tüchern, die sie hätten verwenden können. »Hm, du hast nicht zufällig Taschentücher dabei, oder?«

»Nö. Du?«

Emilia schüttelte seufzend den Kopf, dann bückte sie sich nach dem einzigen Gegenstand, der ihr in dieser situation hilfreich erschien: ihrem Slip, der noch immer dort am Boden lag, wo er zuvor unbeachtet herabgefallen war. Während sie wortlos damit begann, die weißen Flecken innerhalb des Stuhlkreises aufzuwischen, zog auch Fantasma ihr Höschen aus.

»So hab ich mir die Club-Arbeit nicht vorgestellt«, stöhnte sie, als sie ihren Slip in eine Spermapfütze tauchte.



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